Hat das Schachspiel in die Wiege gelegt bekommen: Gunther Stephan spielt schon seit über 50 Jahren Schach. Sein Vater war ebenfalls beim Brackweder Schachklub. - © Sabrina Pick
Hat das Schachspiel in die Wiege gelegt bekommen: Gunther Stephan spielt schon seit über 50 Jahren Schach. Sein Vater war ebenfalls beim Brackweder Schachklub. | © Sabrina Pick

Brackwede Von Hüppern und Königen

Übung macht den Leiter (6): Gunther Stephan vom Brackweder Schachklub

Sabrina Pick

Brackwede. Der Puls rast, die Hände zittern. Mit jeder Sekunde wächst der Druck, den Gegenspieler auszuschalten. Doch nur wenn der König besiegt ist, ist das Spiel gewonnen. „Beim Schach kann es richtig heiß hergehen“, weiß Gunther Stephan. Seit den 1980er Jahren ist er Spielleiter beim Brackweder Schachklub. Seit mehr als fünf Jahren hilft er auch beim Jugendtraining aus und bringt die Kinder wortwörtlich an die Bretter.

Es ist zehn Minuten vor fünf, als die ersten Kinder und Jugendlichen in der Spielstätte an der Kimbernstraße eintreffen. Jeden Montag von 17 bis 19 Uhr sowie donnerstags von 18 bis 19 Uhr werden Strategien des beliebten Brettspiels geübt. Der jüngste Spieler ist in der ersten Klasse, der älteste ist 20 Jahre alt. Gunther Stephan hat schon alles vorbereitet: Die Schachbretter liegen auf den Tischen. Auf jedem Spielfeld befinden sich eine Hand voll Figuren, immer in einer anderen Konstellation. „Die Kinder sollen überlegen, welche Züge jetzt am sinnvollsten sind“, erklärt der 60-Jährige. Schneeweiße Strähnen fallen ihm in die Stirn.

Die Leidenschaft für das Schachspiel ist dem Finanzbeamten in die Wiege gelegt worden. „In meinem Geburtsjahr 1954 ist mein Vater deutscher Pokalmeister geworden“, sagt er stolz. Mit fünf Jahren brachte dieser ihm das Spiel bei. Im Alter von 13 Jahren trat Stephan dann in den Brackweder Schachklub ein. „Damals gab es noch keine Jugendabteilung. Deswegen habe ich immer mit den alten Knöpfen gespielt“, sagt er liebevoll und um seine Augen ziehen sich ein paar Falten zu einem freundlichen Lächeln.

Nächtliche Schachpartien mit dem Vater

Doch so manches Mal legte Stephans große Begeisterung für den Schach auch den Haussegen schief. „Ich kann mich an Schnell-Schach mit meinem Vater erinnern. Wir haben mehr als 160 Partien gespielt – einen Tag und eine Nacht lang. Meine Mutter hat sich dann fürchterlich aufgeregt und zu meinem Vater gesagt ’Mach mir den Jungen nicht ganz verrückt!’“, sagt der kräftige Mann und lacht. Das Spiel hat er mit 86 zu 75 gewonnen.

Früher stand das Gewinnen beim Schach in Stephans Fokus. Heute ist für den 60-Jährigen der Spaß das Wichtigste. „Schach ist ein richtiger Sport, der sehr kräftezehrend sein kann“, betont der Spielleiter. Als er bei einem Turnier in Österreich im Zweier-Team gegen einen internationalen Meister angetreten ist, musste unbedingt ein Remis her, damit seine Mannschaft gewinnen konnte. Nach neun Stunden konnte Stephan das Spiel für sein Team entscheiden.

Am Schach gefällt Stephan am meisten dessen Unberechenbarkeit. Beispielsweise bestehen allein bei den ersten sechs Zügen 300.000 Möglichkeiten, eine Partie zu spielen. „Es ist immer etwas Neues. In meinem ganzen Leben habe ich erst ein Spiel mit derselben Spielfolge gespielt“, sagt er und schmunzelt. Seine blauen Augen gucken freundlich durch die silbern-umränderte Brille.

Schach-Lehrer mit Leidenschaft

Nach der Übung für die Kinder steht jetzt Blitz-Schach auf dem Programm. Dem 60-Jährigen ist der Spaß beim Training anzusehen. Und auch die Kinder sind sich darüber einig, warum sie so gerne zum Schach spielen kommen: „Wegen Gunther! Der ist lieb“, sagen sie und strahlen.

Der dreifache Vater gibt sein Wissen nicht nur gerne an die Kinder im Verein weiter. Auch seiner dreijährigen Enkeltochter hat er bereits die Schachfiguren vorgestellt. „Am interessantesten war natürlich der Springer“, sagt Stephan mit einem Augenzwinkern. Die Holzfigur mit Pferdekopf ist auch sein Favorit. „Als ich mir zu Beginn des Internets eine E-Mail-Adresse zugelegt habe, sollte der Name etwas Ausgefallenes sein. Schließlich ist es Hüpper (plattdeutsch: Springer) geworden“, erklärt der 60-Jährige und lacht.



Bisher erschienen:

´ Linda Kunkel, SV Brackwede, Fitness und Gesundheit
´ Ulrike und Wolfgang Aubke, Koronarsport SVB
´ Thomas Minnich, Tauchsport-Gemeinschaft Ravensberg
´ Uwe Libke, Karateclub Sennestadt
´ Mechthild Pogatzki-Jaschewski, Karnevalsverein Brackwede

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