Südring, Ecke Windelsbleicher Straße: Die Blumenhandlung Gilsdorf neben der Westfalen-Tankstelle ist nicht mehr in Betrieb. Das Gelände mit Laden und Gewächshäusern könnte einer Moschee Platz bieten. Die Brackweder Politik hat dort anderes vor. - © Susanne Lahr
Südring, Ecke Windelsbleicher Straße: Die Blumenhandlung Gilsdorf neben der Westfalen-Tankstelle ist nicht mehr in Betrieb. Das Gelände mit Laden und Gewächshäusern könnte einer Moschee Platz bieten. Die Brackweder Politik hat dort anderes vor. | © Susanne Lahr

Brackwede Gemeinde will auf ehemaligem Gilsdorf-Gelände in Brackwede neue Moschee bauen

Die Hicret-Gemeinde hat Interesse an dem Grundstück am Südring, die Bezirksvertretung möchte dort lieber sozialen Wohnungsbau

Susanne Lahr

Brackwede. Das Gelände der ehemaligen Gärtnerei Gilsdorf im Einmündungsbereich Südring/Windelsbleicher Straße ist ein Filetstück. Auf das die benachbarte Hicret-Gemeinde, die schon lange auf der Suche nach einem geeigneten Gelände für ein neues Gemeindezentrum ist, ein Auge geworfen hat. Ein Wunsch, der in der Bezirksvertretung (BZV) Brackwede nicht auf Gegenliebe stößt. Eine Bauvoranfrage der Gemeinde hatte die Brackweder auf Trab gebracht - per Dringlichkeit war eine Veränderungssperre für das Gelände auf den Weg gebracht worden. Über diese hatte am Donnerstagabend die BZV zu befinden. Dort wurde die Dringlichkeitsentscheidung zurückgezogen, weil es zwischenzeitlich "eine neue Entwicklung gibt", wie es Peter Diekmann, stellvertretender Bezirksbürgermeister (CDU), der die Sitzung leitete, ausdrückte. "Die Bauvoranfrage ist zurückgenommen worden." Daher könne sich die Brackweder Politik nun in Ruhe mit der Änderung des Bebauungsplanes auseinandersetzen. Statt eines Gemeindezentrums mitsamt Moschee möchten die Brackweder nämlich, dass die Stadt das Gilsdorf-Gelände kauft, mit dem Ziel, dort Sozialwohnungen zu errichten. Wie die NW im Gespräch mit Bauamtsleiter Dieter Ellermann erfuhr, ist die Anfrage indes nicht zurückgezogen, sondern der Antrag auf Vorbescheid "wegen Unvollständigkeit der Unterlagen zurückgewiesen worden". Ellermann bestätigte, dass bisher auf dem Gilsdorf-Gelände grundsätzlich eine religiöse und kirchliche Nutzung möglich ist. Bereits im Sommer aber hatte sich die BZV nichtöffentlich gegen eine Moschee dort ausgesprochen. Während die Hicret-Gemeinde im Oktober eine Bauvoranfrage einreichte, beschloss das Gremium kurz darauf, die Verwaltung möge in Kaufverhandlungen eintreten. Als im November die Bauvoranfrage bekannt wurde, folgte die Dringlichkeitsentscheidung von Bezirksbürgermeisterin Regina Kopp-Herr und ihrem Stellvertreter. Bevor die Bezirksvertretung das Thema bei zwei Gegenstimmen in eine Arbeitsgruppe verwies, gab Heinrich Büscher von den Grünen eine persönliche Erklärung ab. Seit vier Jahren habe das Gremium den Umzug der Gemeinde, die seit Jahrzehnten in Brackwede ansässig und den Räumen in der ehemaligen Gaststätte an der Windelsbleicher Straße längst entwachsen sei, verhindert. Am Standort Olper Straße, wo die Hicret-Gemeinde eine ehemalige Schuhfabrik angekauft hatte, hatte es auch zunächst eine Veränderungssperre und später einen Bebauungsplan gegeben, der kirchliche Nutzung an der Stelle ausschließt. Das Gilsdorf-Gelände sei seines Erachtens ideal, sagte Büscher. Das Argument, dass es eine Konzentration von Moscheen dort gebe, ziehe nicht, da es sich nur um einen Umzug handeln würde. Vincenzo Copertino (CDU) unterbrach und forderte Büscher auf, sofort seine Ausführungen zu beenden, da er auf Wissen aus nichtöffentlicher Sitzung zurückgreife. Büscher sah das anders, machte weiter. Carsten Krumhöfner (CDU) sah einen falschen Zungenschlag in die Diskussion gebracht. "Wir haben lediglich gesagt, was wir wollen, und nicht, was wir nicht wollen. Alles andere sind irgendwelche Hirngespinste." Die Hicret-Gemeinde wertet das Vorgehen der BZV gleichwohl als Verhinderungsplanung. Und die Zurückweisung der Bauvoranfrage befremde, sagte Gemeindesprecher Selvet Kocabey, da ihr Architekt im Vorfeld mit dem Bauamt gesprochen habe. "Wir werden eine neue Anfrage einreichen", kündigte er an. "Wenn das Baurecht für jeden gleich ist, steht unserer Bauvoranfrage nichts im Wege!"

realisiert durch evolver group