Die Streikhelfer wärmen sich vor dem Werkstor bei winterlichen Frühtemperaturen an einer Feuerschale. - © Susanne Lahr
Die Streikhelfer wärmen sich vor dem Werkstor bei winterlichen Frühtemperaturen an einer Feuerschale. | © Susanne Lahr

Bielefeld Produktion bei Gestamp ruht für 24 Stunden

IG Metall bewertet Warnstreiks in Bielefeld bislang als vollen Erfolg

Susanne Lahr

Brackwede. Zwei gemietete Wohnmobile parken in der Zufahrt des Autozulieferers Gestamp. Vor einem eine Feuerschale, an der sich die Streikhelfer in Wechselschicht an diesem kalten Wintermorgen die Finger wärmen. Auch, wenn die Lkw-Zufahrt nicht wirklich 100 Prozent dicht ist, hat die IG Metall mit ihrem Warnstreik erreicht, dass seit Donnerstagmorgen 6 Uhr die Fertigung steht – und das für 24 Stunden. Entgegen der am Dienstag kursierenden Informationen hat die Gewerkschaft mit dem ganztägigen Ausstand nicht bereits mit der Nachtschicht von Mittwoch auf Donnerstag begonnen. Ein entsprechender NW-Bericht habe „zu Irritationen bei der Belegschaft geführt“, übt Hans-Jürgen Wentzlaff, 2. Bevollmächtigter der IG Metall, Kritik. „Aber wir haben die Organisation dennoch hinbekommen.“ Lkw-Staus in Brackwede blieben aus Die von einigen befürchten Lkw-Staus rund ums Werk sind ebenfalls ausgeblieben. Normalerweise kämen pro Schicht 50 bis 60 Lastwagen im Werk an, am Donnerstag sind es deutlich weniger. „Wir haben gehört, dass das Unternehmen in Erwartung des Streiks über die Spediteure die Frequenz runtergefahren hat“, sagt Wentzlaff. An diesem Tag sind nach seinen Worten neben Gestamp 21 weitere Betriebe der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen zu 24-stündigen Warnstreiks aufgerufen. „Wir hoffen, dass das die Arbeitgeber auf diese Weise zu neuen Einsichten kommen lässt und sie bei nächster Gelegenheit mit verhandelbaren Angeboten kommen.“ Mehrere Unternehmen hatten gegen die ersten 24-Stunden-Warnstreiks in der Branche geklagt. Das Arbeitsgericht Krefeld hat am Mittwoch einen Antrag auf einstweilige Verfügung abgewiesen. Streiks bislang "zivilisiert gelaufen" Für den Unternehmerverband der Metallindustrie Bielefeld-Herford-Minden erklärte Hauptgeschäftsführer Dieter Kühnel, man habe den hiesigen Firmen geraten, nicht zu klagen. „Das hätten wir nur gemacht, wenn es Streikauseinandersetzungen gegeben hätte.“ Bislang seien die Warnstreiks in der Region aber zivilisiert gelaufen, „professionell abgearbeitet worden“, sagte Kühnel. Gleichwohl machten sich die Unternehmer Sorgen, da die 24-stündigen Streiks angesichts sehr eng verknüpfter Lieferketten schon kein Vorgeplänkel mehr seien. In die gleichen Richtung geht eine Erklärung der Firma Gestamp. Unter anderem heißt es : „Aufgrund des hohen Internationalisierungs- und Komplexitätsgrads in Bezug auf unsere Lieferverpflichtungen erwarten unsere Kunden von uns absolute Lieferzuverlässigkeit, die durch die Streiksituation gefährdet wird.“ Heute wird es voraussichtlich zur Arbeitsniederlegung bei DMG Mori in Sennestadt kommen. Mittwoch war Auftakt bei Mannesmann Precision Tubes am Südring.

realisiert durch evolver group