Verantwortung: 322 Bedienstete kümmern sich in der JVA Brackwede um knapp 550 Gefangene. Davon sind 44,1 Prozent deutscher Herkunft. Neu eingestellt wurden eine Pädagogin, ein Sozialarbeiter und ein Beamter im Vollzugsdienst. - © Andreas Zobe
Verantwortung: 322 Bedienstete kümmern sich in der JVA Brackwede um knapp 550 Gefangene. Davon sind 44,1 Prozent deutscher Herkunft. Neu eingestellt wurden eine Pädagogin, ein Sozialarbeiter und ein Beamter im Vollzugsdienst. | © Andreas Zobe

Bielefeld Leiter der JVA: "Nordafrikanische Häftlinge sind eine große Herausforderung"

Sprachbarriere: Mit noch mehr Dolmetschern sollen Gefangene aus dem arabischen Raum besser in den Gefängnisalltag integriert werden. Die Platznot wird erst 2022 durch ein neues Hafthaus schwinden

Jürgen Mahncke

Bielefeld. „Das vergangene Jahr war schwierig, wir waren und sind voll belegt", sagte Uwe Nelle-Cornelsen, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Brackwede auf der Jahrespressekonferenz. Die Anstalt des geschlossenen Vollzuges verfügt über 542 Haftplätze, davon 474 für Männer und 68 für Frauen. Sie sind in sieben Hafthäusern untergebracht. 2016 wurden insgesamt 3.221 Gefangene neu aufgenommen, davon 848 sogenannte Durchgangsgefangene. Sie werden mit Bussen, die Brackwede zwei Mal in der Woche anfahren, gebracht oder abgeholt und in andere Haftanstalten transportiert. Anteil der ausländischen Gefangenen deutlich gestiegen Der Anteil der ausländischen Gefangenen ist deutlich gestiegen und beträgt 37,6 Prozent. Sie kamen aus insgesamt 46 Nationen. Der größte Anteil von ihnen war türkischer Herkunft, gefolgt von Georgiern, inzwischen drittgrößte Gruppe der Inhaftierten. „In den meisten Fällen sitzen sie wegen Serieneinbrüchen, Autodiebstählen oder organisierter Kriminalität ein", resümierte Nelle-Cornelsen. Eine besondere Herausforderung seien Häftlinge, die aus dem nordafrikanischen Raum stammen, in der Mehrzahl aus Algerien und Marokko, gewesen. Ihre Unterbringung in besonders gesicherten Hafträumen hat erheblich zugenommen. Nur schwer konnten ihnen die Grundregeln für den Gefängnisaufenthalt vermittelt werden. Es gab viele Drohungen, massive Selbstverletzungen und meistens war es die Sprachbarriere, die die Probleme eher noch größer werden ließ. Hier hat sich inzwischen die Lage deutlich entspannt. Es werden verstärkt Dolmetscher eingesetzt, die Gefangenen erhalten Sprachunterricht und Integrationsbeauftragte leisten wertvolle Arbeit. Zudem wurde eine Integrationsbeauftragte eingestellt. Auch die Einrichtung eines Koran-Lesekreises und die Möglichkeit für Muslime, demnächst am Freitagsgebet teilzunehmen, wird für mehr Ruhe und Ordnung sorgen. Neubau eines Hafthauses für 130 Männer geplant Auf Anregung der JVA wurde der Neubau eines Hafthauses für 130 Männer geplant und genehmigt. Auf dem jetzigen Gartengelände des Haffhauses Ummeln der JVA Senne ist für Anfang 2018 der Baubeginn geplant, die Fertigstellung in Modulbauweise, -vorgefertigte Zellen werden neben- und übereinander zusammengefügt – ist für das 2. Halbjahr 2019 vorgesehen. Platz für mehr Gefangene steht aber erst wesentlich später zur zur Verfügung. Zuerst werden Zug um Zug die alten Hafthäuser der JVA über drei Jahre saniert. Dabei werden Häftlinge vorrübergehend im dann fertig gestellten neuen Hafthaus untergebracht. Bei zusätzlichen Zellenkontrollen durchsuchte eine hauseigene Revisionsgruppe 2016 insgesamt 266 Hafträume, teilweise unterstützt von Rauschgiftspürhunden. Sichergestellt wurden dabei Sägen, Nadeln, Cutterklingen oder Kabelbinder. Gefunden wurden ebenso Stichwaffen, Hiebwaffen, eine Pistolenattrappe und Drogen, hierunter auch Heroin. Steigender Tablettenmissbrauch Zu beobachten sei ein steigender Tablettenmissbrauch von Psychopharmaka. JVA-Leiter Nelle-Cornelsen lobte seine 322 Mitarbeiter für ihre engagierte und umsichtige Arbeit. So habe es weder Geiselnahmen noch Ausbrüche gegeben. Matthias Blomeier vom Anstaltsbeirat begrüßte, dass die Beschäftigungsquote bei den Gefangenen inzwischen bei fast 63 % liege. Dass jedoch kein Mindestlohn gezahlt und keine Sozialabgaben abgeführt würden, sei gerade für ältere Häftlinge indiskutabel. Ohne Rente drohe Langzeithäftlingen damit die Altersarmut.

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