Deutliche Botschaft: Am Dürerweg hat die Bürgerinitiative „Bielefeld – natürlich" einen Treckeranhänger mit einem Plakat aufgestellt und wendet sich damit gegen eine mögliche Stadtbahnhaltestelle. - © Barbara Franke
Deutliche Botschaft: Am Dürerweg hat die Bürgerinitiative „Bielefeld – natürlich" einen Treckeranhänger mit einem Plakat aufgestellt und wendet sich damit gegen eine mögliche Stadtbahnhaltestelle. | © Barbara Franke

Babenhausen Bürger protestieren gegen Entwicklungspläne für Babenhausen

Bürgerinitiative: „Bielefeld natürlich“ lehnt die Verlängerung der Linie 4 bis zur Dürerstraße ab

Sebastian Kaiser

Babenhausen. Hinter dem harmlos klingenden Namen „Ortsteilkonzept Babenhausen" stecken Überlegungen, die zum größten baulichen Entwicklungsgebiet der Stadt führen könnten. Es geht um die etwa 670 Hektar große Fläche nordwestlich des Uni-Campus zwischen Wertherstraße, Babenhauser Straße und Schloßhofstraße. Dort könnten Wohnbauflächen, Gewerbeareale und Universitätsgebäude entstehen – oder ausgedehnte Landwirtschafts- und Naturflächen sowie Bachauen bestehen bleiben. Die Initiative „Bielefeld natürlich" will, dass dieser Bereich möglichst grün bleibt und wendet sich gegen Pläne für eine Bebauung. Am Pfingstmontag nahmen rund 150 Menschen an einer Tour durch das Gebiet teil, ließen sich über Auswirkungen des Flächenverbrauchs informieren und protestierten vor allem gegen den geplanten Weiterbau der Stadtbahnlinie 4 vom Uni-Campus bis zur Dürerstraße. Denn, so die Initiative, mit der Verlängerung der Straßenbahn würde eine Vorentscheidung für die Bebauung des Areals fallen, in dem es Wohnungen für mehrere Tausend Menschen geben könnte. „Die Verlängerung der Stadtbahn um 1,3 Kilometer würde eine Bebauung legitimieren, wie sie Bielefeld noch nicht gesehen hat", sagte Alexander Brand von „Bielefeld natürlich" beim Ausrollen eines Protest-Plakates an der Dürerstraße. Martin Enderle vom Verein „pro Grün" spricht von einem Paradigmenwechsel: Die Bahn fahre nicht mehr dorthin, wo Leute wohnten, sondern es würde dort gebaut, wohin die Bahn fahre. Die Altenhagener Haltestelle „Buschbachtal" der Linie 2, derzeit mitten in Feldern gelegen, drohe zum „Präzedenzfall" zu werden. Wie Alexander Brand betonte, sei die Verlängerung der Linie 4 teuer, unsinnig und ohne Vorteile. Etwa 20 Millionen Euro werde das Projekt kosten. Den Großteil finanziere das Land, aber 500.000 Euro pro Jahr müsse die Stadt tragen. „Für dieses Geld könnte man auch Radwege bauen oder die Busflotte von MoBiel umweltfreundlich modernisieren", so Brand. Selbst wenn Hunderte von neuen Wohnungen im Einzugsbereich der neuen Endhaltestelle Dürerstraße gebaut würden, bliebe die Trassenverlängerung nach Auffassung von „Bielefeld natürlich" unwirtschaftlich. „An der Dürerstraße kann man nicht genug neue Fahrgäste gewinnen und für Beschäftigte von neuen Uni-Einrichtungen wird die Verlängerung nicht gebraucht", sagt Brand. Derzeit wohnten im Bereich einer möglichen Endhaltestelle Dürerstraße zu wenig Menschen, um den Bahnbau zu rechtfertigen. „Gebraucht wird sie dort nicht, denn es gibt bereits die Buslinie 25/26. Die braucht 18 bis 32 Minuten von der Dürerstraße zum Jahnplatz, die Stadtbahnfahrt würde 16 bis 34 Minuten dauern. Am schnellsten ist das Fahrrad mit 16 Minuten", sagt Initiativenmitglied Tobias Nels. Ohne Stadtbahn würde etwa an der Grünebergstraße deutlich weniger gebaut, ist Alexander Brand überzeugt. Damit würde auch die zusätzliche Belastung von Jöllenbecker, Schloßhof- und Wertherstraße geringer ausfallen. „Besser wäre es, das Radfahren zu fördern." Ein Fahrradanteil von 40 Prozent am innerstädtischen Verkehr sei möglich. Bielefeld habe derzeit 15 Prozent.

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