Lieblingsort: Bei einem seiner Besuche entspannen Klaus Bokermann und Klara Jaecks auf dem Balkon, wo die 83-Jährige gerne ihre Zeit verbringt. - © Judith Gladow
Lieblingsort: Bei einem seiner Besuche entspannen Klaus Bokermann und Klara Jaecks auf dem Balkon, wo die 83-Jährige gerne ihre Zeit verbringt. | © Judith Gladow

Brackwede Ehrenamtliche haben ein offenes Ohr für Senioren

Hilfe im Alter (VI): Ehrenamtliche haben ein offenes Ohr und leisten Gesellschaft, wenn kein anderer da ist. Mit dem Besuchsdienst der Diakonie Brackwede bei Klara Jaecks

Judith Gladow

Brackwede. Wenn es nicht mehr so leicht fällt, nach draußen zu gehen und andere Menschen zu treffen, wenn die Kinder, Enkel und andere Verwandte zu weit weg wohnen oder voll berufstätig sind, dann kann es ganz schön einsam werden. Dieser Situation angenommen haben sich in ganz Bielefeld verschiedene Initiativen, in denen Ehrenamtliche den Senioren für eine gewisse Zeit Gesellschaft leisten. Eine davon ist der ehrenamtliche Besuchsdienst der Diakonie Brackwede. Und Klaus Bokermann ist einer von drei Männern, die sich dort engagieren. Bei Klara Jaecks hatte er schon von Anfang an einen Stein im Brett. Einmal in der Woche besucht er die 83-Jährige, die aufgrund eines Lungenleidens nur beschwerlich gehen kann, in ihrer Wohnung. Bei seinem ersten Besuch besorgte der Senner einen Rollstuhl von der Diakonie – sie hatte da noch keinen eigenen – und fuhr mit ihr in den Baumarkt, um Balkonpflanzen zu besorgen."Mir hat er damit eine große Freude gemacht" Sie suchte aus, er lud ein und pflanzte sie auch. „Das war dann sein Einstand“, sagt Jaecks. All das geht eigentlich schon über das hinaus, was die Ehrenamtlichen normalerweise mit den Besuchten unternehmen. „Mir hat er damit eine große Freude gemacht“, sagt Klara Jaecks, die gerne auf ihrem Balkon sitzt und auch gerne unterwegs ist. Und so hat Bokermann mit ihr auch schon Ausflüge gemacht oder die eine oder andere Runde mit dem Rollstuhl gedreht. Zum Stichtag der Pflegestatistik am 31. Dezember 2013 waren in Brackwede 10.525 Menschen älter als 60 Jahre, das entspricht 27,3 Prozent der Einwohner des Stadtbezirks. Zumindest im Brackweder Besuchsdienst sind es oft rüstige Senioren, die sich ehrenamtlich für die einsetzen, denen es nicht mehr so gut geht. Wichtig bei der Eins-zu-eins-Betreuung sei vor allem der menschliche Aspekt, weiß Elke Maoro, die den Dienst leitet. „Es muss einfach passen. Die Begegnungen sollen für beide Menschen eine Bereicherung sein und für die Besuchten ein Anschluss an das tägliche Leben.“ „Das ist eines der großen Engagementfelder, die wir vermitteln“, sagt Katrin Brües von der Freiwilligenagentur Bielefeld. Sie erklärt die häufigsten Wege, über die Ehrenamtliche und Menschen, die besucht werden wollen, zusammen kommen: Die „Initiative Nachbarschaft“ vom Sozialamt der Stadt Bielefeld und über Träger wie eben die Diakonie, die entweder zu Menschen in einem Pflegeheim oder in ihrer eigenen Wohnung den Kontakt herstellen."Es entstehen echte Freundschaften" Im Dienst der Diakonie Brackwede besuchen 13 Menschen zwischen 35 und 54 Jahren 20 Schützlinge. Die älteste Besuchte ist zurzeit 93 Jahre alt. Gegründet wurde der Brackweder Besuchsdienst 1984 in der Bartholomäusgemeinde, seit 2005 gehört er zum Aufgabenbereich der Diakonie. Ob beim Gespräch oder Gesellschaftsspiel, beim Spaziergang an der freien Luft oder beim Handarbeiten, am Ende zählt die menschliche Nähe. „Es entstehen dadurch auch oftmals echte Freundschaften“, erzählt Maoro. Klaus Bokermann und Klara Jaecks genießen die gemeinsame Zeit, im Normalfall eine Stunde an einem Nachmittag in der Woche. „Wir sitzen zusammen, trinken Kaffee und gucken da nicht so genau auf die Uhr“, sagt Jaecks.

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