Die positiven Seiten: Die 91-jährige Marie Albe ist froh über Hilfe in direkter Nähe, Gemeinschaft, Angebote zur Tagesgestaltung. Darum ist sie gerne ins Seniorenzentrum Rosenhöhe gezogen, das von Marion Dewert-Girod geleitet wird. - © Judith Gladow
Die positiven Seiten: Die 91-jährige Marie Albe ist froh über Hilfe in direkter Nähe, Gemeinschaft, Angebote zur Tagesgestaltung. Darum ist sie gerne ins Seniorenzentrum Rosenhöhe gezogen, das von Marion Dewert-Girod geleitet wird. | © Judith Gladow

Brackwede Marie Albe erzählt von ihrem Schritt in die stationäre Pflege

"Ich wusste, hier ist mein Zuhause"

Judith Gladow

Brackwede. Wie wohl sich Marie Albe in ihrem kleinen Reich fühlt, ist schon zu spüren, wenn man ihr Zimmer im Seniorenzentrum Rosenhöhe betritt. Bunte Blumen auf dem Tisch bringen Farbe in den Raum, das gemütliche Sofa ist akkurat mit Kissen dekoriert. "Ich freue mich, meinen letzten Abschnitt hier zu verbringen", sagt die 91-Jährige. "Im stationären Bereich hat man den Vorteil, dass man weiß, es ist immer jemand nah bei", sagt Marion Dewert-Girod, die das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) leitet, im Vergleich zur ambulanten Betreuung. Vollversorgung mit Pflege, regelmäßigen Mahlzeiten und die Nähe der Pfleger und Mitbewohner erleichtern den Bewohnern den Alltag. "Letztlich muss man einfach schauen, was zu einem Menschen passt." Für Marie Albe stand von Anfang an fest, dass sie im Seniorenzentrum, das von der Arbeiterwohlfahrt getragen wird, richtig ist. Sie erzählt, dass sie schon vor 25 Jahren einmal dort war, um mit einer Freundin deren Schwester zu besuchen. "Damals hat es mir schon sehr gefallen." Als sie dann vor fünf Jahren nach einem Sturz zweimal im Hüftbereich operiert worden war, lag sie fünf Wochen im Krankenhaus. "Danach konnte ich nicht wieder nach Hause." Zunächst kam sie nur vorübergehend zur Reha in das Seniorenzentrum und wollte gleich da bleiben. "Ich wusste, hier ist mein neues Zuhause", sagt sie. Ihr Sohn wäre zwar zunächst nicht begeistert davon gewesen, sie hat ihn am Ende aber überzeugen können. "Bis jetzt habe ich keinen Tag bereut." Am Anfang sei sie zwar zunächst auch etwas fremd gewesen. Sie fand aber schnell Anschluss und kümmert sich gerne um befreundete Mitbewohner. Eine Freundin, die sie ganz am Anfang kennengelernt hat, ist erst vor wenigen Monaten verstorben. Marie Albe hat sie bis zum Schluss besucht, ihr die Zeitung gebracht und ihr Gesellschaft geleistet. Dass sie selbst trotz ihres Unfalls und anschließender Bettlägerigkeit wieder so fit geworden ist, nimmt sie mit Dankbarkeit an. Dennoch ist auch Marie Albe klar, dass das Seniorenzentrum ihre letzte Station sein wird. Insgesamt sei der Pflegebedarf der Menschen, die in das Brackweder Altenheim kommen, ganz unterschiedlich. "Wir haben Bewohner, die sind ganz viele Jahre bei uns, es gibt aber auch die, die nur wenige Wochen da sind", erklärt Dewert-Girod. Es gibt die, wie Marie Albe, die noch sehr gut zurechtkommen, es gibt aber auch die, die rund um die Uhr Hilfe brauchen. Insgesamt haben rund 21 Prozent der Bewohner die höchste Pflegestufe 3. 137 Mitarbeiter auf 84 Vollzeitstellen sind in drei Schichten im Einsatz und kümmern sich darum, ihnen den letzten Lebensabschnitt so angenehm wie möglich zu machen. Es gebe regelmäßige Einzelbetreuung für die, die nicht mehr aufstehen können, betont Dewert-Giroud. Beispielsweise werde die Zeitung vorgelesen oder einfach nur mit ihnen gesprochen. Mit denen, die sich nur im Rollstuhl fortbewegen können, gingen die Mitarbeiter zwischendurch auch an die frische Luft. Marie Albe findet gut, dass sie die Sicherheit hat, versorgt zu sein, wenn es ihr mal nicht mehr so gut geht. Bis dahin versucht sie, so aktiv zu bleiben, wie sie kann. Bis vor kurzem nahm sie an den täglichen Gymnastikkursen teil, und auch am Gedächtnistraining und am Kartenspielen hat sie viel Freude. "Wir haben jeden Tag mehrere Angebote", erzählt Dewert-Girod. Außerdem gibt es eine ganze Anzahl von tierischen Mitbewohnern, nach denen die Senioren gerne schauen, ob Katze, Kaninchen oder die großen Barsche im Aquarium. 128 Personen werden an der Rosenhöhe derzeit betreut, weniger als normalerweise, da die Einrichtung des AWO-Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe sich in einem längeren Umbau- und Modernisierungsprozess befindet. In einem neuen Gebäude werden seit Juli auch 13 Tagespflege-Plätze angeboten. "Die Tagespflege ist auch ein guter Einstieg, um das Leben hier kennenzulernen", sagt Heimleiterin Marion Dewert-Girod.

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