Im Gebetsraum für die Männer: Selvet Kocabey, Sprecher der Hicret-Moscheegemeinde, wünscht sich, dass es bei diesem Anlauf gelingt, die Zukunftspläne für ein neues Gemeindezentrum in Brackwede umzusetzen. - © Susanne Lahr
Im Gebetsraum für die Männer: Selvet Kocabey, Sprecher der Hicret-Moscheegemeinde, wünscht sich, dass es bei diesem Anlauf gelingt, die Zukunftspläne für ein neues Gemeindezentrum in Brackwede umzusetzen. | © Susanne Lahr

Brackwede Hicret-Gemeinde möchte ohne Streit neue Moschee am Südring bauen

Gemeinde erneuert Bauvoranfrage und schlägt Sozialwohnungen auf gleich zwei Grundstücken vor

Susanne Lahr

Brackwede. Senner Straße, Olper Straße, Gleisdreieck und nun das Gilsdorf-Gelände am Südring. Seit mindestens sechs Jahren ist die Hicret-Gemeinde auf der Suche nach einem neuen Standort für ihre Moschee in Brackwede. Ein schwieriges Unterfangen, in dem Gräben auf der einen Seite (Hicret) wie auch auf der anderen Seite (Bezirksvertretung/Verwaltung) aufgeworfen wurden. Sogar vor dem Oberverwaltungsgericht hat man sich schon getroffen. Im vierten Anlauf sieht es auch nach keiner leichten Lösung aus. Aber ein Sinneswandel in der Politik deutet sich jetzt an - zumindest zum Teil. Domizil an der Windelsbleicher Straße zu klein Im bisherigen Domizil an der Windelsbleicher Straße 100, einer ehemalige Gaststätte, residiert die Gemeinde seit nunmehr 30 Jahren. Wobei residieren für das sanierungsbedürftige Gebäude zu viel gesagt ist und es für die mehr als 200 Gemeindemitglieder und ihre Belange längst nicht mehr reicht. Nun haben die Muslime ein Grundstück in direkter Nachbarschaft anvisiert: das Gelände der ehemaligen Gärtnerei Gilsdorf. "Wir hatten positive Vorgespräche mit dem Eigentümer", sagt Selvet Kocabey, Sprecher der Hicret-Gemeinde. Darum hat diese auch zum zweiten Mal eine Bauvoranfrage auf den Weg gebracht, um zu erkunden, ob ihre Pläne dort realisiert werden könnten. Der erste Anlauf war vom Bauamt wegen unvollständiger Unterlagen kürzlich zurückgewiesen worden. Stadt möchte lieber Sozialwohnungen bauen Die Brackweder Politik indes hatte sich schon im Vorjahr im stillen Kämmerlein dafür ausgesprochen, auf dem knapp 8.000 Quadratmeter großen Grundstück lieber Sozialwohnungen haben zu wollen. Darum reagierte sie im November mit der Anordnung einer Veränderungssperre. In der Januar-Sitzung war der Dringlichkeitsbeschluss angesichts der zurückgewiesenen Bauvoranfrage aber nicht bekräftigt worden. Nun gibt es diese erneut, abgestimmt mit dem Bauamt, wie Selvet Kocabey betont. Und nach dem geltenden Bebauungsplan wäre an der Stelle durchaus auch eine religiöse Nutzung möglich. Angesichts des neuerlichen Gegenwindes will die Gemeinde der Bezirksvertretung entgegenkommen. Auf dem Gelände könnte doch vielleicht beides errichtet werden: Gemeindezentrum und sozialer Wohnungsbau. Und auf dem jetzigen rund 1.800 Quadratmeter großen Grundstück könnten zusätzlich Sozialwohnungen entstehen. "Wir möchten im Austausch gemeinsam eine Idee entwickeln, wie das gehen könnte." Gemeinde ist bereit zum Dialog Die Gemeinde sei auch gewillt, über die Gestaltung des Gemeindezentrums mit Politik und Nachbarn zu beraten. "Es soll doch keine klassische Moschee werden und ins Stadtbild passen", sagt Selvet Kocabey. Bislang hat die Gemeinde, deren Mitglieder oftmals auch die deutsche Staatsbürgerschaft habe, rund 650 Quadratmeter in dem verwinkelten Gaststätten-Gebäude. Um aktuellen Anforderungen gerecht zu werden, müssten es auf dem Gilsdorf-Gelände schon deutlich mehr werden. Aber eben nicht so groß, wie ein Grobentwurf für das Gleisdreieck ausgesehen hatte. Damals, so Kocabey, habe die Gemeinde das Baufenster komplett ausgefüllt, ohne konkrete Vorstellungen. "Wir wollten bei der Detailplanung dann sicher sein, frei planen und verschieben zu können." Die Größenordnung hatte aber wohl bei einigen Befürchtungen aufkommen lassen, die Brackweder könnten ein überregionales Zentrum für die Milli-Görus-Bewegung planen, der ihre Moschee-Gemeinde zugehörig ist. Frühere "Kommunikationsfehler" eingeräumt Dergleichen sei mitnichten geplant, so Kocabey, zumal es weitere Hicret-Gemeinden in Jöllenbeck und Rheda-Wiedenbrück gebe. Seitens des Bauamtes und der Bezirksvertretung war dann aber das Gleisdreieck verworfen worden - wegen einer übers Gelände laufenden Gasleitung und des Osterfeuers. "Es war wohl falsch von uns, unsere Idee so und nicht anders dargestellt zu haben", sagt Kocabey, der auch frühere Kommunikationsfehler einräumt. Aber nun soll eine Lösung im Konsens her. Und die frühere proWerk-Werkstatt an der Olper Straße, die gekauft, aber als Moschee-Standort dann nicht genehmigt worden war, soll so schnell wie möglich verkauft werden, um das Geld für das neue Vorhaben nutzen zu können.

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