Katja Harazim: Mitreißend und charmant präsentiert sich Rudi Harazim als Katja Epstein. Leise singt er mit, wenn er die Sängerin Katja Epstein verkörpert. Damit die Show stimmt, kommt deren Stimme bei den Sitzungen aber vom Band. - © Sibylle Kemna
Katja Harazim: Mitreißend und charmant präsentiert sich Rudi Harazim als Katja Epstein. Leise singt er mit, wenn er die Sängerin Katja Epstein verkörpert. Damit die Show stimmt, kommt deren Stimme bei den Sitzungen aber vom Band. | © Sibylle Kemna

Brackwede Närrisches Jubiläum für Rudi Harazim

Durch den Brackweder Karneval trat der ausgebildete Sänger und Tänzer wieder ins Rampenlicht. Seine Parodien sind immer ein Höhepunkt

Brackwede. Ein närrisches Jubiläum feiert in diesen Tagen Karneval-Urgestein Rudi Harazim: Seit 22 Jahren macht er mit beim BKV, dem Brackweder Karnevalverein. Über das Männerballet fand der gebürtige Gleiwitzer zu seiner Paraderolle: als Parodist berühmter Sängerinnen. Mit 21 Jahren stand er schon einmal kurz davor, ins Rampenlicht zu treten: Im Operettenhaus Gliwice hatte Harazim eine Rolle im Chor ergattert. „Doch einen Tag vor der Premiere kam die Ausreise", berichtet der 80-Jährige bedauernd. Er sah sich als einziger Sohnes verpflichtet, die Eltern bei der Übersiedlung nach Westdeutschland zu begleiten. „Ich bin ungern gegangen. Aus mir wäre ein Künstler geworden", ist sich Rudi Harazim sicher. Am Operettenhaus in seiner seit 1945 polnischen Heimatstadt hatte er Schauspiel, Tanzen und Singen gelernt – mit allem, was dazu gehört. Die Ausreise in die Bundesrepublik beendete die junge Karriere Die Brackweder Buchbinderei Bernhard Gehring wurde sein Arbeitgeber und blieb es 37 Jahre lang. Dort lernte er Ingeborg kennen, die seine Ehefrau wurde. Als Söhnchen Marko aus dem Gröbsten raus war, knüpfte er an seine künstlerische Ausbildung an und arbeitete von 1966 bis 1970 nebenberuflich am Theater Bielefeld. „Doch dann wollte ich wieder arbeiten, als unsere Tochter zwei war, und Rudi musste aufhören", erzählt Ingeborg Harazim. „Aber er hat immer gesagt: Wenn ich mal Rentner bin, mach' ich wieder sowas. Ich hab' es nur nicht geglaubt", meint sie schmunzelnd. Übers Theater zur Travestie Die bühnenlose Zeit dauerte fast zwei Jahrzehnte. Über den Fundusleiter des Theaters, Willi Meyer, stieß Harazim 1987 zum Queller Männerchor, der ein Ballett für den Karneval auf die Beine stellte. „So bin ich an die Travestie gekommen", berichtet der Brackweder, der inzwischen drei Enkel und drei Urenkel hat. Als die Queller aufhörten, wechselte Rudi Harazim 1996 zum BKV. Dort gab es die Quirkendörfer Patthüpker schon seit 1983, und noch immer bereichert dieses Männerballet die Sitzungen, inzwischen mit Harazim als dienstältestem Tänzer. Schon in der darauffolgenden Session hatte er seinen ersten Soloauftritt – als Zarah Leander. „Die Leute waren begeistert", erinnert er sich. So ist es bis heute. Ob als Mireille Mathieu, Lolita, Marlene Dietrich oder Katja Epstein – Rudi entflammt alle. „Nur als Nina Hagen bin ich nicht so gut angekommen", sagt er. "Einmal Zirkuspferd, immer Zirkuspferd" Glitzernde Kleider, langhaarige Perücken – Harazim hat inzwischen einen eigenen Fundus für seine Auftritte, wird er doch auch gebucht für Feste. Daran, dass ihr Mann als Frau auftritt, musste sich Ingeborg erst gewöhnen. Inzwischen steht sie dahinter und amüsiert sich, wenn Rudi mit den Herren im Publikum flirtet. „Einmal Zirkuspferd – immer Zirkuspferd", sagt sie und schmunzelt. Sie weiß, wie sehr ihr Mann die Auftritte liebt, das Schlüpfen in eine andere Rolle, das Rampenlicht. „Aufhören kann er nicht", ist sie überzeugt. Ihr Rudi hat sich überlegt, dass er für seinen Abschied von der Bühne die Knef verkörpern will mit dem Lied „Für mich soll’s rote Rosen regnen". Doch so weit ist es ja noch nicht, und erst mal ist er wieder Katja Epstein – heute auf der Prunksitzung. Dann geht es weiter mit der Operette „Im weißen Rössl", die Horst Petruschke inszeniert. Und dann ist wieder Karneval . . .

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