Das Innenleben: Hier arbeitet Mitarbeiter Jens Futterlieb an einer neuen Netzpumpe im Betriebsgebäude des sanierten Wasserwerkes Ummeln. Im Hintergrund die beiden 5 Meter hochen Filterkessel der Anlage, die derzeit stillgelegt ist. archivFotos (2): Susanne Lahr - © Susanne Lahr
Das Innenleben: Hier arbeitet Mitarbeiter Jens Futterlieb an einer neuen Netzpumpe im Betriebsgebäude des sanierten Wasserwerkes Ummeln. Im Hintergrund die beiden 5 Meter hochen Filterkessel der Anlage, die derzeit stillgelegt ist. archivFotos (2): Susanne Lahr | © Susanne Lahr

Bielefeld Schadstoff im Wasserwerk Ummeln

Strafanzeige gestellt: Stadtwerke müssen frisch sanierte Anlage in Ummeln außer Betrieb nehmen, weil zuviel krebserregendes Vinylchlorid gemessen wurde

Joachim Uthmann

Ummeln. Erst seit knapp vier Monaten lieferte das Wasserwerk Ummeln an der Lindenstraße wieder Trinkwasser. Die Stadtwerke hatten es für rund eine Million Euro sanieren lassen. Doch jetzt ist es schon wieder außer Betrieb. Am 27. November musste es vom Netz, weil der krebserregende Kohlenwasserstoff Vinylchlorid gemessen wurde, der mit bis zu 2 Mikrogramm pro Liter deutlich den Grenzwert von 0,5 überschreitet. Wo die genaue Ursache für den Schadstoff liegt, wissen Stadtwerke und das kontrollierende städtische Umweltamt bisher nicht. Vorsorglich haben die Stadtwerke aber Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. „Das ist ein Signal, dass wir solche Verschmutzungen nicht hinnehmen", betont Sprecher Marcus Lufen. Mit ziemlicher Sicherheit kommt der Ursprungsstoff des Problems aus metallverarbeitenden Betrieben, die mit Fettentfernern arbeiten, erklärt Thomas Werning vom Umweltamt. Gut ein halbes Dutzend Firmen in einem Umkreis von 500 Metern seien im Fokus der Kontrolleure. Der Stoff, der das Trinkwasser verunreinigt, heißt Vinylchlorid und ist ein leicht flüchtiger, augenreizender, vor allem aber auch krebserregender Kohlenwasserstoff. Ein Abbauprodukt, das entsteht, wenn Trichlorethen, das gerade Metallverarbeiter als Lösemittel verwenden, im Boden oder Grundwasser reagiert. Werning und Olaf Kulaczewski, Leiter Wassergewinnung der Stadtwerke, vermuten, dass die Lösemittel bei in Richtung Teutoburger Wald liegenden Betrieben ausgetreten sein könnten. Über das langsam fließende Grundwasser sei es bis zum Wasserwerk gekommen und habe sich in Venylchlorid verwandelt. Verunreinigung möglicherweise aus 90er Jahren Deshalb gehen die Experten auch nicht davon aus, dass es eine frische Einleitung ist, die den Schaden verursacht. Vielmehr könnten die Kohlenwasserstoffe schon in den 1990er-Jahren in den Boden gelangt sein. Damals fanden die Behörden sie bereits im Grundwasser. Der Verursacher sei nicht gefunden worden, so Werning. Aber die Stadt setzte vor dem Wasserwerk zwei Sanierung-Pumpbrunnen, um den Schadstoff aus dem Grundwasser zu holen.Das habe bis Mitte 2016 ausgereicht, den Vinylchlorid-Wert unter der Grenzmarke zu halten, sagt Kulaczewski. Dann schalteten die Stadtwerke das Wasserwerk für die Sanierung ab. Im August ging es wieder in Betrieb. Die ersten Messwerte lagen aber erst im November vor. Und die zeigten, dass der Grenzwert nicht mehr eingehalten wurde. Und das könnte mit der Sanierung indirekt zusammenhängen. Denn für den Einbau einer zusätzlichen Belüftung für die Aufbereitungsanlage drosselte das Wasserwerk die Fördermenge deutlich von 60 Kubikmeter pro Stunde auf 20 Kubikmeter, die in den Kanal geleitet wurden. Es wurde weiter gefördert, damit es keine Schäden durch steigendes Grundwasser gab und sich keine Störstoffe ansammeln. Die Reduzierung der Menge hat aber offensichtlich für diesen Effekt nicht ausgereicht. Belüftungsanlage soll Problem lösen Mit einer Nachrüstung hoffen die Stadtwerke das Problem in den Griff zu bekommen. Weil Vinylchlorid mit einer Belüftungstechnik aus dem Wasser entfernbar sei, wird die Aufbereitungsanlage ein zweites Mal ergänzt. Kulaczewski schätzt die Kosten auf 50.000 bis 100.000 Euro. Ein Ingenieurbüro sei beauftragt, die richtige Technik zu finden. Die Stadtwerke hoffen, bis Frühjahr 2018 den Schaden behoben zu haben.Das Wasserwerk Ummeln fördert pro Jahr etwa 500.000 Kubikmeter Trinkwasser, knapp drei Prozent der Gesamtmenge für Bielefeld. Lufen: „Die Wasserversorgung ist weiter absolut sicher." Die betroffenen rund 3.500 Haushalte würden über benachbarte Wasserwerke versorgt.

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