Völlig aufgelöst reagierte eine Mutter, nachdem der Fernbus ohne sie Brackwede verlassen hatte. Ihre drei Kinder, darunter ein Kleinkind waren noch an Bord. - © Symbolfoto: dpa
Völlig aufgelöst reagierte eine Mutter, nachdem der Fernbus ohne sie Brackwede verlassen hatte. Ihre drei Kinder, darunter ein Kleinkind waren noch an Bord. | © Symbolfoto: dpa

Bielefeld Mutter vergessen - Kleinkind fährt mit Geschwistern allein im Fernbus

Jens Reichenbach

Bielefeld. Panik am Fernbusbahnhof in Bielefeld-Brackwede. Eine Mutter, die dort schnell warme Milch für ihr Kleinkind zubereiten musste, stand plötzlich allein auf dem Busbahnsteig an der Eisenbahnstraße. Der Fernbus auf dem Weg nach Berlin war am Dienstagmorgen bereits abgefahren - mit ihren drei Kindern an Bord. Wie die Polizei berichtete, waren das Kleinkind und die zwei Geschwister von da an ohne elterliche Betreuung unterwegs. Die Mutter und vier weitere Fahrgäste blieben hilflos zurück. Um 7.24 Uhr rief die panische Mutter in ihrer Not die Polizei um Hilfe. "Völlig aufgelöst berichtete sie, dass ihre drei Kinder allein mit dem Reisebus auf der Autobahn 2 unterwegs waren", berichtet Polizeisprecher Michael Kötter. Vier weitere Mitreisende, die bereits ihre Taschen in dem Bus verstaut hatten, waren ebenfalls an der Eisenbahnstraße gestrandet. Denn ihr Geld war bereits im Bus. Autobahnstreife stoppt Bus am Autohof Porta Westfalica Kötter betont: "Wir wissen nicht, was zu diesem Vorfall geführt hat. Ob die Fahrgäste außerhalb des Busses nicht auf den Busfahrer reagierten oder ob die Abfahrt nicht angekündigt wurde, ist uns nicht bekannt." Trotzdem war jetzt schnelle Hilfe nötig, sagten sich die Beamten, die leider vergeblich versuchten, die Firmenzentrale über die Problematik zu informieren und den Fahrer zum Anhalten zu veranlassen. Nach NW-Informationen handelte es sich um die Firma Flixbus. Inzwischen hatte sich auch eine Mitreisende aus dem Bus bei der Polizei gemeldet, um die allein gelassenen Kinder zu melden. Offenbar konnte auch sie den Busfahrer (39) aus Berlin nicht überzeugen, seine Fahrt abzubrechen und umzukehren. "Weil wir telefonisch in der Warteschleife hängen geblieben sind, haben die Beamten kurzerhand selbst gehandelt", so Kötter. Deshalb stoppte ein Wagen der Autobahnpolizei schließlich den Fernbus und lotste ihn auf den Autohof bei Porta Westfalica. Ein Polizeibulli brachte daraufhin die aufgelöste Mutter und die vier mittellosen Fahrgäste zu dem Autohof. Auch das noch: Verbandkasten abgelaufen und Feuerlöscher nicht geprüft Während des Wartens auf dem Autohof kontrollierten Autobahnpolizisten den 39-jährigen Busfahrer und den Zustand seines Fernbusses. Dabei erkannten sie Mängel an der Ausrüstung. So seien die Prüffristen der Feuerlöscher überzogen und das Verbandsmaterial  abgelaufen gewesen, zudem hätten die Unterlegkeile zur Sicherung des Busses am Hang gefehlt. Fahrer und Busunternehmen erwarten deshalb nun Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen. Das Vergessen von Fahrgästen wird keine Folgen für die Verantwortlichen haben. Für die Polizei stand hier die schnelle Hilfe im Vordergrund. Das ist übrigens auch der Grund, warum die Polizei nicht die Personalien der Familie und das Alter der Kinder aufgenommen hat. Kurz vor 9 Uhr konnte der Fernbus mit allen Reisenden seinen Weg nach Berlin fortsetzen. "Wir nehmen diese Angelegenheit sehr ernst" Flixbus-Sprecher Martin Mangiapia betonte: „Wir bedauern den Vorfall sehr und nehmen die Angelegenheit sehr ernst. Wir haben umgehend Kontakt zum eingesetzten Buspartner aufgenommen und eine Stellungnahme des Fahrers angefordert, um den Fall lückenlos aufzuklären." Es ist nicht der erste Ärger dieser Art mit dem Marktführer für Fernbusreisen. Erst im Januar hatte eine Fahrerin in Dortmund zwei Kinder (14, 11) aus Bielefeld nicht mehr mitnehmen wollen, obwohl sie gültige Tickets hatten und direkt vor der Bustür standen. Sie hatten den ungewöhnlicherweise weißen Bus nicht als ihren Bus erkannt. Angeblich sei er auch an der falschen Haltestelle gestanden.

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