Brackwede Zu Gast beim Fastenbrechen in der blauen Moschee

Türkisch-aserbaidschanischer Kulturverein: Sozialdezernent Ingo Nürnberger besucht mit Integrationsrat Schiiten und ist begeistert über deren Herzlichkeit und Offenheit

Sibylle Kemna

Brackwede. Über Integration nicht nur reden will Sozialdezernent Ingo Nürnberger. Deshalb nahm er die Einladung des türkisch-aserbaidschanischen Kulturvereins an und besuchte die Blaue Moschee in Brackwede zum Fastenbrechen am Dienstagabend. Er wurde begleitet von Vertretern des Integrationsrats. "Wir müssen uns besser kennenlernen, die Leute draußen haben eine völlig falsche Vorstellung von dem, was hier passiert", sagt Nürnberger. "Dass hier Frauen und Männer gemeinsam essen, dass es sehr fröhlich zugeht und alle gut Deutsch sprechen". Er zeigt sich zusammen mit Martina Buhl vom Projekt "Altengerechtes Brackwede" und Annette Helmig vom Begegnungszentrum Brackwede überwältigt von der Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Offenheit der Vereinsmitglieder, die die Moschee betreiben. Man redet und isst gemeinsam, ohne irgendein Gefühl von Fremdheit zu verspüren. Es gibt einem Betsaal, einer Küche und einem Gruppenraum auf jeder Etage Stolz führen die Verantwortlichen die Gäste herum und zeigen ihnen, wie es in der Blauen Moschee nach dem Umbau aussieht: Aus den zwei Räumen im Erdgeschoss mit knapp 100 Quadratmeter sind nun 370 Quadratmeter auf zwei Stockwerken geworden mit je einem Betsaal, einer Küche und einem Gruppenraum auf jeder Etage. "Hier können wir zum Beispiel auch Sprachkurse anbieten, meine Kinder können kein Türkisch", sagt Solmaz Kortmaz, eine der aktiven Frauen in der Blauen Moschee mit leichtem Schmunzeln. Sie weiß genau, dass das einem gängigen Vorurteil widerspricht. Die Betsäle sind identisch eingerichtet mit schönen Teppichen, eindrucksvollen Leuchtern und blauweißroten Fayencen in der Gebetsnische und der Kanzel, die mit Kalligrafien geschmückt sind. Hier sind unten drei Durchgänge eingebaut, durch die die Frauen, die den oberen Betsaal nutzen, die Stimme des Imams hören können. Der Ausbau mit Kosten in Höhe von 450.000 Euro wurde ausschließlich mit Spenden der Vereinsmitglieder und der Arbeit vieler ehrenamtlicher Helfer realisiert, berichtet der Vorsitzende Ferman Nisan. Eine Vorbildliche Gemeinde  Kadim Uzunyayla vom Kommunalen Integrationszentrum und Mehmet Ali Ölmez, Vorsitzender des Integrationsrates, sind zusammen mit Nürnberger gekommen. "Das ist eine vorbildliche Gemeinde", sagt Ölmez. "Sehr solidarisch, sehr demokratisch, und sie verbannen Leute, die radikale Gedanken verbreiten wollen." Die Gemeinde beteilige sich in der Stadtteilkonferenz und bekenne sich ausdrücklich zu Bielefeld, sagt Ölmez. "Das ist unsere Heimat geworden. Wenn unser Körper da ist, müssen unsere Gedanken auch hier ein", betont er unter dem Beifall der Anwesenden. Dass die CDU in der Bezirksvertretung Brackwede eine Auflistung von allen Moscheen und Moscheevereinen und ihrer Finanzierung wünscht, ist für Solmaz Kortmaz, eine der aktiven Frauen in der Blauen Moschee, kein Problem. "Können Sie gerne haben, wir sind für Offenheit, wir sind fast wie ein Familienclan, kennen uns seit Generationen und finanzieren alles aus eigener Tasche." "Ich würde mir wünschen, dass so ein Austausch viel öfter geschieht", sagt Cahide Ciftci. "Nur so können wir die Vorurteile bekämpfen." Sie freut sich über den Wunsch von Buhl und Helmig, mit mehreren Gruppen die Moschee besichtigen zu wollen. "Wir müssen beide aufeinander zugehen und Gelegenheiten schaffen, wo Sie auch erklären, was Sie machen", betont Nürnberger.

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