In der JVA Brackwede kam es zu einem Angriff. - © Archivfoto: Andreas Zobe
In der JVA Brackwede kam es zu einem Angriff. | © Archivfoto: Andreas Zobe

Bielefeld Verurteilter Amokläufer attackiert Mithäftling in Bielefelder JVA mit Keramikscherbe

Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Yanging T. (51) sitzt wegen Dreifachmord hinter Gittern. Täter und Opfer kannten sich aus Düsseldorfer Gefängnis. Mutmaßlich schwere Justizpanne

Dennis Rother

Bielefeld. Dreieinhalb Jahre nach einem Amoklauf in mehreren Anwaltskanzleien im Rheinland wird erneut gegen den verurteilten Täter ermittelt – und zwar in Bielefeld. Die Staatsanwaltschaft führt gegen den 51-Jährigen ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Hintergrund des Vorfalls ist offenbar eine schwere Justizpanne Laut Sprecherin Stefanie Lange attackierte der Mann in der JVA Brackwede im Februar einen Mithäftling mit einer Keramikscherbe. Das Opfer wurde leicht verletzt, so Lange. Yanging T. hatte im Februar 2014 zuerst in einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei zwei Anwälte erstochen und dann Feuer gelegt. Seinen Gewaltexzess setzte der Chinese in einer Kanzlei in Erkrath fort, wo er eine Anwaltsgehilfin erschoss und einen im Rollstuhl sitzenden Anwalt schwer verletzte. Schwere "Kommunikationspanne"? Das Landgericht Düsseldorf verhängte gegen den damals 49-Jährigen mit lebenslang die Höchststrafe. Das Opfer ist ebenfalls wegen Mordes im Gefängnis. Dem Angriff in Bielefeld ging eine gemeinsame Zeit der Häftlinge in der JVA Düsseldorf voraus. Nach Angaben der dortigen Leitung hatte der jetzt angegriffene Gefangene im Mai 2014 angebliche weitere Tötungsabsichten von Yanging T. dem Personal verraten. Er kam zum Schutz in Einzelhaft. „Anschließend waren beide noch ein Jahr bei uns, Hinweise auf einen Konflikt gab es nicht", sagt Düsseldorfs JVA-Leiterin Elke Krüger. 2015 kam erst Yanging T., Anfang 2017 sein späteres Opfer nach Brackwede. Nach NW-Informationen soll es zu dem Angriff, mutmaßlich ein Rache-Akt, beim Hofgang gekommen sein – und zwar am ersten Tag nach der Ankunft des Opfers. Warum beide wieder gemeinsam in einer JVA untergebracht waren, wird aktuell geprüft. „Wir schauen, ob und wo es eine Kommunikationspanne gab", sagt Bielefelds JVA-Chef Uwe Nelle-Cornelsen. Das Opfer wird von Martin Lauppe-Assmann vertreten. Der Rechtsanwalt arbeitete in der Kanzlei, in der Yanging T. zwei Anwälte ermordet hat. Vorwürfe erhebt Lauppe-Assmann nicht nur gegenüber der NRW-Justiz. Auch die Staatsanwaltschaft Bielefeld kritisiert er. Wochenlang habe er nach Kontaktaufnahme vergeblich auf Rückmeldung und Ergebnisse gewartet. Nun überlege er, gegen die Behörde wegen des Verdachts der Strafvereitelung vorzugehen.

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