Brackwede Rollstuhlfahrerin fordert Barrierefreiheit in Bädern

Frust: Karola Rengis würde gern Bielefelder Hallenbäder nutzen. Doch ohne Lifter gelangt sie gar nicht erst ins Wasser. Stadtwerke versprechen Besserung

Ingo Kalischek

Brackwede. Karola Rengis fühlt sich ausgeschlossen. Sie sitzt im Rollstuhl und würde gern die Bielefelder Hallenbäder nutzen. Doch das sei kaum möglich. Denn längst nicht alle verfügten über einen Lifter, mit denen man Rollstuhlfahrer ins Wasser hebt. Deshalb bliebe ihr nur die Fahrt in die Therme nach Bad Salzuflen. Das sei für Rengis "unerträglich", zumal das Brackweder Bad "AquaWede" direkt vor ihrer Haustür liegt. "Aber so muss ich für meine dringend nötige Wasser-Gymnastik weit fahren", sagt sie. Sportliche Betätigung sei für sie wichtig, da sie am Post-Polio-Syndrom leide - einer unheilbaren Form von Kinderlähmung. "Ich muss etwas für meinen Körper tun. Doch das geht in Bielefeld nicht." Ein Einzelfall sei sie nicht, betont Rengis: In der Stadt gebe es 33.000 Schwerbehinderte und 85.000 Senioren - "aber keine 10.000 Euro für neue Lifter?" Gerald Burkat stimmt ihr zu. Er ist Behindertenbeauftragter der Stadt Bielefeld - und verweist auf die UN-Behindertenrechtskonvention, nach der Behinderten ein Anspruch auf Hilfsmittel und Unterstützung zustehe. Rengis sagt: "Die Stadt Bielefeld verschläft diese Ansprüche. Unsere Grundrechte auf Barrierefreiheit werden seit Jahren ignoriert." "Viele Betroffene nutzen die mobilen Lifter nur ungern" Das weist Stadtwerke-Sprecherin Birgit Jahnke zurück. Vier Hallenbäder betreibt die Tochterfirma "Bielefelder Bäder und Freizeit GmbH" (BBF) in der Stadt - zwei verfügten über mobile Lifter: das Ishara und das Sennestadt-Bad. Durch sie sei es möglich, Rollstuhlfahrer an verschiedenen Stellen in die Becken zu heben, so Jahnke. Und das Bad in Sennestadt sei nicht zuletzt durch die Unterstützung von Bethel behindertengerecht - unter anderem mit einer Rollstuhl-Plattform. Außerdem verfügten alle Bäder über wassertaugliche Rollstühle. Aber: "95 Prozent der Menschen, die im Schwimmbad Hilfe benötigen, nutzen die Lifter nicht", sagt Jahnke. Oft fühlten sie sich auf dem Schwenkarm wie auf einem "Präsentierteller". "Viele lassen sich lieber von einer Begleitperson oder dem Schwimmmeister ins Wasser helfen." Genau das empfinde Rengis aber als sehr unangenehm. "Ich möchte niemanden damit belasten und - wenn möglich - gern selbstständig in das Becken gelangen." Und: "Wer haftet, wenn ich ausrutsche?" Die Informationen über die zwei Lifter seien ihr bislang nicht bekannt gewesen. "Auf der Homepage der Bäder ist davon keine Rede. Viele Betroffene wissen wahrscheinlich gar nicht, dass es diese Möglichkeiten gibt." Zwar seien zwei Lifter besser als keiner; Unverständnis bleibe bei Rengis aber dennoch: "Kann die Stadt nicht in allen Bädern einen Lifter integrieren?", fragt sie. Schließlich schreibe die UN-Konvention vor, dass alle Bäder mit Liftern ausgestattet sein müssten. Dann könne sich Rengis auch die umständlichen Wege nach Sennestadt und ins Ishara sparen. "Nein", lautet die Antwort der Stadtwerke. Dafür seien die Bäder in Heepen und Brackwede zu alt; eine bauliche Veränderung sei nicht möglich. Birgit Jahnke rät Betroffenen deshalb, sich vor einem Schwimmbadbesuch bei der BBF telefonisch zu melden. "Dann können wir individuell abstimmen, welches Bad in Bielefeld für sie am besten in Frage kommt." Den Ärger von Karola Rengis nehme man dennoch ernst: BBF-Geschäftsführer Hans-Werner Bruns will die Rollstuhlfahrerin jetzt im Brackweder "AquaWede" treffen, um ihre Anregungen aufzunehmen - und gemeinsam nach Optimierungsmöglichkeiten zu schauen. Und auch die Homepage der Bäder wolle man nach Möglichkeit überarbeiten. "Ein erster Schritt", sagt Karola Rengis.

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