Ein Herz für die Leineweberstadt: Martin Knabenreich ist - nicht nur beruflich - überzeugter Bielefelder. Das ist auch bei seinem Besuch im Erzählcafé zu spüren. - © Silke Kröger
Ein Herz für die Leineweberstadt: Martin Knabenreich ist - nicht nur beruflich - überzeugter Bielefelder. Das ist auch bei seinem Besuch im Erzählcafé zu spüren. | © Silke Kröger

Brackwede Bielefeld Marketing: So sieht die Arbeit des Geschäftsführers aus

Martin Knabenreich stellt die vielen Facetten seiner Arbeit vor

Silke Kröger

Brackwede. Wenn Bielefeld meistbietend versteigert werden würde, dann wäre Martin Knabenreich der perfekte Auktionator. Im Erzählcafé stellt der Geschäftsführer der Bielefeld Marketing GmbH die unterschiedlichen Facetten seiner Arbeit vor. Und die eint ein großes Ziel: die Vorzüge des Oberzentrums in alle Welt zu tragen. Und auch die Einwohner davon zu überzeugen. "Wenn wir die Bürger als überzeugte Bielefelder gewinnen können, ist das mehr wert als jede Werbekampagne", unterstreicht der Volkswirt mit Studienschwerpunkt Unternehmensführung, Arbeitsökonomie und Wirtschaftsrecht. Die 24 Mitarbeiter des Stadtmarketings seien so etwas wie die "Schaufensterdekorateure der Stadt", sagt Knabenreich und nutzt gleich die Gelegenheit zur Abgrenzung: "Wir sind aber nicht der Kummerkasten - Letzteres wäre das Rathaus." Geprägt werde das Bild eines Ortes von der Infrastruktur und seinen Gebäuden, von Werbung - "die direkte Kommunikation" - und Mund-zu-Mund-Propaganda, erklärt der Ex-Chefredakteur von Radio Bielefeld. "Was erzählen die Leute - das ist der Schlüssel, wenn sie sagen, da musst du mal hin." In diesem Sinne sei auch das manchmal irritierende "Bielefeld - das gibt es doch gar nicht", auf das man dank der Geschichte von der "Bielefeld-Verschwörung" außerorts mitunter trifft, sogar hilfreich. Denn es sei ein Aufhänger, über Bielefeld zu reden und auf all das Schöne hier zu verweisen. Den "tollen Tierpark in Olderdissen", den die Besucher beispielsweise nennen, oder auch Bethel. Als besonders erfolgreich hat sich das neue städtische Logo erwiesen, das es nicht nur auf Souvenirs wie Aufkleber, Tassen oder Beutel und auf alle städtischen Broschüren geschafft hat. Es findet sich inzwischen zudem auf Bussen, Bahnen, auf Sportler-Trikots, auf Polizei- und Krankenwagen, wie Knabenreich mit Bildern demonstriert. Er verweist darauf, dass jeder Bürger das Logo privat nutzen dürfe: "Er kann damit tun, was er will. Nur bei einer gewerblichen Nutzung gucken wir drüber." Und: Es habe die Stadt nichts gekostet - "es wurde vollständig bezahlt von Bielefelder Unternehmen". Der gebürtige Berliner, das wird im Laufe des Nachmittags ganz deutlich, ist überzeugt von seiner neuen Heimat. "Trommeln für Bielefeld" ist mehr als nur sein Job. "Wir können nächtelang diskutieren, was alles schiefläuft hier", meint er. "Aber unterm Strich läuft auch verdammt viel gut - unsere Bahnen fahren pünktlich, die Stadt ist im Vergleich zu vielen anderen sehr sicher, und wenn ich zum Amt gehe, wird mir geholfen." Knabenreichs Vortrag trifft im Erzählcafé auf offene Ohren. Das neue Logo findet Anklang, ein Besucher spricht sogar "ein dickes Lob für diese einmalige Leistung" aus - und regt, eher scherzhaft, eine wissenschaftliche Untersuchung an, ob Bielefeld wirklich existiere: als Lehrauftrag an die Uni Bielefeld. "Und ernsthaft: So könnte man die Bielefeld-Verschwörung positiv vermarkten." Aber natürlich gibt's auch Kritik. Eine Besucherin verweist darauf, dass nicht nur das Zentrum, sondern auch die Stadtbezirke zu Bielefeld gehörten. "Ummeln, Brackwede oder Senne - wir fühlen uns etwas vernachlässigt. Aber wir sind ja auch Bielefelder!" Weitere Informationen unter www.bielefeld-marketing.de.

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