Anwohner der von-Möller-Straße, aber auch eine Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. appelliert an die Stadt, Kulbrocks Hof von 1783 zu erhalten. - © Susanne Lahr
Anwohner der von-Möller-Straße, aber auch eine Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. appelliert an die Stadt, Kulbrocks Hof von 1783 zu erhalten. | © Susanne Lahr

Brackwede Bauernhaus-Freunde kritisieren Abrisspläne für Kulbrocks Hof

Interessengemeinschaft sieht öffentliches Interesse am Erhalt

Susanne Lahr

Brackwede. Es regt sich Widerstand gegen den Abriss des Hofes Kulbrock. Neben Anwohnern, die nicht begeistert sind über die Pläne der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen (BGW), meldet sich nun auch die Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. (IgB) zum geplanten Abriss des alten Hofes von 1783 zu Wort. Sie appelliert an die Kommunalpolitiker, kritisch zu hinterfragen, ob die Pläne der BGW, die sozialen Wohnungsbau an der Stelle errichten möchte, wirklich angebracht sind. „Die Bielefelder Verwaltung, aber auch die bauinteressierten Unternehmen scheinen sich nicht der Tragweite ihrer Baulust und dem damit verbundenen fortschreitenden Abriss historischer Gebäude bewusst zu sein“, schreibt Alexander von Spiegel als regionaler Vertreter der IgB, in seiner Stellungnahme. „Haus für Haus stirbt unser Zuhause, aber auch die Geschichte Brackwedes.“"Mahnmale des Versagens" Diese gebaute Geschichte aber gelte es zu bewahren, zumal der Hof Kulbrock kein „ausgemergeltes Haus“ sei. Die Idee, das denkmalgeschützte Torbogengebälk an anderer Stelle – völlig aus dem Zusammenhang gerissen – wieder aufzubauen, hält von Spiegel für völlig verfehlt: „Das sind nur Mahnmale des Versagens im Umgang mit unserem Stadtbild.“ Ein in Bielefeld gerne angewandte Form des Denkmalschutzes, wie Alexander von Spiegel kritisiert. Der vereidigte Sachverständige für historische Holzbauten und Denkmalpflege betont, dass durchaus ein öffentliches Interesse an der Erhaltung eines grundsätzlich denkmalwürdigen Fachwerkhauses bestehen könne, weil die zu dessen Erhalt notwendige Erneuerung nicht zum Verlust der historischen Substanz und damit zum Identitätserhalt des Gebäudes führen könne. Die IgB mit Sitz in Syke ist mit mehr als 6.000 Mitgliedern und rund 200 Außenstellen die größte Interessenvertretung in Deutschland zum Erhalt historischer Bausubstanz. Alexander von Spiegel betreut seit 34 Jahren die Außenstelle Ravensberg-Senne.Ortsheimatpflegerin wagt kein Urteil Brackwedes Ortsheimatpflegerin Rosemary Flöthmann fände es schade, wenn das 283 Jahre alte Haus tatsächlich abgerissen würde. Aber sie habe vor kurzem Gelegenheit gehabt, sich das Haus gemeinsam mit Vereinskollegen Karl Beckmann von innen anzuschauen. Erstaunt zeigte sie sich darüber, dass die letzten Bewohner das Haus offenbar fluchtartig verlassen haben. Aufgeschlagene Betten, dreckiges Geschirr auf den Tischen, vergammelte Lebensmittel. „Der Zustand des Mauerkwerkes sieht nicht gut aus“, so Flöthmann, „aber ich bin keine Bauexpertin.“ Nur ein Fachmann könne wirklich beurteilen, ob die Bausubstanz zu retten sei und zu welchem Preis. Die BGW, der das Haus seit 2002 gehört, hätte ihrer Ansicht nach vielleicht mehr für den Erhalt des Hauses tun können.

realisiert durch evolver group