Katastrophale Zustände: Die Infrastruktur in Asmara, Hauptstadt von Eritrea, ist marode, die Häuser oftmals vom Verfall bedroht, die Armut allgegenwärtig. Die Hilfsorganisation Archemed betreibt dort die einzige Kinder-Herzchirurgie des Landes. - © Jörg Hansen
Katastrophale Zustände: Die Infrastruktur in Asmara, Hauptstadt von Eritrea, ist marode, die Häuser oftmals vom Verfall bedroht, die Armut allgegenwärtig. Die Hilfsorganisation Archemed betreibt dort die einzige Kinder-Herzchirurgie des Landes. | © Jörg Hansen

Brackwede Bielefelder Handwerker engagiert sich in Eritrea

Einsatz in Afrika: Jörg Hansen verbringt 14 besondere Tage in der Hauptstadt Asmara und arbeitet dort an einem Wasserbauprojekt mit

Susanne Lahr

Brackwede. Eritrea ist nicht gerade ein Reiseziel, das sich als erstes aufdrängt, wenn man nach Afrika will. Das Land am Roten Meer liegt im Dauerclinch mit seinen Nachbarn Äthopien und Dschibuti um Grenzverläufe. Es gibt eine schlimme Hungerkrise. Das Auswärtigen Amt spricht regelmäßig Reisewarnungen aus. Und doch ist der Brackweder Jörg Hansen freiwillig ans Horn von Afrika gereist. Der selbstständige Handwerksmeister hat dort ehrenamtlich an einem wichtigen Wasserprojekt mitgearbeitet. Und will es wieder tun. „Der schwarze Kontinent fasziniert mich", sagt der Inhaber der Firma Hansen Wärmetechnik GmbH. Er hat schon Tansania und Sansibar bereitst. Aber Eritrea? Aus kaum einem anderen Land werden in Deutschland mehr Flüchtlinge anerkannt. Der 61-Jährige ist durch Tzegazeab Hagos Okbazghi aufmerksam geworden. Dieser macht seit einem Jahr eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik an der Duisburger Straße. Zuvor hatte er dort bereits eine halbjährige Einstiegsqualifizierung absolviert. Ein Jahrzehnt Grundwehrdienst oder länger „Wir hatten eine Innungsversammlung", erinnert sich Hansen, „und damals wurde gefragt, wer sich vorstellen könnte, den jungen Eritraer zu nehmen. Keiner hat sich gemeldet." Auch Hansen nicht. „Aber es hat mir keine Ruhe gelassen." Und 14 Tage später hatte Okbazghi seine Qualifizierungsstelle in Brackwede.Durch den Flüchtling wurde der Vater dreier Kinder erstmals aufmerksam auf das bitterarme Land im Nordosten Afrikas. „Der häufigste Grund für die Flucht ist der Militärdienst", weiß Hansen nun. Dort müssten Männer und Frauen ab 18 Jahren einen Grundwehrdienst leisten, der offiziell auf 18 Monate begrenzt ist. Tatsächlich aber könne er ein Jahrzehnt oder länger dauern, oft sei reinste Zwangsarbeit ohne nennenswerten Lohn zu verrichten. Als in einer Handwerkszeitung Freiwillige für ein Wasserbauprojekt in Eritrea gesucht wurden, habe er nicht lange überlegt. Die Hilfsorganisation „Archemed – Ärzte für Kinder in Not" suchte Sanitärinstallateure, die ehrenamtlich eine autarke Trinkwasseraufbereitungsanlage für ihre Kinder-Herzchirurgie in der auf 2.400 Metern Höhe gelegenen Hauptstadt Asmara installieren. Der erste Eindruck war katastrophal Kurzfristig wurden Impfungen aufgefrischt, Visa beantragt, Flüge gebucht. „Am 14. September habe ich die Reise mit einigem Herzklopfen angetreten", gesteht Jörg Hansen. Reiste er doch nun in ein Land, aus dem einer seiner Mitarbeiter geflohen war. Im Hotel traf er auf andere hochmotivierte Helfer aus Deutschland.Der erste Eindruck von Asmara war katastrophal. „Wir waren zunächst geschockt über den desolaten Zustand der Gebäude und die unübersehbare Armut", schildert Hansen. Die zum Teil wunderschönen Gebäude aus der italienischen Kolonialzeit dem Verfall preisgegeben, kaputte Infrastruktur, Frauen mit kleinen Kinder, die auf der Straße leben. „Das war für uns täglich die Motivation, mit unserem Knowhow an dem Wasserprojekt zu arbeiten." "Die Bilder der Kinder werde ich nicht mehr vergessen" Das Team stellte einen Sediment-Wasserfilter mit Zisterne und Pumpe, eine Osmoseanlage und einen dringend benötigten Sterilisator auf. Kurz nach Fertigstellung traf bereits ein internationales Ärzteteam ein und begann umgehend mit der Arbeit.„Ich kann jetzt die Beweggründe zur Flucht von Tzegazeab Okbazghi besser versehen", sagt der 61-Jährige. Und: „Die Bilder der Menschen, vor allem die der Kinder, werde ich nicht mehr vergessen." Er sei glücklich, ein wenig seiner eigenen humanitären Sicherheit an die Ärmsten zurückgeben zu können. So wie ihm sein Auszubildender mit 200 Prozent zurückgebe, was er in Bielefeld Gutes erfahren hat. „Ich hoffe, dass ich noch einmal gefragt werde, wenn ein Installateur in Eritrea gebraucht wird."

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