Brackwede Wohnungsverband am Ende

Tochter des Diakonieverbandes: Vor sieben Jahren gegründet, wirtschaftliche Basis soll von Anfang an gefehlt haben. Für die betroffenen Mieter ändert sich zunächst nichts

Susanne Lahr

Brackwede. Der Wohnungsverband Brackwede, eigenständige Tochtergesellschaft des Diakonieverbandes Brackwede, ist in finanziellen Nöten. Geschäftsführer Benjamin Varnholt hat nach eigenen Worten am 7. Juni "die Reißleine gezogen" und die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Diakonieverband Brackwede und die Diakonie Service GmbH sind von der Zahlungsunfähigkeit nicht betroffen. Gegründet worden ist der Wohnungsverband (Wohnungsverwaltungsgesellschaft für Kirche und Diakonie mbH) vor sieben Jahren. 2014 kamen Wohnungen aus dem Eigentum des Verbandes Evangelischer Kirchengemeinden in Brackwede hinzu, die bis dato vom Kreiskirchenamt Gütersloh mitverwaltet worden waren. Ortsnahe Wohnungsvermittlung aus einer Hand war das Ziel. Aktuell sind 154 mit Investorengeldern finanzierte Wohnungen sowie 36 Zimmer in Wohngemeinschaften für Senioren im Bestand. Der Wohnungsverband ist stets als gewerblicher Zwischenvermieter aufgetreten, hat den Mietern aber Dienstleistung aus einer Hand geboten. Für alle Belange betreuten Wohnens war und ist die Service GmbH des Diakonieverbandes zuständig. "Das ganze Modell rechnet sich einfach nicht" "Das ganze Modell rechnet sich einfach nicht", sagt Benjamin Varnholt, der im Juli 2017 die Geschäftsführung übernommen hatte, nachdem Bernd Onckels plötzlich verstorben war. Von einem Mehrwert für die gemeinnützige Mutter - der Diakonieverband Brackwede - ganz zu schweigen. Der Wohnungsverband habe in den sieben Jahren nie Gewinn gemacht. Der Bestand sei zu klein gewesen, um damit vernünftig wirtschaften zu können. Zudem hätten die von den Investoren geforderten teils hohen Mieten die Marge des Wohnungsverbandes gedrückt. Dieser wiederum habe das gesamte wirtschaftliche Risiko getragen, erklärt Varnholt. Es habe folglich kein Puffer für Mietausfälle gegeben. Anfangs, so der Geschäftsführer, sei die Ausfallquote auch sehr gering gewesen. Dieses habe sich aber geändert. Es sei nicht mehr so leicht, für die vergleichsweise teuren Wohnungen, deren Qualität und Lage nicht top seien, Nachmieter zu finden. "In diesem Jahr haben wir bereits Mietausfälle von rund 20.000 Euro", erklärt Benjamin Varnholt. Schon 2017 habe es deutliche Mietausfälle gegeben. Darüber hinaus sei dem Wohnungsverband die volle Gewerbesteuerlast, die sich auf den Umsatz bezieht, auf die Füße gefallen. "Es war kein gutes Modell", bilanziert Varnholt. "Wir haben im Grunde genommen von der Hand in den Mund gelebt. So etwas würden wir heute nicht mehr machen." Alle Versuche, eine andere Lösung als den Insolvenzantrag zu finden, seien leider gescheitert. Der Verband bleibt zunächst für Mieter Ansprechpartner Die verwalteten Wohnungen gehören nach seinen Worten vier Investoren beziehungsweise Eigentümern. Dazu zählt auch die evangelische Kirchengemeinde Sennestadt. Das neue Quartier an der Elbeallee mit seinen 18 Wohnungen gehört beispielsweise zu den betroffenen Immobilien (das vom Diakonieverband betriebene Café Kredenz ist seit Mai schon geschlossen) und solche rund um das Ernst-Barlach-Haus. Oder auch die sieben Seniorenwohnungen über der Kita am Schopenhauerweg in Senne oder das Quartier "Wohnen am Park" an der Ecke Sudbrackstraße/Apfelstraße, deren 29 Einheiten der Wohnungsverband als Generalmieter übernommen hatte. Sie alle werden nach Abschluss des Insolvenzverfahrens an die Eigentümer zurückfallen, erklärt Varnholt. Zum jetzigen Zeitpunkt ändere sich für die Mieter aber erst einmal gar nichts, betont der Geschäftsführer. Die Mitarbeiterin des Wohnungsverbandes sei weiterhin Ansprechpartner in allen Belangen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Axel Geese aus der Sozietät Stange Westhoff in Bielefeld bestellt.

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