Suizid: Ein mordverdächtiger Mann aus Bad Oeynhausen hat sich in der Nacht zu Montag in seiner Zelle erhängt. - © Symbolfoto: Andreas Frücht
Suizid: Ein mordverdächtiger Mann aus Bad Oeynhausen hat sich in der Nacht zu Montag in seiner Zelle erhängt. | © Symbolfoto: Andreas Frücht

Bielefeld/Bad Oeynhausen Mordverdächtiger aus Bad Oeynhausen erhängt sich in seiner Zelle in Bielefeld-Brackwede

36-jähriger soll dreifache Mutter mit dem Messer getötet haben. Die Gefängnisverantwortlichen sahen bei dem Verdächtigten seit Dezember keine Gefährdung mehr

Jens Reichenbach

Bielefeld/Bad Oeynhausen. Ein 36-jähriger Mordverdächtiger hat sich in der Nacht auf Montag in seiner Gefängniszelle erhängt. Das geht aus einer Mitteilung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Brackwede hervor. Bei dem 36-Jährigen soll es sich dem Vernehmen nach um den dringend mordverdächtigen Adam E. handeln. Der 36-Jährige soll am 18 November 2017 seine Lebensgefährtin, dreifache Mutter Anett J. (35), mit 17 Messerstichen im Flur der gemeinsamen Wohnung in Bad Oeynhausen getötet haben. Wie JVA-Leiter Uwe Nelle-Cornelsen am Montag mitteilte, sei der Untersuchungsgefangene bei der "Frühkostausgabe" um 5.55 Uhr tot in seiner Zelle gefunden worden. Augenscheinlich habe er sich mit einem Gürtel am Heizkörper erhängt, so Nelle-Cornelsen. Wie berichtet, ging die neunköpfige Mordkommission „Flur" nach der Tat von einem "innerfamiliären Konflikt" aus, der am Samstagmorgen, 18. November 2017, zu einem heftigen Streit in der Erdgeschosswohnung an der Bahnhofstraße geführt habe. Offenbar war es bei dem Streit um den Umgang des gemeinsamen Kleinkindes gegangen. Die Kinder waren im Haus, als es passierte Laut Obduktion fügte der Täter der dreifachen Mutter schließlich 17 Stich- und Schnittverletzungen zu. Zwei davon waren tödlich. Das Opfer verblutete an Ort und Stelle.Zunächst hatte es geheißen, der älteste Sohn (10) der dreifachen Mutter habe nach der Tat den Notruf gewählt. Das  korrigierte die Polizei aber später. Demnach rief der Beschuldigte selbst die Polizei, der inzwischen die Tat auch gestand. Allerdings waren der Sohn (10) und die Tochter (7) der 36-Jährigen zum Tatzeitpunkt im Haus. Das gemeinsame Kind von Opfer und Täter ist noch im Kleinkindalter (6 Monate). Alle drei Kinder sollen seitdem bei Angehörigen der Familie untergebracht sein. Für den Psychologen der JVA war keine Selbstgefährdung mehr erkennbar Nach dem Suizid wurden Staatsanwaltschaft, Aufsichtsbehörde und Anstaltsbeirat darüber informiert, so die JVA. Die Polizei, die die Todesermittlungen übernommen hat, schließt ein Fremdverschulden aus. Zu Beginn der Untersuchungshaft, die für den 36-Jährigen am 19. November 2017 begonnen hatte, habe es durchaus Hinweise auf eine Suizidgefährdung gegeben. Entsprechend wurden laut Nelle-Cornelsen besondere Sicherheitsmaßnahmen veranlasst. Das heißt, die Justizvollzugsbeamten mussten in kurzen Abständen nach dem Gesundheitszustand des Inhaftierten sehen - auch nachts. Nach einem Gespräch mit einem Psychologen seien diese Überprüfungen aber Anfang Dezember eingestellt worden. „Der Gefangene hatte damals keine Anzeichen einer Krise mehr gezeigt", so der Anstaltsleiter. „Er ging arbeiten, blieb ruhig und verhielt sich insgesamt unauffällig", so Nelle-Cornelsen. Die Zahl der Suizide in der JVA Bielefeld-Brackwede ist in der Vergangenheit deutlich zurückgegangen. In den Jahren 2016 und 2017 musste die JVA-Leitung in Brackwede jeweils einen Suizid eines Inhaftierten in den eigenen Mauern beklagen. In den Jahren davor gab es gar keine Fälle dieser Art.

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