Brackwede Unkonventionelle Schönheiten

Ausstellung der Psychologischen Frauenberatung bricht mit gängigen Frauenbildern

Inge Kruse vom Modehaus Kolck an der Hauptstraße hat die Figur eingekleidet, die die Frauenberatung in ihrem Schaufenster ausstellt. - © FOTOS: CHRISTINE PANHORST
Inge Kruse vom Modehaus Kolck an der Hauptstraße hat die Figur eingekleidet, die die Frauenberatung in ihrem Schaufenster ausstellt. | © FOTOS: CHRISTINE PANHORST

Brackwede. Die Kunden des Modehauses Kolck begrüßt in den nächsten Wochen eine etwas andere Schaufenster-Dame im Eingangsbereich an der Brackweder Hauptstraße. Die lebensgroße, ungewöhnliche Puppe trägt Kleidergröße 42. Wie auch Marilyn Monroe, informiert ein Schild. Die Puppe ist Teil einer Ausstellung der Psychologischen Frauenberatung mit dem Titel "Bildschöne Frauen", die mit konventionellen Frauenbildern und Idealen aufräumt.

Inge Kruse vom Modehaus Kolck findet die Figur im Fenster mit ihrem kurzen Haarschnitt pfiffig. "Wir haben viele Kundinnen die eine große Größe brauchen." Beim Einkleiden habe sie darauf geachtet, die Proportionen in Proportion zu bringen, sagt Kruse. Auch körperbetont durfte es sein: Der kurvige Körper sollte durch die Kleidung nicht versteckt werden.

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Bei den Kundinnen kommt die unkonventionelle Schaufensterpuppe, die ihre Arme sportlich in einer Yoga-Pose zu den Seiten streckt, gut an. "Viele junge Mädchen rennen heute einem falschen Schönheitsideal hinterher", findet Kolck-Kundin Norma Gundlach. "Das ist ein Problem, auch durch Sendungen wie ,Germany’s Next Topmodel’. Aber wir können nicht alle dünn sein."

Die "Marilyn", wie Cornelia Neumann, Geschäftsführerin der Psychologischen Frauenberatung, die Puppe nennt, ist eine von insgesamt sieben Puppen, die die Beratung bis zum 25. Dezember in Brackweder Geschäften und Einrichtungen ausstellt. "Eine Puppe sitzt in der Stadtteilbibliothek im Rollstuhl. Eine Figur zeigt eine Schwangere, eine andere stellt eine ältere Frau dar, die am Rollator geht", zählt Neumann auf.

Bereits 2007 hatten Frauen aus dem Raum Bielefeld die Ausstellung ein Jahr lang gemeinsam erarbeitet. Im Rahmen eines Projekts der "Initiative für selbstbewusste Frauen- und Mädchenbilder" der Frauenberatung machten sich 15 Teilnehmerinnen ihre Gedanken zu Frauenbildern heute und ihrer Verzerrung und Inszenierung durch Werbung, Medien und Gesellschaft.

"Am Anfang war uns nicht klar, wie wir das Thema umsetzen wollen", erzählt Psychologin Sylvia Kreuzel, die das Projekt koordiniert hat. Die Schaufensterpuppen hätten allen gut gefallen, weil man dreidimensional habe arbeiten können. "Die Figuren sollten die Vielfältigkeit von Frauenbildern plastisch darstellen und zur Identifikation anregen." Als Rohmaterial dienten herkömmliche Modepuppen. "Die mussten wir ganz schön verändern, damit sie realistische Frauen darstellen. Erschreckend", findet Kreuzel. Die glatte Oberfläche der Puppen wurde beschichtet. Eine Maskenbildnerin vom Bielefelder Theater goss neue "echte" Gesichter. Die sieben Puppen stehen in den Schaufenstern jetzt den Stereotypen gegenüber. " Sie sollen sensibilisieren, Fragen aufwerfen, indem sie die Unterschiede gut sichtbar bewusst machen ", sagt Cornelia. Die Botschaft der Frauen: "Sei du selbst!".

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