Frank Becker im Studio am Mauseteich. Dort werden auch die Sendungen fürs Funkjournal aufgenommen - © Susanne Lahr
Frank Becker im Studio am Mauseteich. Dort werden auch die Sendungen fürs Funkjournal aufgenommen | © Susanne Lahr

Bielefeld-Brackwede 15 Jahre Brackweder Funkjournal bei Radio Bielefeld

Frank Becker produziert seit 2002 Sendungen für den Bürgerfunk. Bei Radio Bielefeld eine der ältesten Sendungen mit mittlerweile 180 Studiogästen aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft

Susanne Lahr

Brackwede. Die Namen jener, die vor Frank Beckers Mikrofon gesessen haben, lesen sich wie das "Who is who" in Bielefeld und Umgebung: August und Richard Oetker, Gerhard Weber, Peter von Möller, Delius, Seidensticker, Pit Clausen, Pastor Ulrich Pohl und viele, viele mehr. Die Prominenteren und weniger Prominenten haben sich alle im Studio am Mauseteich interviewen lassen. Für das von Frank Becker produzierte Funkjournal. Seit mittlerweile 15 Jahren erstellt der Brackweder einmal im Monat eine Sendung für den Bürgerfunk von Radio Bielefeld. „Eines Tages habe ich den damaligen Chefredakteur Martin Knabenreich gefragt, ob man im Bürgerfunk nicht auch mal ein Brackwede-Programm machen könnte", erinnert sich Becker. Der habe kurz und knapp geantwortet: „Mach doch!" Und der Film- und Kinofachmann legte los. Im Profistudio, das er bereits 1995 im Keller seines Elternhauses hatte einbauen lassen. Zur Ausrüstung gehört eine Magnetbandmaschine, die einst dem ZDF gehört hat. „Der Sender stellte auf digitale Technik um", und so habe er die 30.000 Mark teure Maschine für 1.000 Mark kaufen können. „Es war schon immer mein Jugendtraum, so etwas zu besitzen", sagt der 56-Jährige und strahlt noch heute bei Erinnerung an das Schnäppchen. Gehören doch allein rund 15.000 Tonbänder zum Inhalt seines riesigen Medienarchivs. Zur ausgefeilten Analog-Technik ist im Laufe der Zeit aber auch am Mauseteich das Digitale hinzugekommen. Die 1. Sendung wurde am 20. August 2008 ausgestrahlt. „Thema war der 560. Brackweder Schweinemarkt", erinnert sich Becker. Damals hatte er Zeltwirt Leo Preuss im Studio, Detlef Schäffer vom Ordnungsamt, Schausteller Walter Schneider, Bezirksamtsleiter Egon Schäffer, Ortsheimatpfleger Rolf Künnemeier und Bezirksvorsteher Siegfried Kienitz. Viel zu viele, entsprechend holprig sei die Premiere gewesen. Nachdem fürs 2. Funkjournal noch mehrere Mitglieder der Werbe- und Interessengemeinschaft zu Gast waren, um über die Glückstalertage zu sprechen, sei er ab der 3. Ausgabe auf Personenporträts umgestiegen. August Oetker war der "Türöffner" Schon in der 6. Funkjournal-Sendung war Konzernchef August Oetker zu Gast. „Das war so etwas wie ein Türöffner", erinnert sich Frank Becker. Er habe nie Schwierigkeiten gehabt, Gäste zu finden. Die Themen wiederum, so der 56-Jährige, finde er in der Regel bei der Lektüre der NW. Immer wieder hatte Becker daher Gäste im Studio, die sich zu ganz aktuellen Geschehen geäußert haben. Zuletzt die Bürgerinitative, die gegen die Schließung der Sekundarschule Bethel gekämpft hat.Auch seinen Vater Hans Becker, den Quirkendörper, hatte er natürlich im Funkjournal. Am 17. Juni 2003. „Genau zwei Monate später war er tot", erinnert sich Becker. Die 100. Sendung ist ihm besonders präsent geblieben – weil es eine Live-Sendung mit Arbeitsminister Guntram Schneider war. „Das war schon eine Herausforderung." Denn sonst kann Frank Becker immer mit Hilfe der Technik schneiden und glätten. In der 150. Sendung hat Oberbürgermeister Pit Clausen, schon mehrfach zu Gast, den Spieß umgedreht und Frank Becker interviewt. „Das war lustig." Ilse Werner rettet Sendung nach Brand im Studio Weniger lustig war das Feuer im Studio 2007. Ein Film-Schneidetisch war in Brand geraten. „Ein WDR-Team war da, und wir hatten für einen Film über Oetker Material gesichtet", schildert Frank Becker. Er sei im Anschluss ins Lager gefahren, als ihn der Anruf erreicht habe. Löschabteilungsführer Uwe Prante habe nahezu chirurgisch gelöscht. Der Schaden im Studio hielt sich in Grenzen, „allerdings war das Haus total verqualmt, 80.000 Euro Schaden". Ausgefallen ist das Funkjournal trotzdem nicht. Becker hatte Ilse Werner 1999 in seinem Melodie-Kino zu Gast und interviewt, sie singen und pfeifen lassen. Was fürs Archiv gedacht war, ging im August 2007 auf Sendung.Und so lange er Spaß daran hat und Themen findet, will Frank Becker auch weitermachen. Zumal ihn mittlerweile Mark André Strunk bei aufwendigeren Recherchen im Vorfeld unterstützt und Wolfgang Springer seinen Musikgeschmack für den Bürgerfunk glättet.

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