Brackwede/Senne Serie "Hilfe im Alter": Die ambulante Pflege

Hilfe im Alter II: Ein Großteil der Pflegebedürftigen in Bielefeld wird ambulant versorgt - auch das Ehepaar Vormbrock

Judith Gladow

Brackwede/Senne. "Mit der Zeit bekommt man schon viel Vertrauen entgegengebracht", erzählt Alexander Hecht, während er das winzige Auto mit der Aufschrift "Diakoniestation Brackwede" in Richtung Senne steuert. Er ist einer von 54 ambulanten Pflegern, die für die Einrichtung im ganzen Bielefelder Süden unterwegs sind und allmorgendlich von der Station Auf der Schanze 3 ausschwärmen. Insgesamt befinden sich 406 Pflegebedürftige in Betreuung durch die Diakonie. Darin enthalten sind auch die Personen in Wohngruppen, für die noch einmal 54 Pflegerinnen und Pfleger im Einsatz sind. Der vertrauensvolle Umgang mit den Menschen ist in der Pflege elementar. "Es fällt natürlich am Anfang auch nicht leicht, einen vorerst Fremden so nah an sich heranzulassen. Darum geben wir ihnen Zeit, unterhalten uns oder fangen mit kleinen Dingen an", erzählt Hecht, der bereits seit zehn Jahren für die Diakoniestation tätig ist. Und es ist gerade das Persönliche, das er an seiner Arbeit schätzt. "Wir haben einfach viel mehr Zeit für die Leute", sagt er und hat den Vergleich zu seiner Ausbildung im Johannes-Krankenhaus. Beim Ehepaar Hilde und Gustav Vormbrock hat er sich das Vertrauen schon erarbeitet. Seit vier Jahren gehören sie zu seiner Tour. "Wir kommen ganz gut miteinander zurecht", sagt Hilde Vormbrock mit ostwestfälischer Zurückhaltung und lächelt Hecht an. Sie bekommt nur eine sogenannte Behandlungspflege, die vom Arzt verordnet wird. Gustav Vormbrock hingegen ist bettlägerig und kann sich aufgrund einer schweren Herzschwäche auch nur kurz aufsetzen. Mit einer Einstufung in die Pflegestufe III bekommt er zweimal am Tag Elemente der klassischen Grundpflege, die die Bereiche Mobilität, Ernährung und Körperpflege umfasst. Er selbst spricht nicht viel. Wie es ihm geht, bewertet er am liebsten in Zahlen. Was die genau bedeuten, bleibt ein Mysterium, sicher ist nur: je höher, desto besser. "Er ist ein ganz zufriedener, ruhiger Kranker", erzählt seine Frau. Richtig gefreut habe er sich, als Hecht ihn in einem Liegerollstuhl zu einer Rundfahrt durch das neue Domizil der beiden mitgenommen hat. "Danach hat er immer erzählt, dass er einen Ausflug gemacht hat", sagt Hilde Vormbrock. Da Haus und Garten zu groß und zu viel geworden waren und obendrein die Tochter nach Hamburg gezogen ist, lebt das Ehepaar nun in einer Seniorenwohnung im Senner Ortskern. Dort werden sie weiter von Alexander Hecht betreut. Sollte er mal nicht können oder im Urlaub sein, gibt es sogenannte Springer. Auch am Wochenende muss natürlich jemand anderes kommen. In beiden Fällen wird jedoch versucht, nur wenige verschiedene Pfleger bei einem Betreuten einzusetzen. "Damit wollen wir sicherstellen, dass die Gesichter so wenig wie möglich wechseln", erklärt Martina Mertes, Leiterin der Diakoniestation. Für die Betroffenen soll die Situation so angenehm wie möglich gehalten werden, ist doch das dahinterstehende System schon kompliziert genug. Und das wird sich 2017 auch noch einmal ändern. Aus drei Pflegestufen werden dann fünf Pflegegrade, die mehr abdecken sollen als vorher. "Demenz wird damit mehr berücksichtigt", sagt Mertes. Aber einfacher werde es dadurch nicht, eher "irreführender". Für das Ehepaar Vormbrock hat sich die Tochter um alles gekümmert. Ob sie sich selbst damit zurechtgefunden hätte? "Ich möchte wohl meinen, dass das nicht so einfach wäre", antwortet Hilde Vormbrock diplomatisch.

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