Sind froh, dass die Nachfolge geregelt ist: Lore und Norbert Münch haben beide noch einige Jahre bis zum wohlverdienten Ruhestand, den Generationenwechsel in ihrer Fleischerei haben sie frühzeitig und mit Bedacht schon eingefädelt. - © Judith Gladow
Sind froh, dass die Nachfolge geregelt ist: Lore und Norbert Münch haben beide noch einige Jahre bis zum wohlverdienten Ruhestand, den Generationenwechsel in ihrer Fleischerei haben sie frühzeitig und mit Bedacht schon eingefädelt. | © Judith Gladow

Ummeln Behutsame Übergabe

Generationenwechsel: Nach mehr als 25 Jahren geben Nobert und Lore Münch die Leitung der Ummelner Fleischerei in die Hände von Fleischermeister Lennart Hermstein

Judith Gladow

Ummeln. Die Nachfolgersuche gestaltet sich für die meisten traditionellen Handwerksbetriebe schwierig. Nicht immer kann der Betrieb in der Familie bleiben. Darum haben sich Lore und Norbert Münch für ihre Fleischerei in Ummeln frühzeitig Gedanken gemacht. Ihr Unternehmen wird nun ab Januar Lennart Hermstein als neuer Inhaber weiterführen, ein junger, langjähriger Mitarbeiter. Über mehrere Jahre hinweg wurde die Übergabe vorbereitet, um den Übergang möglichst behutsam zu gestalten. Lore (60) und Norbert Münch (62) bleiben weiter in ihren angestammten Funktionen im Betrieb – sie als Verkaufsleiterin, er als Leiter in der Produktion. Die Beiden sind stolz auf die Fleischerei, die als einzige in Bielefeld und Umgebung noch selbst schlachtet und auch alles selbst herstellt. „Kein einziges unserer Produkte ist zugekauft“, betont Norbert Münch. Geschlachtet und verarbeitet werden ausschließlich Tiere von Bauern aus der nahen Umgebung.Die beste Meisterprüfung seit Jahrzehnten Mit der Wahl ihres Nachfolgers sind die Münchs rundum glücklich, sie haben nur lobende Worte für den 31-Jährigen aus Sende. Ursprünglich hatte Hermstein eine kaufmännische Ausbildung absolviert, nebenher aber schon lange auf dem Wochenmarkt bei Reinhard Laustroer Fleisch verkauft. „Dabei hatte ich wesentlich mehr Spaß, als beim Verkauf von Pullovern“, erzählt er. Und so beschloss er 2010, noch eine Lehre zum Fleischer hintendran zu hängen. Norbert Münch nahm ihn als Azubi auf, obwohl eigentlich die Lehrstellen schon besetzt waren. Eine gute Entscheidung, findet Münch heute. „Er hat alles mit Auszeichnung bestanden.“ Und das in Rekordzeit: Bereits 19 Monate nach dem Beginn seiner Ausbildung begann er mit den Meisterkursen und wurde schließlich als bester Fleischermeister in 25 Jahren mit der Note 1,0 besonders ausgezeichnet.Jobangebot aus Namibia ausgeschlagen Die Fleischerei hat zwei Standorte in Ummeln, einmal den Hauptsitz an der Breitscheidtstraße 1 und die Filiale im Ortszentrum. Dort, an der Gütersloher Straße, liegen auch die Anfänge des Unternehmens, das Norbert Münchs Vater Anton 1950 gründete. 1957 kaufte er dann das Grundstück an der Breitscheidtstraße und baute dort den Laden und das Schlachthaus. Norbert Münch übernahm 1982 relativ kurzfristig und ließ damals dafür sogar ein Jobangebot in Namibia sausen. 1995 wurde dann noch einmal neu gebaut, die Produktpalette im Bereich Feinkost erweitert, ein besonderes Steckenpferd von Lore Münch. Eine Bandbreite von Pulled Pork bis Pfötchen Die Vorlieben beim Fleischkonsum seien bestimmten Moden unterworfen, erzählt die Verkaufsleiterin. Schweineschulter, lange Zeit ein Ladenhüter, werde seit dem verstärkten Aufkommen des Grillens im Smoker wieder mehr gekauft. Und auch die Generationen hätten ganz unterschiedliche Bedürfnisse, von Pulled Pork bis Pfötchen. Wenn Lennart Hermstein das Geschäft im Januar übernimmt, gibt es keinen Einschnitt, nicht umsonst ist alles von langer Hand geplant. Wer es nicht weiß, wird es vielleicht höchstens am Namen merken: Aus der „Fleischerei Norbert Münch“ wird dann „Fleischerei Münch, Inhaber Lennart Hermstein“.

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