Konzert mit Wellengang: Der Shantychor Bielefeld bietet in der Aula der Realschule weihnachtlich maritime Lieder und erfreut die begeistert mitsingenden und -klatschenden Zuhörer. - © Sibylle Kemna
Konzert mit Wellengang: Der Shantychor Bielefeld bietet in der Aula der Realschule weihnachtlich maritime Lieder und erfreut die begeistert mitsingenden und -klatschenden Zuhörer. | © Sibylle Kemna

Brackwede Maritimer Advent: Bielefelder Shantychor begeistert in der Realschulaula

Klangvolle Chormusik reißt mit und lockt zum Klatschen

Sibylle Kemna

Brackwede. Niemand hat so viel Sehnsucht nach dem verschneiten Winterwald und dem geschmückten Weihnachtsbaum wie ein Seemann, Tausende von Meilen entfernt von der Heimat. Diesen Eindruck vermittelten am Sonntag die Sänger des Shantychors Bielefeld in der Aula der Realschule Brackwede. Wer bei Shantys an das Beschwören von Fernweh denkt, an reizvolle Erlebnisse in fremden Ländern und abenteuerliche Fahrten auf hoher See, dem zeigten die Seebären die andere Seite der maritimen Lieder: die, die das Heimweh beschwören. Schon seit 20 Jahren gehören diese festlich- stimmungsvollen Lieder und das "Weihnachten von See" zum Jahresprogramm des Shantychors. Doch jedes Jahr denkt sich der charismatische Chorleiter Laslo Elek etwas Neues aus, um die Herzen der Zuhörer zu berühren. 32 Sänger und ein halbes Dutzend Instrumentalisten sorgten in der Realschulaula für einen vollen Klang, auch wenn es schon mal mehr waren und sich der Shantychor über Zuwachs und Nachwuchs sehr freuen würde. Leinen los: "Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie", empfahl Elek, um gleich beim nächsten Lied die rund 250 Zuhörer wieder zum Klatschen zu animieren. So wechselten besinnliche und schwungvolle Stücke einander ab, immer wieder traten Solisten vor und sorgten für den spannungsreichen Dialog von Einzelstimme und Chorgesang. Vor dem großen Gemälde vieler Schiffe in einem verschneiten Hafen beschworen seine Männer die "Heilige Nacht am Hafen", die "Weihnacht auf hoher See" und "Seemanns Weihnacht". Der Chor sang auch berührende Stücke, die etwa die Angst der Matrosen vor dem Verlust der Liebsten durch die lange Abwesenheit ausdrückten: "Vergiss mich nicht. . ." Auf Plattdeutsch heißt das Fest "Wiehnacht", und die Seebären sangen von dieser auf der Waterkant und mit Norddiek-Radio. Für Stimmung sorgte auch "St. Niklas war ein Seemann", das wohl bekannteste Seemanns-Weihnachtslied. Daneben gab es bekannte Melodien wie "Stille Nacht", die Chorleiter Laslo Elek zeitgemäß arrangiert hatte. Aber auch eine plattdeutsche Version von "Jingle Bells", der dieser eine augenzwinkernde Prägung verpasst hatte. Chormitglied Roland Kreier-Hardung führte das Publikum mit Seemannsgarn und kleinen Geschichten durch das Programm. Außerdem gab es noch eine kleine Lesung, in der die Zuhörer amüsiert den plastisch beschriebenen Ausflug eines Bauernpaares von Künsebeck in die große Stadt Bielefeld miterlebten: Das Theater war den Eheleuten zu teuer, denn da wurde schließlich "pro Gramm" abgerechnet. Und vor dem Aufzug erlebten die beiden dann ungläubig, wie eine alte Frau einstieg und scheinbar verjüngt wieder herauskam: "Hol sofort die Omma!"

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