Brackwede Angst vor Verkehr und Lärm

Neues Baugebiet: Bezirksvertretung sieht fehlende Anbindung an die ehemalige B 68 sehr kritisch. Straßen.NRW lehnt zusätzliche Zufahrt kategorisch ab

Susanne Lahr

Brackwede. Das neue Wohngebiet Charlottenstraße/Augustastraße in Quelle hat im Gegensatz zum Vorentwurf im Herbst 2016 etwas andere Formen angenommen. Nähere Untersuchungen und Berechnungen sowie eine Absage des Landesbetriebs Straßen.NRW haben zu einer Modifizierung des Bebauungsplanentwurfes geführt. Die Brackweder Bezirksvertreter und Anwohner haben weiterhin Bedenken. Vor allem sorgen sie sich um Verkehrs- und Lärmbelastung. Dirk Tacke vom beauftragten Planungsbüro schilderte, dass doch kein Regenrückhaltebecken erforderlich sei, so dass die Bebauung insgesamt auf der 2,2 Hektar großen Fläche nach Süden rutschen könnte. Zudem habe man nach der Kritik aus der vorzeitigen Bürgerbeteiligung die drei Mehrfamilienhäuser (davon zwei im geförderten Wohnungsbau) mit maximal 11 Meter Firsthöhe eingeplant und einem Flachdach auf dem Staffelgeschoss. 40 bis 50 Einfamilien- und Doppelhäuser sind mit bis zu 10,50 Meter vorgesehen. Entfallen soll der Fuß- und Radweg an der östlichen Grenze des Baugebietes, der hinauf der Osnabrücker Straße führen sollte. Stattdessen ist jetzt in der Nordostecke der Kinderspielplatz geplant. Tacke begründete dies damit, dass Straßen.NRW grundsätzlich eine Zufahrt auf die L 756 (vormals B 68) ablehnt. Der Rad-/Gehweg sollte die Option zumindest offenhalten. Diese Nachricht gefiel den Bezirksvertretern gar nicht. Denn die Erschließung des Baugebietes nur über Magdalenen-, Augusta- und Charlottenstraße wird als problematisch angesehen. Schon jetzt sei die Magdalenenstraße als Verbindung zwischen L 756 und Carl-Severing-Straße stark belastet. In Augusta- und Charlottenstraße, beide recht schmal, gebe es starken Parkdruck, Begegnungsverkehr sei kaum möglich. Die Aussage des Amtes für Verkehr, dass der neue Ziel- und Quellverkehr zum Baugebiet als „nicht schwierig angesehen wird“, empfanden die Brackweder Politiker schon fast als Hohn. Horst Schaede (SPD) wurde deutlich: „Die Bezirksvertretung tut gut daran, das Verfahren nicht weiter fortzuführen, bis zu erkennen ist, dass das Baugebiet an die L 756 angeschlossen wird.“ In die Beschlussvorlage wurde denn auch die Forderung der Bezirksvertretung aufgenommen, dass eine Öffnung des Baugebietes zur Osnabrücker Straße angestrebt werden soll. Dirk Tacke und Ulrike Bode als Vertreterin des Investors blieben aufgrund anderer Erfahrungen mit Straßen.NRW indes skeptisch. Dennoch nahmen sie den Wunsch der Kommunalpolitiker mit. Und sie versprachen, im Rahmen der Beratung des Erschließungsvertrages über die Option zu verhandeln, während der Bauphase eine temporäre Zufahrt auf die L 756 zu schaffen, damit nicht auch noch alle Lkw die drei genannten Straßen belasten. Anwohner der Osnabrücker Straße haben Probleme mit der neuen Nachbarschaft. Planer Tacke hatte vorgestellt, dass im nördlichen Teil des Baugebietes Doppelhäuser vorgesehen sind, die zwingend mit geschlossenen Carports errichtet werden müssen, um den Schalleinfluss der L 756 zu minimieren. Die Bewohner der bestehenden Häuser fürchten sich vor Lärmechos. Dann wären sie doppelt geplagt, wenn der Verkehrslärm von der Osnabrücker Straße von den Doppelhäusern als Echo zurückkäme, so ihre Befürchtung. Ulrich Groß vom Bauamt erklärte, dass bei den Gutachten solche Lärmreflexionen normalerweise mitberücksichtigt würden. Karl-Ernst Stille (Grüne) schlug vor zu prüfen, ob die Hauswände zur L 756 nicht mit stark lärmabsorbierenden Materialien verputzt oder verkleidet werden könnten. Dem Vorschlag stimmte die Bezirksvertretung zu.

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