Kai Anke fragt sich manchmal, ob er ein Astronaut ist, der auf dem Traktor sitzt oder ein Landwirt, der in einem Raumschiff arbeitet. Technik und Landwirtschaft sind für den Testingenieur, der beim Landmaschinenhersteller Claas angestellt ist, kein Widerspruch. - © WDR/ Eva Schötteldreier
Kai Anke fragt sich manchmal, ob er ein Astronaut ist, der auf dem Traktor sitzt oder ein Landwirt, der in einem Raumschiff arbeitet. Technik und Landwirtschaft sind für den Testingenieur, der beim Landmaschinenhersteller Claas angestellt ist, kein Widerspruch. | © WDR/ Eva Schötteldreier

Bielefeld Was macht der Astronaut auf dem Bielefelder Acker?

Innovative Landtechnik: Kai Anke tüftelt an innovativen Steuerungssystemen

Richard Zelenka

Bielefeld/Harsewinkel. Für den Dreh auf dem Acker seines Ausbildungsbetriebes in Niederdornberg musste Kai Anke einen Astronautenanzug überziehen – für den 34-jährigen Claas-Testingenieur war das eine anstrengende und schweißtreibende Angelegenheit. „Es war die Idee einer Redakteurin. Es sollte möglichst cool und futuristisch aussehen. Man will zeigen, wie innovativ die moderne Landtechnik ist", erinnert sich Anke an die aufregenden Dreharbeiten mit einem Team des WDR-Fernsehens in den Produktionshallen der Firma Claas und draußen auf dem Feld in Bielefeld. Nach zwei Tagen war der etwa elfminütige Film im Kasten. Die Agrartechnik von heute ist komplex und für den Laien kaum zu begreifen. Nur so viel: Gemeinsam mit seinen Kollegen von der Claas-Entwicklungsabteilung forscht der gelernte Landwirt und studierte Agraringenieur, der bei ET Systems Gütersloh seinen Arbeitsplatz hat, an Systemen, die die Landwirtschaft effizienter und besser machen sollen. Wie von Geisterhand gelenkt Neben der automatischen Lenkung, bei der die Erntemaschinen wie von Geisterhand gesteuert mittels GPS zentimetergenau über das Feld bewegt werden, gehört die gezielte und maßgeschneiderte Düngung zu den Forschungsfeldern des Teams um Kai Anke. Natürlich muss dabei der Landwirt nicht als Astronaut über das Feld schreiten. Die WDR-Idee war ein reiner Eyecatcher. Im Alltag sitzt der Bauer bequem im Cockpit seiner Maschine und sorgt mit wenigen Handgriffen dafür, dass der Dünger in richtiger Dosierung dort ausgebracht wird, wo gerade Bedarf besteht. Der Experte nennt das die „teilspezifizierte Düngung". Ein Sensor, der der Maschine vorgeschaltet wird, ertastet optisch anhand von Grünfärbung und Biomasse den Bedarf der Pflanzen und sorgt für die jeweils richtige Düngermenge. „Es ist ein technisch sehr anspruchsvolles Verfahren. Uns war es aber wichtig, dass das System anwenderfreundlich und leicht zu bedienen ist, denn am Steuer sitzt in der Regel kein Techniker", so der Testingenieur. Tüftler aus Passion Kai Enke ist ein Tüftler aus Passion, der sich der Landwirtschaft seit der Kindheit verbunden fühlt. Sein Job bei Claas erlaubt es ihm, sein Faible für Technik und sein praktisches Wissen um die Landwirtschaft auf ideale Weise zu verbinden. Wenn er nicht gerade bei Claas über neue Steuerungssysteme brütet, packt er kräftig in dem Betrieb in Bielefeld-Niederdornberg an, wo er zum Landwirt ausgebildet wurde und heute noch mit seiner Frau lebt. Am Steuer eines Treckers oder im Cockpit einer Erntemaschine fühlt sich der 34-Jährige so richtig in seinem Element – und kann so quasi nebenbei wertvolle Erfahrungen für seine Entwicklungsarbeit sammeln. Der Hof bietet ihm aber auch die ideale Möglichkeit, die aktuellen technischen Trends in der Praxis zu testen. „Die Digitalisierung der Landwirtschaft schreitet voran", sagt er. Und der junge Claasianer will mit seinen Forschungen seinen Beitrag dazu leisten, dass Claas auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Welternährung leisten kann.

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