Stadtring 79 Brackwede, ehemaliges Refugium-Haus, Diakonische Stiftung Ummeln - © Susanne Lahr
Stadtring 79 Brackwede, ehemaliges Refugium-Haus, Diakonische Stiftung Ummeln | © Susanne Lahr

Bielefeld Ende eines Refugiums für Flüchtlinge

Diakonische Stiftung Ummeln schließt alle Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Asylbewerber in Bielefeld, Paderborn und Hameln. Zu viele Probleme

Susanne Lahr

Ummeln/Brackwede. Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Diakonische Stiftung Ummeln mit ihrer Refugium gGmbH an den Start gegangen ist. Die gemeinnützige Tochtergesellschaft kümmerte sich stationär und ambulant um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Kümmerte. Denn die Refugium gGmbH, die in Bielefeld, Paderborn und Hameln aktiv war, ist abgewickelt. Für die Adresse „Stadtring 79" in Brackwede hat das Konsequenzen. Zu der Zeit, als sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, „hat es aus der Mitarbeiterschaft heraus den Wünsche gegeben zu helfen", sagt Geschäftsführer Frank Plaßmeyer. „Ganz nach dem Motto: ,Wir schaffen das’". Es gab dann sogar ein Speed-Dating, an dem laut Plaßmeyer rund 60 Personen teilgenommen haben, um motivierte Mitarbeiter für die Refugium gGmbH zu finden. Ernüchterung im Tagesgeschäft Allerdings sei im Tagesgeschäft im Laufe der Zeit „eine gewisse Ernüchterung eingetreten", sagt Plaßmeyer im Gespräch mit der NW. Dazu habe auch beigetragen, dass sich in den Wohngruppen die schwierigsten Fälle konzentriert hätten. In der Wohngruppe Bielefeld gab es neun Plätze, sieben in Paderborn (in Kooperation mit dem St. Johannisstift) und elf in Hameln. Der Geschäftsführer spricht von massiven Gewaltexzessen, Vandalismus und erhöhte Kriminalität. „Es hat auch Gewalt gegenüber Mitarbeitenden gegeben", gibt Frank Plaßmeyer zu. Öffentliches Aufsehen Für öffentliches Aufsehen hatte dann ein Zwischenfall Anfang 2017 gesorgt: Fünf Jugendliche hatten einen Dunkelhäutigen nahe des Ishara überfallen. Die Täter bestahlen und traten ihr Opfer und beschimpften es rassistisch. Damals war der Stiftung vorgeworfen worden, die Zeichen, die ein „böses Ende" angedeutet hätten, nicht gesehen, warnende Hinweise ignoriert, Mitarbeiter im Stich gelassen zu haben. Die Stiftung hatte damals die Vorwürfe zurückgewiesen. Ihre Bewohner hätten in der Tat hohen Hilfebedarf, seien angesichts ihres Verhalten anderswo rausgeflogen. Aber die Refugium gGmbH habe es als ihre Aufgabe gesehen, auch dieser schwierigen Klientel Hilfestellung zu leisten. Gleichwohl hatte das Ganze Folgen. Der Krankenstand bei den Mitarbeiter erhöhte sich, immer wieder mussten Lücken mit Kollegen aus anderen Bereichen gestopft werden. Plaßmeyer sagt, dass er gerne mehr Personal eingesetzt hätte, aber es haben einen „Deckel" seitens des Jugendamtes und des Landesjugendamtes gegeben. Letztlich sind die Wohngruppen aufgelöst worden, obwohl es eine Betriebsgenehmigung bis Oktober 2018 gab. "Ich würde es wieder tun" „Es war wirklich nicht alles gut", gibt der Geschäftsführer der Stiftung zu. Aber trotz allem habe die Refugium-Zeit wertvolle Erfahrungen mit sich gebracht. Plaßmeyer: „Ich würde es wieder tun, gegen alle Widerstände, die es gegeben hat." Ganz viele Menschen seien gewillt gewesen, mit viel Energie zu helfen. Und viele von ihnen seien nach dem Ende der Refugium gGmbH in andere Stiftungsbereiche gegangen. Geschäftsführerin Sarah Dieckbreder-Vedder beispielsweise leitet nun den Bereich Jugendhilfe der Diakonischen Stiftung Ummeln.

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