In voller Uniform: "Feldwebel" Frank Becker (l.) und "Oberstleutnant" Horst Saller in einer Drehpause. Links steht Beckers Projektor, rechts hinten ist die (gebügelte) Leinwand. - © Privat
In voller Uniform: "Feldwebel" Frank Becker (l.) und "Oberstleutnant" Horst Saller in einer Drehpause. Links steht Beckers Projektor, rechts hinten ist die (gebügelte) Leinwand. | © Privat

Brackwede Frank Becker bei Dreharbeiten zum Kinofilm "Radegund"

Kurzauftritt als "Feldwebel"

Silke Kröger

Brackwede. 32 Grad in der Burgfestung Franzensfeste in Südtirol, stundenlanges Warten, gut "verpackt" in einer NS-Feldwebel-Uniform: Mit den Schattenseiten des schauspielerischen Alltags wurde Frank Becker bei seinem Gastauftritt im NS-Polit-Drama von US-Regisseur Terrence Malick (die NW berichtete) hautnah konfrontiert. Und bekam zudem Einblicke in eine Welt, die den meisten Menschen verschlossen bleibt. Und keineswegs immer glamourös ist. Schon auf der Fahrt nach Brixen wurde Becker vom Regisseur per Telefon kontaktiert und gefragt, ob er nicht schon um 18 Uhr da sein könnte. Becker schaffte es in Rekordzeit, "aber dann war abends nur eine Stellprobe", erzählt er. Die Frauen von der "Set Decoration" zogen auf seinen Hinweis hin die faltige Leinwand glatt, auf der er mit seinem Projektor von 1936 einen Propagandafilm zeigen sollte. "Am nächsten Tag war sie mit dem Dampfbügeleisen geglättet worden." Nach einer Nacht im Fünfsternehotel und einer morgendlichen Erkundung von Brixen ("Ein wunderschöner Ort, toll gelegen - das war wie ein Kurzurlaub") musste der Brackweder Medienarchivar um 15 Uhr am Set in der Burgfestung Franzensfeste sein. Und dann hieß es warten, bei viel Kaffee und Wasser. Gegen 19.30 Uhr wurde noch einmal nachfrisiert und gepudert, doch erst um 21.15 Uhr hatte Becker schließlich seinen Kurzauftritt als "Projector Operating Officer" in dem Kinofilm über den österreichischen Widerstandskämpfer Franz Jägerstetter ( gespielt von August Diehl): Dann war es dunkel genug, dass sein Film - eine Wochenschau über den deutschen Frankreich-Feldzug - auf der Leinwand gut sichtbar war. Becker: "Malick musste seine Inszenierung in sechs Minuten hinkriegen, weil der Film so kurz war." Szene 18, in dem der Schauspieler Horst Saller als "Oberstleutnant" seine Soldaten zur Ordnung ruft, musste achtmal wiederholt werden, bevor der Regisseur zufrieden war. "Horst musste den Soldaten richtig einpeitschen, und er hatte keine Textvorgabe. Und er hat so gut improvisiert, das einem angst und bange wurde", berichtet Becker, der derweil in seiner dicken Unform (Schiffchen mit Hakenkreuz, grüne Filzjacke mit Koppel und lederne Schaftstiefel) am Projektor hantierte. "Ich bin auch in Großaufnahme vertreten. Aber was davon übrig bleibt, weiß man ja nicht. Das werden wir erst sehen, wenn der Film ins Kino kommt." Kurz vor Mitternacht war alles im Kasten, dann ging?s zurück ins Hotel und am nächsten Tag noch zu einer Stippvisite in ein Kinomuseum in Bozen. Jetzt ist der Brackweder und sein Equipment in Babelsberg "gelistet" - sein nächster Einsatz wurde ihm bereits angekündigt.

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