Kinderbuch-Autor Zoran Drvenkar (4. Reihe, Mitte) in weißem Hemd und schwarzem Anzug schafft es mühelos, seine jungen Zuhörer mit seinen kurzweiligen Geschichten zu fesseln. Und das nach sechs Stunden Unterricht. - © FOTO: CHRISTINE PANHORST
Kinderbuch-Autor Zoran Drvenkar (4. Reihe, Mitte) in weißem Hemd und schwarzem Anzug schafft es mühelos, seine jungen Zuhörer mit seinen kurzweiligen Geschichten zu fesseln. Und das nach sechs Stunden Unterricht. | © FOTO: CHRISTINE PANHORST

Brackwede Ein Grizzly auf dem Sofa

Zoran Drvenkar begeistert Gesamtschüler mit Abenteuern der "Kurzhosengang"

Brackwede. "Wollen wir rennen?" Entgeistert steht die Kurzhosengang dem Grizzlybären an der Verandatür gegenüber. Wenig später, Auge in Auge mit dem brummenden Koloss, den Rücken an die Wohnzimmerwand gepresst, entscheiden sich die vier Jungen für die Taktik des "Sichtotstellens". Dramatisch sterben sie den Filmtod auf dem Teppich. Den Grizzly schert’s wenig. Er macht es sich auf der Couch vor dem Fernseher bequem. Und schnarcht los.

Gebannt und mit vielen Lachern verfolgen die Sechstklässler der Gesamtschule Brackwede die Geschichten um die vier elfjährigen Jungs der kanadischen Kurzhosengang. Und das, obwohl sie gerade erst sechs Stunden im Unterricht still gesessen haben. Autor Zoran Drvenkar macht aber auch alles richtig . Jedem seiner Charaktere gibt er eine eigene Stimme. Bei seiner Lesung werden der melancholische Island, der chronisch verliebte Rudolpho, Bandenchef Snickers und der vertrottelte Zement lebendig.

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Den Schülern verrät Drvenkar, er habe schon immer eine Figur nach einem Schokoriegel benennen wollen: "Deshalb heißt Snickers also Snickers." Zement dagegen sei der Langsamste der Truppe. Er hänge immer hinterher, wie einer, der von einem Zehnmeterbrett springe, "und erst in der Luft merkt, dass jemand das Wasser abgepumpt hat", liest Drevenkar weiter aus dem ersten Band um die Bande, "Die Kurzhosengang". Zements verschlafene Kommentare sind die Lieblingsstellen seines jungen Publikums.

Der erste Band der Jugendbuch-Reihe erhielt 2005 den Jugendliteraturpreis. In zwei Folgebände hat Drvenkar inzwischen die Abenteuer der Jungenbande fortgeschrieben. Auch viele Bücher für Erwachsene hat der Vielschreiber mit serbischen und kroatischen Wurzeln veröffentlicht, vor allem Grusel-Thriller. Über 40 Bücher sind es insgesamt. "Ich schreibe immer. Ich hätte gern acht von mir." Ideen für zehn neue Bücher habe er schon. Die ersten Kapitel stehen.

Und wie viele Abenteuer sollen Snickers, Island, Rudolpho und Zement noch erleben? "Da habe ich mir selbst ein Bein gestellt", meint Drvenkar grinsend. "Im ersten Band habe ich geschrieben, dass es fünf Bücher geben wird."

Seinen jungen Zuhörern verrät der Autor, "ich war in der Schule eine Pfeife. Auch in Deutsch". Zweimal sei er sitzen geblieben. "Das Abitur habe ich vermasselt." – "Sie haben aber doch was aus sich gemacht." – "Ja, nicht schlecht, oder?", meint Drvenkar und beantwortet geduldig die vielen weiteren Fragen seines Publikums.
Die Chemie zwischen den jungen Lesern und dem Autor stimmt.

Auch die Geschichte vom jungen Zoran und wie sein kleiner, dicker Bruder Pavel im Klo festsitzt und gerettet werden muss, kommt an. Drvenkars Kindheitserinnerungen wirken dabei nicht weniger unglaublich und frech als seine Fiktionen. Der Steppke Zoran wäre ein hervorragendes Mitglied der Kurzhosengang gewesen.

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