Heiner Bessmann (77, v.l.) und sein Sohn (49) vom gleichnamigen Familienunternehmen sind mit Sabine Kubitza von der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen überein gekommen, Kulbrocks Hof nach Marienfeld zu versetzen. - © Susanne Lahr
Heiner Bessmann (77, v.l.) und sein Sohn (49) vom gleichnamigen Familienunternehmen sind mit Sabine Kubitza von der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen überein gekommen, Kulbrocks Hof nach Marienfeld zu versetzen. | © Susanne Lahr

Brackwede Kulbrocks Hof an Modeunternehmer Bessmann verschenkt

Fachwerkhaus wird in Brackwede ab- und in Marienfeld wieder gebaut. In Zukunft wird dort Kleidung verkauft

Susanne Lahr

Brackwede. Gute Nachricht für alle Denkmalfreunde in Bielefeld: Kulbrocks Hof bleibt der Nachwelt erhalten. Kleiner Wermutstropfen: Das Fachwerkhaus von 1783 wird an der von-Möller-Straße ab- und später in Marienfeld wieder aufgebaut. Die bekannte Unternehmerfamilie Bessmann will das Gebäude nutzen, um ihre Fachwerkerlebniseinkaufswelt zu erweitern. Die Bielefelder Gesellschaft für Wohnen (BGW) verschenkt das in ihrem Besitz befindliche Haus dafür an das Bekleidungsunternehmen. Geschäftsführerin Sabine Kubitza ist nach eigenen Worten „froh und glücklich über die gefundene Kompromisslösung", die den Interessen aller entgegenkomme. Der Werdegang Nachdem Anfang des Jahres bekannt geworden war, dass die BGW das Fachwerkhaus abreißen will, um auf dem Grundstück dringend benötigte Sozialwohnungen zu errichten, hatte sich vielfältiger Protest erhoben. Heimat- und Denkmalverein, die Interessengemeinschaft Bauernhaus und die Bezirksvertretung Brackwede hatten sich für den Erhalt des Hauses, das nicht unter Denkmalschutz steht, ausgesprochen. Eine neuerliche Prüfung der Schutzwürdigkeit hatte allerdings die bisherige Auffassung der Experten bestätigt, dass lediglich die Balken des Deelentores schutzwürdig seien. Volker Bessmann, Geschäftsführender Gesellschafter der alteingesessenen Bekleidungsfabrik (seit 1898), ist durch die NW-Berichterstattung auf den Hof Kulbrock aufmerksam geworden. Er hat, wie er sagt, von seinem Vater und Großvater die Leidenschaft für Heimatgeschichte, für das Bodenständige und alte Fachwerkhäuser geerbt. Stirnrunzeln im Familienrat und darüber hinaus Und so habe er sich mit der BGW in Verbindung gesetzt und das Gebäude mit der Familie und dem Zimmermann seines Vertrauens zweimal angesehen. „Da gab es mehrheitlich Stirnrunzeln", gibt der 49-jährige Unternehmer zu. Doch weil er plant, seine bereits 20.000 Quadratmeter große Einkaufserlebniswelt auf einem rund 4.000 Quadratmeter großen Nachbargrundstück um ein Ensemble aus vier Fachwerkhäusern zu erweitern, habe er sich doch für Kulbrocks Hof entschieden. „Drei Häuser sind dafür bereits eingelagert, der Hof Kulbrock ist der vierte." Es bleibt mehr übrig, als nur die Torbalken Für Brackweder habe diese Lösung den Charme, dass vom Haus mehr übrigbleibe als die Torbalken und es in nicht allzu großer Ferne wieder aufgebaut werde. Was letztlich noch von den Balken zu gebrauchen sei, müsse beim Abbau entschieden werden. Er habe aber genügend altes Baumaterial eingelagert, um Morsches zu ersetzen, sagt Volker Bessmann. Abrissantrag wird jetzt gestellt Die BGW werde nun in Kürze den Abrissantrag stellen, schildert Sabine Kubitza. Bis zur Genehmigung werde parallel damit begonnen, das Haus zu entrümpeln. Dafür und für die Entsorgung von Bauschutt sei die BGW zuständig, Bessmann für den Rückbau. Auf dem Gelände sollen in der Folge parallel zum Ostwestfalendamm zwei Baukörper mit zwölf bis 18 Wohneinheiten entstehen. „Die Planung läuft", sagt Kubitza. Sobald alle Details feststehen, will sie das Ergebnis ebenfalls der Öffentlichkeit vorstellen. Mit einem Baubeginn noch 2017 rechnet sie jedoch nicht mehr.

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