Noch einiges zu tun: Bill Schmitt (v. l.), die kleine Jana und Papa Uwe Becker vor einem der drei Gebäudekomplexe. Im Erdgeschoss hinter den Dreien ist der Gemeinschaftsraum. Draußen soll eine Terrasse entstehen. - © Kristoffer Fillies
Noch einiges zu tun: Bill Schmitt (v. l.), die kleine Jana und Papa Uwe Becker vor einem der drei Gebäudekomplexe. Im Erdgeschoss hinter den Dreien ist der Gemeinschaftsraum. Draußen soll eine Terrasse entstehen. | © Kristoffer Fillies

Brackwede Über das Leben im neuen Wohnprojekt 5 in Quelle

Halbes Jahr nach dem Einzug: Gut 80 Leute wohnen im größten Mehrgenerationenprojekt in Bielefeld. Das erste Wohnprojekt-5-Baby ist auch schon geboren

Kristoffer Fillies

Quelle. Was lange währt, wird endlich gut: Das Wohnprojekt 5 am Lipizzanerweg ist Wirklichkeit geworden. Seit fast einem halben Jahr sind die 40 Wohnungen nun belegt. Die bunte Gemeinschaft im Mehrgenerationenhaus hat sich erfüllt, was ihr seit gut fünf Jahren vorschwebte. Im Gemeinschaftsraum samt Küche tummelt sich jetzt das Leben. Und das erste Wohnprojekt-5-Baby ist geboren. Es gibt aber auch noch reichlich zu tun. Wolf Kluth (34) und die zwölfjährige Rüveyda Koc stehen an der Kücheninsel im gemeinschaftlichen Bereich und schnippeln Möhren. Während sie das Gemüse vorbereiten, rührt Ulrich Reisberg schon im Topf mit der Linsensuppe. „Wir kochen etwa einmal in der Woche gemeinsam", sagt der 63-Jährige. Dann kommen die Bewohner des fünften generationsübergreifenden Bielefelder Wohnprojekts zusammen, Kinder spielen im Gemeinschaftsraum, und die Erwachsenen unterhalten sich über ihr Leben – und darüber, was im Wohnprojekt als Nächstes ansteht. Innenhof und Werkstätten kommen noch „Es gibt immer etwas zu tun", sagt Reisberg, Gründungsmitglied des Wohnprojekt-5-Vereins, der 2013 mit den Planungen begann. Die Wohnungen sind fertig und belegt, nun soll der Innenhof hergerichtet werden, und bei gutem Wetter eine Terrasse vor dem Gemeinschaftsraum entstehen – mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, auch als Treffpunkt für das ganze Quartier. In den Kellern der drei Gebäudekomplexe sollen ein Fitnessstudio, ein Büro, ein Toberaum für die Kinder und eine Metall- und Holz-Werkstatt ihren Platz finden. 57 Erwachsene und 26 Kinder wohnen derzeit im Wohnprojekt. Die Wohnungen verfügen über zwei bis fünf Zimmer, sind zwischen 46 und 118 Quadratmeter groß und haben einen Balkon oder eine Terrasse. Es gibt neun Eigentumswohnungen, die anderen sind zur Miete. „Derzeit haben wir sogar drei WGs", sagt Reisberg. In einer von ihnen wohnt Kai Pfeiffer. Der 20-Jährige kam Ende 2017 aus Hannover nach Bielefeld, studiert hier Philosophie. In der WG sind sie zu dritt, einer davon zieht zwar bald aus, es steht aber schon ein Nachmieter fest. „Alles rund um Mietersuche und Mietverträge regeln wir von der Gemeinschaft selbst", sagt Ulrich Reisberg. Man hilft sich generell viel im Wohnprojekt 5. Erst vor zwei Wochen ist das erste Kind in einem der Häuser geboren worden, die Bewohner nennen es liebevoll „Wohnprojekt-5-Baby". „Nach der Geburt haben wir alle verständigt und der Familie im Haushalt und beim Kochen geholfen", sagt Jana Eilers, die selbst zwei Kinder hat. „Wir teilen hier viel miteinander. Zum Beispiel die Kinder", sagt sie lächelnd. „Mein Mann und ich haben erst letztens auf mehrere aufgepasst." Öffnung für das ganze Quartier Auch einen inoffiziellen Hausmeister hat die Gemeinschaft. Bill Schmitt wohnt mit seiner Freundin in einer der Wohnungen. „Jeder macht hier einfach, was er gut kann", sagt der 27-jährige Student, nachdem er vor dem gemeinsamen Essen den langen Tisch repariert hat. Schmitt ist mit seiner Freundin Eileen Stederoth eingezogen. „Erst hatten wir nach einer Mietwohnung in der Innenstadt gesucht", sagt Schmitt. „Wir wären nicht nach Quelle gezogen, hätte uns die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens nicht so gefallen." Derzeit planen Mitglieder des Wohnprojekts einen Französisch–Konversationstreff. „Wir wollen uns für das ganze Quartier öffnen", sagt Bewohner Willi Steinmann.

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