Liebe und Geborgenheit: Für Kinder, die bei ihren leiblichen Eltern nicht bleiben können, sucht das Netzwerk Pflegefamilien in OWL laufend Menschen, die ihnen als Pflegeeltern die dringend benötigte Zuneigung geben können. - © Friderieke Schulz
Liebe und Geborgenheit: Für Kinder, die bei ihren leiblichen Eltern nicht bleiben können, sucht das Netzwerk Pflegefamilien in OWL laufend Menschen, die ihnen als Pflegeeltern die dringend benötigte Zuneigung geben können. | © Friderieke Schulz

Bielefeld Pflegeeltern werden dringend benötigt

Treffen des Netzwerkes Pflegefamilien in Bielefeld: "Bedarf ist nach wie vor sehr groß"

Judith Gladow

Brackwede. Lauter, fröhlicher Trubel herrscht in den Räumen des Netzwerks Pflegefamilien an der Benatzkystraße. Während 35 Kinder lachen und spielen, nutzen insgesamt 45 Pflegeeltern die Gelegenheit, sich auszutauschen. Das Jahresanfangsfest mit gemeinsamem Frühstück hat lange Tradition am Brackweder Standort. Und zum zweiten Mal werden zu diesem Anlass Familien geehrt, die sich schon besonders lange um Pflegekinder kümmern. Vier Familien sind es dieses Jahr, unter ihnen sind auch Hans und Erika Lohse aus Leopoldshöhe. Vor elf Jahren hatten sie ein Mädchen in ihre Familie aufgenommen, das mittlerweile erwachsen geworden ist. Anfangs sollte die Pflegetochter erst auf eine Förderschule geschickt werden, doch die Lohses setzten sich ein, sorgten dafür, dass sie eine reguläre Schullaufbahn einschlagen konnte. Mittlerweile macht sie Fachabitur. „Wir sind ganz stolz.“ Da sie so alt ist wie die Enkeltöchter, zusammen mit ihnen aufgewachsen ist, sagt zu ihren Pflegeeltern auch Oma und Opa. „Und unsere Söhne nennt sie ihre Bronkels“, erzählt Erika Lohse und lacht. Das Netzwerk Pflegefamilien, das zum Verbund Sozialtherapeutischen Einrichtungen (VSE) NRW gehört, sei bei allem unterstützend dabei gewesen. „Wenn was war, war immer jemand für uns da.“ Langjährige Pflegeeltern ausgezeichnet Claudia und Reinhard Vietz sind schon lange Pflegefamilie. Derzeit betreuen sie zwei Pflegekinder, zwölf und 18 Jahre alt. Zwei weitere Pflegekinder sind schon erwachsen. Geplant war das aber vor 22 Jahren nicht, als alles seinen Anfang nahm. „Vorher wusste ich nicht einmal, dass es so etwas gibt“, erzählt Claudia Vietz. Auch wenn nicht immer alles einfach war – missen möchte sie es heute nicht mehr. „Es gibt so viele schöne Erlebnisse.“ Seit zwölf Jahren ist das Ehepaar nun in der Betreuung durch den VSE. Außerdem geehrt wurden Reinhard und Bettina Kottmann sowie Tanja und Daniel Klepitko, die ebenfalls seit mehr als zehn Jahren Pflegekinder aufgenommen haben. Menschen wie sie werden weiterhin gesucht. „Der Bedarf ist nach wie vor groß“, erzählt Heinz Kuhlemann, einer von elf pädagogischen Betreuern am Standort Bielefeld. „Darum versuchen wir immer wieder, neue Pflegeeltern zu gewinnen.“ Bei einer Telefonaktion am Tag vor dem Jahresanfangsfest konnten immerhin einige neue Interessenten gewonnen werden. Vorbereitung dauert so lange wie Schwangerschaft Angehende Pflegeeltern werden mit Gesprächen und Seminaren vorbereitet, das dauert in etwa so lange wie eine Schwangerschaft. Hat sich die neue Familie dann gefunden, geht die Betreuung weiter, außerdem gibt es spezielle Angebote und Fachvorträge. Auch für jugendliche Pflegekinder gibt es eine Gruppe, damit sie sich unter einander vernetzen können. Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit und Geduld seien wichtigste Voraussetzungen für Interessenten, erklärt Kuhlemann. Keine Rolle spielt hingegen, ob es sich um Alleinstehende, gleich oder verschieden geschlechtliche Paare handelt. Am Wichtigsten sei natürlich, dass das Kind sich wohlfühlt. „Wir suchen Familien für Kinder, nicht Kinder für Familien“, betont Pädagogin Andrea Strathmeier.

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