SERIE: DIE OSTFRIESISCHEN INSELN (7) Die Entdeckung der Langsamkeit

Wangerooge setzt auf Entschleunigung / Wahl noch bis 14 Uhr

Letzte Chance: Wählen Sie Ihre Lieblingsinsel - © Serie
Letzte Chance: Wählen Sie Ihre Lieblingsinsel | © Serie

Wangerooge. Die Insel Wangerooge ist seit 1978 ein staatlich anerkanntes Nordseeheilbad. Netter Titel. Aber was ist das Besondere an der östlichsten der sieben bewohnten Inseln vor der ostfriesischen Küste? Die Inselbahn fährt vom Anleger durch die Salzwiesen ins Dorf. Autos gibt es auf Wangerooge nicht, lediglich ein paar Elektrokarren. Den wenigsten ist es gegeben, ihre Gefühle in angemessene Worte zu kleiden.

Aber wer schon einmal verliebt war, der weiß, dass die Worte selbst oft nicht so wichtig sind, sondern dass es darauf ankommt, wer sie ausspricht – und wie er sie sagt. Für das Wangerooge-Gefühl braucht es einen Sänger. Am besten einen Bass vom Shanty-Chor "De Wangeroogers". Dann rollt das "r" in Wangerooge so sanft aus wie die Brandung an einem milden Frühlingstag, und das "ooge" klingt weich wie ein dick gepolsterter Strandkorb.

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"Erholung ist eine Insel" heißt der Slogan, mit dem die Verwaltung auf Wangerooge für ihre Insel wirbt. "Unheimlich entschleunigend" findet Pressesprecherin Marion Kohls das. Erholung und Entschleunigung, das sind die Versprechen des Inselmarketings an die Urlaubsgäste. Bis zu 200.000 Gäste verzeichnet die Insel jährlich. Tagesgäste inklusive.

Zwei von drei Besuchern sind Stammgäste

Etwa 60 Prozent von ihnen sind laut Verwaltung Wiederholungstäter, kommen also immer wieder und wollen nur das eine: sich erholen. Angela Karthaus gehört zu ihnen. Seit sieben Jahren reist sie jedes Frühjahr mit einer Gruppe von Frauen an. Es sind Frauen, die sich für eine Auszeit auf Wangerooge bei der katholischen Familienbildungsstätte in Osnabrück angemeldet haben.

Wangerooge, die östlichste der Ostfriesischen Inseln, ist ideal für Familien mit Kindern - © FOTO: DPA
Wangerooge, die östlichste der Ostfriesischen Inseln, ist ideal für Familien mit Kindern | © FOTO: DPA

Sie stehen an Bruchstellen ihres Lebens, wie Karthaus sagt. Müssen mit Verlusten klarkommen und mit neuen Lebenssituationen. Die Insel helfe ihnen, sagt Karthaus. "Wenn ich zum Meer komme, fließen die Träume, und ich lasse das Festland mit seinen Sorgen und Verpflichtungen hinter mir." Tatsächlich ist das Festland auf Wangerooge weiter weg als auf anderen Inseln (mit Ausnahme von Borkum).

Paradoxerweise trägt die Insel das Festland jedoch im Namen. Er führt das altgermanische "Wanga" für Wiese, Ebene mit dem friesischen Wort "og" für Insel zusammen und bedeutet somit in etwa "die Insel vor dem Festland". Dass es trotzdem weit weg erscheint, liegt an der Anreise. Nachdem die tideabhängige Fähre die Gäste übergesetzt hat, nimmt sie die Inselbahn auf, deren Gleise durch die wogenden Salzwiesen verlaufen. Autos gibt es nicht. Lediglich ein paar Elektrowagen. Wangerooge ist die Insel der kurzen Wege.

Hier gilt die Regel: Alles mit Ruhe

Am kürzesten ist der zum Wasser: An der Promenade im Ort beginnt der Strand. Bis zu 1.300 Strandkörbe stehen dort im Sommer. Damit hätte jeder Insulaner mehr als einen Korb für sich. Tatsächlich aber sind sie alle von Urlaubern gebucht. Für die Insulaner ist das lebenswichtig.

Immerhin arbeiten mehr als die Hälfte von ihnen im Fremdenverkehr und im Gaststättengewerbe. Auch dort lautet ihr Erfolgsrezept: Entschleunigung. Das bemerken die Gäste schon am Fähranleger. "Gott schuf die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt", heißt es dort auf einem Schild. Gott hätte wohl seine Freude gehabt an diesem ganz und gar entschleunigten Eiland in der Nordsee.

Stimmen Sie noch bis 14 Uhr ab: Welche der Ostfriesischen Inseln ist am schönsten? Am Donnerstag präsentieren wir Ihnen in der Neuen Westfälischen die Gewinnerinsel unserer Umfrage und die Geheimtipps der Leser.

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