Fast 40 Bücher in zwei Stunden: Denis Scheck gibt in der Gesamtschule Quelle einen Überblick - über das, was lesenswert ist, und wie man literarische Fehltritte erkennt. - © Judith Gladow
Fast 40 Bücher in zwei Stunden: Denis Scheck gibt in der Gesamtschule Quelle einen Überblick - über das, was lesenswert ist, und wie man literarische Fehltritte erkennt. | © Judith Gladow

Quelle Die Favoriten des Jahres von Literaturkritiker Denis Scheck

Literarische Matinee: Denis Scheck unterhält in der Gesamtschule Quelle rund 130 Besucher mit Empfehlungen und Warnungen jenseits und diesseits der Bestsellerliste

Quelle. Bei rund 90.000 Neuerscheinungen im Jahr fällt es schwer den Überblick zu behalten. Die Bestsellerlisten stellen nicht immer die beste Orientierung dar. Denn, was sich gut verkauft, muss nicht unbedingt auch gut sein. Denis Scheck vergleicht das mit den viel gekauften, aber wohl wenig genossenen Mahlzeiten an Autobahnraststätten. Der Literaturkritiker war in der Gesamtschule Quelle zu Gast und hatte für seine rund 130 Besucher eine ziemlich lange Liste mit Buchtiteln und ein paar Strategien im Gepäck, um Enttäuschungen zu vermeiden. Seine Empfehlungen – und Warnungen – garniert Scheck mit viel Witz, persönlichen Anekdoten und immer wieder auch mit einer guten Portion bissiger Ironie. Eingeladen hatte ihn Dorothea Potthoff von der Buchhandlung Klack, und das „auf eine so charmante Weise, dass ich nicht nein sagen konnte“, sagt Scheck, der ganz begeistert von dem Konzept und Erfolg der literarischen Sonntagsmatinee ist."Bestseller sind der kleinste gemeinsame Nenner des literarischen Massengeschmacks" Die beginnt er mit Exemplaren, die nicht gerade zu den Sternstunden der Gegenwartsliteratur zu zählen sind, aber durchaus ihren Weg auf die Bestsellerlisten als „kleinsten gemeinsamen Nenner des literarischen Massengeschmacks“ gefunden haben. Er zitiert unter anderem aus Daniela Katzenbergers „Eine Tussi sagt ‚Ja‘“, erinnert an Trumps Erfolge als Buchautor und rät: „Lesen Sie niemals ein Buch, auf dessen Cover ein Foto oder eine Zeichnung des Autors abgebildet ist.“ Doch die Lästereien hält der 52-Jährige kurz, der unter anderem durch das ARD-Magazin „Druckfrisch“ und die SWR-Sendungen „Kunscht!“ und „lesenswert“ bekannt ist. Unter seinen Favoriten des Jahres, immerhin 37 Titel, ist Science-Fiction genauso wie Krimi, Lyrik wie Prosa, Hörbücher und Comic. Während er über den detaillierten Blick in der Lyrik eines Jan Wagners („Selbstporträt mit Bienenschwarm“) oder die fantastische Erzählkunst des Literaturnobelpreisträgers Kazuo Ishiguro („Alles, was wir geben mussten“) sinniert, erfahren seine Zuhörer nebenbei so einiges über ihn. Dass er über Asterix-Comics zur Literatur gefunden hat – er empfiehlt auch die Gesamtausgabe von Hergés „Tim und Struppi“ – oder dass er ein leidenschaftlicher Hobbykoch ist.Literaturkritiker lesen in der Regel eher langsam Scheck empfiehlt die chinesische Science-Fiction-Reihe „Die drei Sonnen“ von Cixin Liu, ein Lieblingsbuch des amerikanischen Ex-Präsidenten Barack Obama. „Das ist mindestens so toll, wie das, was Stephen King schreibt.“ Drei gute Biografien für die „Vampire der Literatur, die sich an fremdem Lebenssaft laben“ hat er auch dabei: Über Marx (von Jürgen Neffe), Humboldt (Andrea Wulf) und über die Beziehung von Paul Celan und Ingeborg Bachmann (Helmut Böttiger). Alles in allem mehr als genug, um über die kalten Monate zu kommen. Wie er selbst es denn schaffe so viel zu lesen, fragt eine Zuschauerin ihn. Mit einer speziellen Technik etwa?„Es gibt keine Abkürzung“, sagt Scheck da, das schnelle Lesen sei ein Mythos und er selbst lese sogar eher besonders langsam. „Ich lese ja mit dem Stift in der Hand.“

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