BAYERN Scheidegg - Grüner Genuss

An der Sonnenterrasse überm Bodensee

Grüner Genuss - © BAYERN
Grüner Genuss | © BAYERN

Beim "Allgäuer Viagra", dem Samen von Brennnesseln, griffen die meisten ja noch mutig zu – zu unscheinbar sahen die kleinen schwarzen Gebilde aus. Als Djemila Rädler und Christine Giera die Teilnehmer des Wildkräuter-Abendessens nahe der Hütte Bromatsreute im Allgäuort Scheidegg aber aufforderten, doch ein paar Dutzend frische Blätter der ungeliebten Pflanze zu pflücken, war Schluss mit lustig. Keiner wollte sich im wahrsten Sinn des Wortes die Finger verbrennen. Dabei hatten die beiden liebevoll "Kräuterhexen" genannten Damen schon Blätter vom Spitzwegerich bereitgelegt: Sie wirken nicht nur bei Wespenstichen schmerzstillend.

Nach einem Aperitif "Wilder Hugo", bei dem je nach Jahreszeit Prosecco und Limettensaft mit Giersch, Gundermann, Veilchen, Gänseblümchen und Schlüsselblumen mit Holunderblütensirup gemischt werden, heizte das Holzfeuer hinter dem mit Kräutern, Likören, Sirup sowie Tellern und Bestecken gedeckten Tisch dem offenen Kessel darüber mächtig ein. In ihm kochten gesammelte und von den Teilnehmern der Wanderung "Wilde Kost" kleingeschnittene Kräuter, bis die Vorspeisensuppe fertig war. Bis dahin aber durfte man sich mit Wildkräuterpesto auf frischem Brot laben und sich am Mörser üben – Rosenblätter mit Zucker vermischen.

Die Kräutersammlerin Christine Giera hält die "Rossminze" in der Hand. - © FOTO: TVB SCHEIDEGG
Die Kräutersammlerin Christine Giera hält die "Rossminze" in der Hand. | © FOTO: TVB SCHEIDEGG

Bis zu sechs Gänge servieren die beiden Kräuterfrauen bei der rund fünf Stunden dauernden Veranstaltung zweimal im Monat. Zum Nachtisch warten dann vielleicht gekochte Engelwurzblätter mit Früchten und Sirup. Gesammelt werden je nach Jahreszeit zum Beispiel Huflattich, Beinwellblätter, Indisches Springkraut, Schafgarbe und der bei Gärtnern so ungeliebte Giersch. Aber noch nicht auf dem Weg zur Hütte. Die Wiesen, durch die man wandert, sind von Kühen der Bauern zu sehr gedüngt. Es wird erklärt, dass man diese Kräuter nicht verwenden kann und diese erst pflückt, wenn man sich der Hütte unterhalb einer Waldlichtung nur rund 150 Meter von der Grenze zum österreichischen Vorarlberg entfernt, in rein natürlicher, kuhfreier Umgebung genähert hat.

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Auch wenn die gesunden Kräuter wenig zu neuem Hüftgold beitragen können, empfiehlt sich am nächsten Tag eine Wanderung rund um den heilklimatischen und Kneipp-Kurort, der als einziger in Deutschland den Zusatz "Premium Class" gleich zweimal trägt. Dabei darf man meist auf schönes Wetter hoffen, denn Scheidegg, oberhalb des Bodensees bei Lindau, wurde schon zweimal vom Deutschen Wetterdienst zum sonnenreichsten Ort Deutschlands gekürt (zuletzt 2011 mit 2.304 Stunden). Ausschlaggebend für viele sonnige Stunden ist die exponierte Lage des weit verteilten Ortes zwischen 600 und 1.000 Metern Höhe auf dem Pfänderrücken im Dreiländereck Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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