Brackwede Frank Becker hat wieder alte Film-Schätze gerettet

Überraschungspaket: Für seine Stiftung hat Frank Becker 550 Filme aus dem Sauerland abgeholt

Hanna Paßlick

Brackwede. In der Garage von Frank Becker ist kein Durchkommen mehr. Rund zwei Tonnen Filmmaterial lagern hier. Es sind Spielfilme, Wochenschauen, Trailer und Werbefilme aus den 50er und 60er Jahren, die der Filmarchivar kürzlich aus Plettenberg im Sauerland abgeholt hat. Eine Rettungsaktion - denn die alten Filme wären sonst wohl zerstört worden. Becker, der Kopf des Bielefelder Medienarchivs, hatte eine Anfrage von Florian Ahlers erhalten. Der junge Mann führt in Plettenberg ein privates Filmmuseum, die "Kleine Filmkunst". Von einem ehemaligen Kinobesitzer hatte Ahlers eine große Filmsammlung auf 35-Millimeter-Material übernommen. Der einstige Besitzer wollte die Sammlung aus Platzgründen abgeben. Ahlers übernahm. Er lagerte die Filme im Keller seines Hauses ein. Doch die Grundfeuchtigkeit in den Lagerräumen war relativ hoch. Sie erreichte die Filmdosen und ließ sie rosten. Um die Sammlung zu retten, kontaktierte Ahlers Frank Becker. Der reagierte umgehend. Mit einem Lkw fuhr er ins Sauerland und holte das Filmmaterial ab. Die Rollen sollen im Medienarchiv untergebracht werden. Vorerst werden einige davon aber wohl in Beckers Garage bleiben. Ihre Sichtung ist körperlich anstrengend, weil das Material viel wiegt. Mühe macht Becker auch das Entziffern der Schrift auf den Dosen. Die ist wegen des Rostes oft kaum noch lesbar. Weil ein Film aber in der Regel aus fünf bis sieben Dosen besteht, muss Becker seine Einzelteile erst einmal zusammensuchen. "Wenn es gut läuft, schaffe ich sechs Filme am Tag", sagt er. 150 Filme hat er schon durchgesehen. Einige waren nicht mehr zu retten - entweder hatte der Schimmel die Filmrolle erreicht, oder das Material hatte sich aus Altersgründen zersetzt. Doch es gab auch schon Funde, die ihn positiv überrascht haben. Die Verfilmung von Heinrich Bölls "Ansichten eines Clowns" zum Beispiel. Oder "Die schwedische Hochzeitsnacht" - ein umstrittener Film, der 1965 den Preis als bester schwedischer Film gewann. Mit den Wochenschauen, die Becker findet, füllt er die Lücken in seinem Archiv auf oder tauscht eine schlechte gegen eine qualitativ bessere Kopie aus. 400 weitere Filmrollen warten noch darauf, von Becker überprüft zu werden. Sie alle sollen noch in den vier Lagern untergebracht werden, die das Medienarchiv mittlerweile in Bielefeld betreibt. Momentan aber, sagt Becker, fehle ihm noch der Platz dafür. "Die Lager sind voll, insgesamt liegen dort sicher schon mehr als 100.000 Rollen." Um die neuen Filme unterzubringen und künftig weitere annehmen zu können, steht Becker in Verhandlungen mit entsprechenden Vermietern. Er braucht Platz, um sein Archiv zu erweitern - das als umfangreichste private Film- und Tonsammlung Deutschlands gilt - und alte Funde weiter annehmen zu können. Denn seine Film-Leidenschaft lasse sich nicht so einfach abstellen. "Es gibt immer ein gutes Angebot, bei dem man zuschlagen muss."

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