Räume neu denken: Schulleiterin Claudia Hoppe (von links) hat sich den Schweizer Schulraumentwickler Andreas Hammon und den kritischen Betrachter von Schulen, Journalist Reinhard Kahl, eingeladen zum schulinternen Fortbildungstag, an dem den Lehrern das bislang erarbeitete räumliche Konzept-Modell vorgestellt wird und diese selbst weiter mitplanen können. - © Sibylle Kemna
Räume neu denken: Schulleiterin Claudia Hoppe (von links) hat sich den Schweizer Schulraumentwickler Andreas Hammon und den kritischen Betrachter von Schulen, Journalist Reinhard Kahl, eingeladen zum schulinternen Fortbildungstag, an dem den Lehrern das bislang erarbeitete räumliche Konzept-Modell vorgestellt wird und diese selbst weiter mitplanen können. | © Sibylle Kemna

Brackwede Gesamtschule Rosenhöhe: Platz für täglichen Seiltanz

Sanierung und Inklusion als Chance für neue pädagogische Möglichkeiten. Orientierung hin zum Wald mit Fluchtbrücke aus dem ersten Stock

Sibylle Kemna

Brackwede. Die Gesamtschule Rosenhöhe wird umgebaut. Die Sanierung und die anstehende Inklusion sollen unter einen Hut gebracht werden. Zugleich ist es der Versuch "pädagogische Spielräume zu erschaffen für ihren täglichen Seiltanz", sagte der Schulraumentwickler Andreas Hammon, der das erste Modell gestern den Lehrern vorstellte. Von Seiltänzern sprach auch der kritische Journalist Reinhard Kahl, der sich auf Schulen spezialisiert hat und mit dem Film "Treibhäuser der Zukunft" viele Impulse gegeben hat. Bei der Schulentwicklung gehe man am besten vor wie ein Seiltänzer: mit kleinen, bewussten Schritten, aber den Blick zum Horizont gerichtet, erklärte er dem Kollegium, das einen schulinternen Fortbildungstag für die Planung eingelegt hatte. Kahl hatte viele Beispiele von Schulen mitgebracht zu der These, dass neben den Lehrern und den Mitschülern der Raum der dritte Erzieher ist. Es gelte, starke, schöne Orte zu schaffen, ein "aufgeladenes Feld", das vermittele, dass Bildung Bedeutung hat. Allerdings sei das schwierig, gab er zu, und die Bedenken der Lehrer ("Es ist nicht nur der Raum, der zählt, sondern auch die Zahl und die Art der Kinder") nahm er ernst. Aus dem Schulgebäude der 60er Jahre eine Schule für die Zukunft zu machen sei eine Herausforderung, sagte Hammon, "ein Jahrtausendsprung sozusagen". Mit Hilfe der Schüler und Lehrer habe er versucht, aufbauend auf den vorgegebenen räumlichen Bedingungen, "Möglichkeitsräume zu erschaffen, die neuem Denken den Weg ebnen". Die Gesamtschule sei sehr nach Süden hin orientiert, nun sollen sich die Schüler auch die bisherige Rückseite hin zum Teutoburger Wald erobern können. "Dies ist eine der wenigen Schulen, die dicht an einem Naturschutzgebiet liegen, und wir dürfen den Bereich bis zum Waldrand nutzen", berichtete Hammon und stellte eine der markanten Umbauten vor: Aus dem ersten Stock soll eine Fluchtbrücke direkt in den ansteigenden Berg gebaut werden. "Das ist auch eine pädagogische Brücke ins Grüne, in den Biologieraum Natur." Umgebaut sind bereits, im ersten "Cluster", Räume der siebten Klassen im dritten Obergeschoss. Das Modell einer Einheit für die Jahrgangsstufe mit einer gemeinsamen Mitte und Zwischenzone habe sich bewährt, erklärte Hammon, und es solle auch für andere Stufen umgesetzt werden. "Wie haben Sie geschafft, dass wir jetzt das Treppenhaus nutzen dürfen?", staunte eine Lehrerin und berichtete, die Idee, das in zwei Richtungen verlaufende doppelläufige Treppenhaus zu beschneiden, um den Raum anders zu nutzen habe man schon vor Jahren gehabt. Damals habe es geheißen, diese architektonische Besonderheit müsse Bestand haben. "Entweder ist es ein Museum für Architektur der 60er Jahre, oder wir entwickeln das Gebäude weiter", erläuterte Hammon seine Argumentation. "Sie können nicht mit Fluren und Behandlungsräumen Ihrem pädagogischen Auftrag nachkommen." Die Flure sollen verbreitert und zu echten Aufenthaltsräumen werden. Er finde "selber aber die Dynamik der Entwicklung überraschend", gab der Planer schmunzelnd zu. Auf einmal ist vieles möglich: Das grüne Atrium wird auch im Erdgeschoss durch neue Durch- und Ausgänge angebunden an den Teutoburger Wald, durch Anbauten im grünen Innenhof entstehen weitere Räume und neue Möglichkeiten. "Wir gehen in die Mitte rein. Diese Ergänzungen sind möglich, weil die Fassade eh renoviert werden muss." Zusammen mit den Planern und in verschiedenen Gruppen diskutierten die Lehrer im Anschluss an die Vorträge den Konzeptplan und brachten ihre Ideen ein bei den Nutzungsbeschreibungen einzelner Räume.

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