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An dunklen Wintertagen sind viele Menschen schwermütig. - © FOTO: NW-ARCHIV (PATRICK MENZEL)
An dunklen Wintertagen sind viele Menschen schwermütig. | © FOTO: NW-ARCHIV (PATRICK MENZEL)

ENGER/SPENGE "Den Körper mit Licht auftanken"

Der Engeraner Psychotherapeut Hans-Joachim Weber über Stimmungstiefs im Winter

Enger/Spenge. Kahle Bäume, dunkle Wolken und seit Monaten kaum andere Farben als Grau und Weiß: Vielen Menschen verdirbt der Winter inzwischen die gute Laune. Ihre Stimmung ist so trüb wie der Februarhimmel. Mareike Patock sprach mit dem Engeraner Psychotherapeuten Hans-Joachim Weber über Stimmungstiefs in der dunklen Jahreszeit und was man dagegen tun kann.

Herr Weber, warum schlägt das Winterwetter so vielen Menschen aufs Gemüt?
HANS-JOACHIM WEBER: Licht spielt da eine große Rolle. Denn die Lichtmenge beeinflusst unseren Tag-und-Nacht-Rhythmus. Wenn an trüben Wintertagen zu wenig Tageslicht in die Augen fällt, werden wichtige Zentren im Zwischenhirn zu wenig stimuliert. Als Folge schüttet unter anderem die Zirbeldrüse zu viel von dem Schlafhormon Melatonin aus. Wir fühlen uns dann müde und antriebslos.

Wie viele Menschen leiden am sogenannten Winterblues?
WEBER: Ich schätze, dass es zwischen einem Drittel und der Hälfte der Bevölkerung ist. Diese Stimmungstiefs sind in der Regel aber nichts Krankhaftes.

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Ab wann ist es denn krankhaft? Ab wann spricht man von einer richtigen Depression?
WEBER: Das hängt von den Symptomen und ihrem Schweregrad ab. Bei einer Winterdepression hat der Betroffene zu Nichts mehr Lust, kann nicht mehr arbeiten, leidet unter permanenten Stimmungstiefs und quält sich nur noch mit trüben Gedanken. Im schlimmsten Fall trägt sich der Patient sogar mit Selbstmord-Gedanken. Anders als bei einem Stimmungstief verliert sich eine Winterdepression auch dann nicht, wenn es mal drei Tage am Stück schön draußen ist, die Sonne scheint und der Körper wieder genug Licht bekommt.

Wovon hängt es ab, ob der Lichtmangel nur einen kleinen seelischen Durchhänger oder eine Depression auslöst?
WEBER: In der Regel ist das genetisch bedingt.

Gibt es Wintermonate, in denen es für die Betroffenen besonders schlimm ist?
WEBER: Im Januar oder Februar ist es sicherlich schlimmer als im November oder Dezember. Auch das hängt mit dem Licht zusammen. Je weiter der Winter vorangeschritten ist, desto mehr hat sich der Lichtmangel summiert.

Wann sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?
WEBER: Bei psychischen Leiden lässt sich das nur schwer sagen. Entscheidend ist der subjektive Leidensdruck.

Was kann man selbst tun, um sich aus einem Stimmungstief herauszuziehen?
WEBER: Man muss den Körper wieder mit Licht auftanken. Da hilft es, sich viel im Freien aufzuhalten, denn selbst bei bedecktem Himmel ist die Lichtintensität draußen höher als in der Wohnung.

Hilft auch ein Besuch im Solarium?
WEBER: Nein, man braucht schon Tageslicht.

Bei vielen Beschwerden wird Sport empfohlen. Ist Bewegung auch ein Mittel gegen den Winterblues?
WEBER: Sport ist auch in diesem Fall gut. Dadurch werden antidepressive Stoffe freigesetzt.

Kann man vorbeugen, um im Winter nicht in ein Stimmungstief zu fallen. Bestimmte Mineralstoffe zu sich nehmen zum Beispiel?
WEBER (lacht): Dass man dem Stimmungstief vorbeugen kann, ist mir nicht bekannt. Man könnte höchstens seinen Urlaub danach planen und im Winter in den sonnigen Süden reisen.

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