Informieren und diskutieren: Sozialdezernent Ingo Nürnberger, Stadtteilkoordinatorin Martina Schüler und Moderatorin Sara Friedemann vom Treffpunkt Alter (v. l.) berichten über den aktuellen Stand und kommen mit den Bürgern ins Gespräch, um deren Meinung und Sorgen zu erfahren. - © Karin Prignitz
Informieren und diskutieren: Sozialdezernent Ingo Nürnberger, Stadtteilkoordinatorin Martina Schüler und Moderatorin Sara Friedemann vom Treffpunkt Alter (v. l.) berichten über den aktuellen Stand und kommen mit den Bürgern ins Gespräch, um deren Meinung und Sorgen zu erfahren. | © Karin Prignitz

Bielefeld-Brackwede Mehr Kapazitäten für die Flüchtlingsarbeit

Bürgerdialog zur Integration: Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen finden vor allem im organisierten Rahmen statt

Karin Prignitz

Brackwede. Moaild Alani ist Flüchtling aus Syrien. Der 27-Jährige kann sich bestens verständigen, möchte demnächst Politikwissenschaften studieren. Aber er vermisst auf dem Weg in eine gute berufliche Zukunft die nötige Unterstützung und die Vernetzung zwischen den Behörden. Eine der Anregungen, die Ingo Nürnberger, Sozialdezernent der Stadt Bielefeld, beim von ihm initiierten Bürgerdialog in Brackwede zur Situation Geflüchteter mitgenommen hat. In fünf Stadtteilen sollen diese Bürgerdialoge stattfinden. Den Auftakt hat Brackwede gemacht, ein Stadtbezirk, der vom Zuzug besonders betroffen ist. 60 Bürger, die meisten von ihnen ohnehin engagiert, diskutieren im Gemeindehaus der Bartholomäuskirche auf Einladung der Stadt und des Diakonieverbandes Brackwede. In Gruppen haben die Teilnehmer mit haupt- und ehrenamtlichen Vertretern der Flüchtlingsarbeit unter anderem herausgearbeitet, welche Herausforderungen und Probleme bestehen, wie Begegnung gestaltet werden kann und welche positiven Beispiele es in Brackwede gibt.Ehrenamtliche Engagement lässt nach Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen funktionieren nur dann, wenn sie initiiert werden, das ist klar geworden. Die Forderung an die Stadt lautet: „Mehr Zeit und Kapazitäten für Mitarbeiter schaffen.“ Einer der Wünsche ist auch, eine mehrsprachige Informationsplattform zu schaffen. Deutlich wird in den Gesprächen außerdem, dass das ehrenamtliche Engagement nachgelassen hat und es erheblichen Nachholbedarf gerade in der Begegnung mit der großen Zahl der türkischen Mitbürger gibt. Als „skandalös“ wird gewertet, dass nur Flüchtlinge beim Erwerb der Sprache unterstützt werden, die länger in Deutschland bleiben. Besonders positiv werden niederschwellige Angebote wie „Kitchen on the Run“ bewertet, Kochveranstaltungen, bei denen sich Geflüchtete und Beheimatete am Küchentisch kennenlernen.Familienzusammenführung das große Thema Ingo Nürnberger, der betonte, dass die Brackweder Bürger „Außergewöhnliches leisten“, und Stadtteilkoordinatorin Martina Schüler (Diakonieverband) hatten aktuelle Zahlen mitgebracht. Danach leben derzeit 630 Menschen mit Flüchtlingsstatus in Brackwede: 373 im Quartier Zedernstraße, 101 an der Eisenbahnstraße. Auf Bielefeld insgesamt bezogen sind nach Informationen des Sozialdezernenten seit dem Jahr 2015 4.215 Flüchtlinge zugewiesen worden. Hinzu kommen 1.100 Menschen im Rahmen des Familiennachzuges. Jürgen Beier, Leiter der Einrichtung an der Zedernstraße, berichtete von aktuell 221 Flüchtlingen, die in der Erstaufnahmeeinrichtung leben und auf andere Kommunen verteilt werden. Da die Einrichtung für 450 Personen ausgelegt ist, sprach Beyer von einer „moderaten Belegung“. In der Regel verweilen die Geflüchteten hier 14 Tage. Es komme aber durchaus vor, dass sich der Zeitraum in manchen Fällen verlängere, weil etwa Papiere fehlten. Familiennachzug sei ein großes Thema, sagte Ingo Nürnberger. Aus seinem Erleben heraus „ist die Familienzusammenführung häufig die eigentliche Initialzündung für die Integration“. Hier die Fristen zu verlängern, hält Nürnberger „fast schon für verantwortungslos“.

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