In Schutzstarre: Daniel Pankratz, Freileitungsmonteur bei den Stadtwerken, hatte Michael Jöbges an das Nest herangefahren. Danach machte er selbst ein Erinnerungsfoto von den Tieren, die sich in 15 Metern Höhe regungslos in das Nest kauerten. - © Andreas Frücht
In Schutzstarre: Daniel Pankratz, Freileitungsmonteur bei den Stadtwerken, hatte Michael Jöbges an das Nest herangefahren. Danach machte er selbst ein Erinnerungsfoto von den Tieren, die sich in 15 Metern Höhe regungslos in das Nest kauerten. | © Andreas Frücht

Olderdissen Die ersten Störche mit Ring-Kennzeichnung aus Bielefeld

Arno Ley

Olderdissen. Die drei frei lebenden Jungstörche im Tierpark bekommen keine Namen. Aber jeden wird ein Ring an seinem Bein ein Leben lang wiedererkennbar machen. Es sind die ersten Störche aus Bielefeld, bei denen die Vogelforscher versuchen, ihren Lebensweg zu verfolgen. Gestern hat Michael Jöbges, Berufs-Ornithologe aus Düsseldorf, die Störche markiert. „Es schadet den Jungstörche nicht, wenn sie beringt werden", sagte Jöbges vor Beginn der Aktion. Die Stadtwerke hatten einen Hubsteiger zur Verfügung gestellt. Mit dem konnte sich der Spezialist für die Tiere gefahrlos bis an das Nest auf dem Dachfirst der 15 Meter hohen Futterscheune bringen lassen. Von unten schauten sich Herbert Linnemann, der Leiter des Tierparks, und der Frauenarzt Joachim Volz die Aktion an. Volz hatte vor zehn Jahren das Nest auf der Scheune gespendet. Für den heutigen Chef des Kinderwunschinstitutes am Adenauerplatz eine Herzensangelegenheit und zugleich ein Symbol für seinen Berufsstand. „Ich komme aus Mannheim. Da gibt es viele frei lebende Störche. Da wollte ich dem Tierpark in Bielefeld helfen." Zehn Jahre hat er warten müssen. „Aber dafür gab es jetzt ja gleich Drillinge", sagt er erfreut. Die Jungstörche machten keinen Mucks, als Jöbges sich ihnen näherte. „Als Schutzreflex legen die sich flach und regungslos ins Nest. Schwarzstörche würden um sich beißen", erklärte er, bevor er sich hochtransportieren ließ. Jöbges schloss um ihre Unterschenkel Aluringe. Die Bielefelder tragen jetzt die Kennungen 366L, 367L und 386L. Durch die Markierung haben die Vogelforscher in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Erkenntnisse über die Tiere gewinnen können. „Ihr Verhalten scheint sich zu verändern. Es bleiben inzwischen sogar einige ganzjährig in Deutschland", berichtet Jöbges. Es könnte ein Ergebnis des Klimawandels sein. „Wenn es dann doch mal richtig kalt wird oder schneit, fliegen die innerhalb einer Woche in wärmere Gegenden." Vermutlich, so sagt Jöbges, werden die drei Bielefelder Westzieher sein. Sie werden den Winter in Spanien verbringen, vielleicht auch über die Sahara fliegen bis Mali oder Niger. Nur die Hälfte der Tiere überlebt das erste Jahr. Es besteht damit immerhin eine große Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Jungstorch in unsere Gegend zurückkehren wird. „Wenn sie wiederkommen, bekommen sie auch einen Namen", sagt Linnemann. Die Eltern werden im Tierpark „Herr und Frau Meyer" genannt. „Sie brüten schließlich auf einem Meyerhof. Sie bleiben aber auf Distanz. Deshalb nur Herr und Frau ohne Vornamen."

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