Bleibt wohl auf Jahre eine Brache: Die Diakonische Stiftung Ummeln wollte auf dem ehemaligen Gelände des Gasthofes Gröppel an Gütersloher und Steinhagener Straße in diesem Jahr mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes beginnen. Daraus wird vorerst nichts. - © Susanne Lahr
Bleibt wohl auf Jahre eine Brache: Die Diakonische Stiftung Ummeln wollte auf dem ehemaligen Gelände des Gasthofes Gröppel an Gütersloher und Steinhagener Straße in diesem Jahr mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes beginnen. Daraus wird vorerst nichts. | © Susanne Lahr

Bielefeld Diakonische Stiftung Ummeln zieht vor Gericht

Landschaftsverband Westfalen-Lippe hält Verwaltungsneubau auf dem Gröppel-Gelände für überflüssig

Susanne Lahr

Bielefeld-Ummeln. Die Diakonische Stiftung Ummeln wird ihr neues Verwaltungsgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofes Gröppel nicht so schnell errichten können wie geplant. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) stellt sich quer. Die Stiftung zieht vors Sozialgericht. „Notfalls bis zur letzten Instanz“, erklärt Geschäftsführer Frank Plaßmeyer. „Da kein Eilverfahren möglich ist, müssen wir davon ausgehen, dass sich in den nächsten drei bis fünf Jahren dort nichts tut“, sagt Plaßmeyer. Im Herbst vergangenen Jahres hatte er noch anders geklungen, wollte sich die Stiftung nicht vom durch den LWL bereits abgelehnten Grundstückskauf aufhalten lassen. Doch nun hat der Landschaftsverband auch den Antrag auf die Errichtung eines Verwaltungsneubaus abgelehnt. Dieser sei nicht nachvollziehbar, heißt es aus Münster. Und: Der LWL geht davon aus, „dass die zum Betrieb der Einrichtung notwendigen Anlagen, somit auch notwendige Verwaltungsflächen, entsprechend der Leistungs- und Prüfungsvereinbarungen bereits heute vorhanden sind“. Stiftung in vergangenen Jahr stark gewachsen Sind sie nicht, sagt die Stiftung. Denn die diakonische Einrichtung, die 2016 ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert hat und einer der ältesten diakonischen Träger in NRW ist, ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen – im Behindertenbereich 2017 um 60 Prozent – und hat sich organisatorisch neu aufgestellt. Der Umwandlungsprozess endet zum 1. April 2018, wenn alle Mitarbeiter in den Bundes-Angestellten-Tarif in kirchlicher Fassung überführt sind. Aktuell sind es rund 740, nachdem sich die Stiftung kürzlich von einigen Bereichen außerhalb Ostwestfalen-Lippes getrennt hat (siehe Infokasten). Die Stiftung ist in der Behinderten-, Familien- und Jugendhilfe aktiv, bietet ambulante und stationäre Wohnhilfen, Inklusionsbetriebe und mehr. Für die ausgeweiteten Bereiche seien zusätzliche Verwaltungsräume erforderlich. „Sie sind betriebsnotwendig“, hatte Frank Plaßmeyer bereits im August betont. Und diese Betriebsnotwendigkeit sehe nach Paragraf 76 Bundessozialhilfegesetz XII vor, dass der Investitionskostenanteil vom LWL zu übernehmen sei, so der Geschäftsführer. „Wir haben Anspruch auf 100-prozentige Refinanzierung.“ Die Stiftung werde das durchprozessieren – auch im Sinne anderer Träger. Stiftung: Zweckbau mit 60 Büros betriebsnotwendig Plaßmeyer will sich vom LWL nicht ans Gängelband legen lassen. Die Nachfrage nach Leistungen in der Behinderten- und Jugendhilfe sei da; es gebe eine Warteliste; die Menschen mit Hilfebedarf hätten einen Rechtsanspruch auf Unterstützung, die von der Stiftung subsidiär für den Staat erbracht werde. Um all das auch verwalten zu können, sei das Stiftungskontor mit 60 Büros in einem Zweckbau betriebsnotwendig. „Der LWL als Kostenträger kann im Grunde nur zustimmen“, meint Frank Plaßmeyer. Doch das müssen nun die Gerichte entscheiden. Die Mitarbeitenden müssen derweil statt mit weniger mit mehr Bürodezentralisierung leben. „Wir müssen die Kollegen verteilen, in Räume auf dem Stammgelände, in Brockhagen und Werther“, so Frank Plaßmeyer. „Ein Schreibtisch mit EDV-Zugang steht dabei nicht jedem zur Verfügung, Kollegen müssen sich Arbeitsplätze teilen.“ Wohnen statt Verwalten? Über das Gröppel-Gelände will die Stiftung auch noch einmal nachdenken. „Ein Verkauf ist keine Option“, betont der Geschäftsführer auf Nachfrage der NW. Schließlich habe die Familie Summer ihnen das Gelände verkauft, „weil es ihnen wichtig war, dass wir es als Stiftung bewirtschaften“. Möglicherweise werde man überlegen, ob das Grundstück nicht zu Wohnzwecken genutzt werden könnte. Das Stiftungskontor, das an der zentralen Stelle auch dazu dienen sollte, die diakonische Einrichtung im Sozialraum sichtbarer zu machen, müsste dann an anderer Stelle entstehen.

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