Ist gerne Trainerin: Ellen Villmann schaut, ob Julia (7, oben) den Haltegriff am Boden bei Tina (9) richtig ansetzt. - © Foto: Sibylle Kemna
Ist gerne Trainerin: Ellen Villmann schaut, ob Julia (7, oben) den Haltegriff am Boden bei Tina (9) richtig ansetzt. | © Foto: Sibylle Kemna

Senne Der sanfte Weg zur Persönlichkeit

Übung macht den Leiter (7): Ellen Villmann hat im Judo ihre sportliche Heimat gefunden

Sibylle Kemna

Senne. Schon als Zehnjährige wusste Ellen Villmann, was sie wollte. "Ich war klein und zart und wollte mich selbst behaupten können." Da kam ihr Judo als Sportart gerade recht und war für die damalige Schülerin der Weg zu Gelassenheit und Selbstbewusstsein. Den gibt sie seit 20 Jahren an die Senner Kinder weiter.

Judo hat nicht nur ihr Körpergefühl verbessert, sondern auch ihren Kampfgeist geweckt: Als die gebürtige Potsdamerin in der DDR ihr Abitur nicht auf der Oberschule machen durfte, holte sie sich auf der Volkshochschule ihre Berechtigung zum Studium - parallel zur Lehre in der Apotheke. Und sie zeigte es allen und absolvierte das Pharmaziestudium in fünf Jahren. "1989 passend zum Mauerfall war ich fertig", erzählt die gradlinige 51-Jährige grinsend.

Dem Judo ist sie stets treu geblieben, ob in Schule, Lehre, Studium oder als Apothekerin und Mutter. Der faire Kampf, die Vielfalt der Bewegungserfahrungen, das partnerschaftliche Miteinander, weil man den anderen nie als Gegner, sondern als Partner sieht - das alles macht für sie die Faszination der japanischen Sportart aus. Judo ist auch eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung, bei der das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen im Mittelpunkt steht, neben der Stärkung von Körper und Geist durch Angriffs- und Verteidigungsübungen.

"Es war auch immer ein schöner Ausgleich zum Studium und zur Arbeit", sagt die Apothekerin, die sich ständig weiter entwickelt und nach und nach alle Schüler- und inzwischen vier Meistergrade erworben hat. "Dieser Sport wird nie langweilig." 1991 kam sie nach Ostwestfalen, weil ihr Mann als Ingenieur für Schienenfahrzeuge eine Anstellung in Minden fand. Auf der Suche nach einer Mannschaft landete sie in Senne. "Der TuS hatte damals eine Judofrauenmannschaft, die in der Bundesliga kämpfte, und da konnte ich mitmachen", berichtet die sympathische Judoka.

Information

Aktiv im Ehrenamt

Sie sind motiviert, geduldig und Meister ihres Sports: die Übungsleiter der Sportvereine in der Region.

In der Serien „Übung macht den Leiter“ stellt die Neue Westfälische einige Trainerinnen und Trainer aus dem Bielefelder Stadtteilen Brackwede, Senne und Sennestadt vor, die sich schon seit vielen Jahren ehrenamtlich engagieren.

1994 stieg sie auch als Trainerin beim TuS ein und lehrt heute die Kinder in zwei verschiedenen Altersgruppen den "sanften Weg zur Entwicklung der Persönlichkeit", wie sie sagt. Disziplin ja - Drill nein, lautet ihre Devise. "Es soll Spaß machen." Sie freut sich, wenn die Kinder die Angst vor körperlicher Nähe verlieren und mancher mit motorischen Auffälligkeiten sein Körpergefühl erheblich verbessert. Auch eine Trainerausbildung  zur Judolehrerin hat sie absolviert und bleibt auch dabei immer "am Ball." "Ich bin ja als Trainerin zwangsläufig auch Pädagogin, und da hole ich mir gerne Anregungen", berichtet sie. Ihre Faszination für Judo gibt sie gerne weiter, "das ist sehr befriedigend".

Der TuS Senne ist ihre sportliche Heimat geblieben, auch als sie und ihr Mann vorübergehend zehn Jahre lang in Ilsenburg/Harz gearbeitet haben. "Zwei Stunden Fahrt auf der Autobahn zu jedem Training, das war nicht schön", erinnert sich die fröhliche Frau mit der Kurzhaarfrisur. "Aber ich habe Senne immer die Treue gehalten." Inzwischen wohnt sie in Bielefeld und hat ihre ehrenamtliche Arbeit beim TuS Senne noch ausgebaut. "Ich bin im Vorstand und dort für das Personal beim TuS zuständig", berichtet die Mutter der 24-jährigen Svenja. "Hier in Senne haben wir eine tolle Zusammenarbeit, es haben sich Freundschaften entwickelt."

Das Kämpfen ist jetzt nicht mehr so ihr Ding. "Mit über 50 verändert sich die Perspektive", berichtet sie. Inzwischen hat sich ihre Gruppe auf Kata, den Schaukampf mit Partner spezialisiert. Und als Trainerin hat sie sich in Tai Chi und Qi Gong ausbilden lassen. "Da werde ich auch bald Kurse anbieten", sagt die engagierte TuS-Frau, die immer in Bewegung ist. An sich arbeiten und Neues umsetzen, das hat sie sich auch für die zweite Lebenshälfte vorgenommen.

Bisher erschienen:

´Linda Kunkel, SV Brackwede, Fitness und Gesundheit

´ Ulrike und Wolfgang Aubke, Koronarsport SVB

´ Thomas Minnich, Tauchsport-Gemeinschaft Ravensberg

´ Uwe Libke, Karateclub Sennestadt,

´ Mechthild Pogatzki-Jaschewski, Karnevalsverein Brackwede

´Gunther Stephan, Brackweder Schachclub

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