Binz auf Rügen Ganz in Weiß

Winterliche Oase der Ruhe

Die Ostsee ist ruhig, der Strand weiß, und vom Kurhaus aus hat man beides gut im Blick.<QM>
Die Ostsee ist ruhig, der Strand weiß, und vom Kurhaus aus hat man beides gut im Blick.
Binz - Ganz in Weiß - © Rügen
Binz - Ganz in Weiß | © Rügen

"Man müsste die Strandpromenade um 38 Grad drehen, dann wäre das Ding perfekt", sinniert Gästeführer Klaus Boy während eines Rundgangs durch das winterliche Binz auf Rügen. "Dann hätten wir eine schöne Südlage und wären aus dem Ostwind raus." Weil das nun aber mal nicht geht, liegen die weißen Villen entlang des Laufstegs auch weiterhin vornehmlich im Schatten und müssen aus sich heraus leuchten. Den Urlaubsgästen war das anfangs ganz recht. Als Binz 1884 Seebad wurde, galt Körperbräune als unfein. Die Damen konnten somit von der Sonne unberührt auf den Balkonen und Loggien sitzen, dem Treiben am Strand zuschauen und nebenbei die gesunde Seeluft genießen.

Information

GUT ZU WISSEN

ANGEBOTE
Während der Rügener Regionalwochen vom 12. Januar bis 24. Februar stehen in Hotels, Restaurants, Geschäften und bei Veranstaltungen Sanddorn und Heilkreide im Mittelpunkt. Schiffstouren zu den Kreidefelsen beginnen, wenn das Wetter mitspielt, wieder am 1. Februar von der Seebrücke aus. Viele Hotels haben im Winterhalbjahr günstige Sonderarrangements geschnürt. Im Designhotel "Nixe" etwa kosten 3 Ü/F inkl. Spa und 3-Gänge-Menü im Sternerestaurant ab 259 Euro.

AUSKUNFT
Kurverwaltung, Heinrich-Heine-Str. 7, 18609 Ostseebad Binz, Tel. (038393) 148148, www.ostseebad-binz.de.

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Im Winter, wenn die Linden entlang der 3,6 Kilometer langen Strandpromenade kein Laub mehr haben, kommen die repräsentativen Villen erst richtig zum Vorschein. Die Türmchen, Zwiebelhauben, Säulen, das filigrane Laubsägendekor und anderer Zierrat, mit dem sich die Bauherren zu übertrumpfen versuchten.

Binz hat Stil. Auch bei Neubauten wurden viele Elemente der Bäderarchitektur wieder aufgegriffen. 85 Prozent der Häuser konnten nach der Wende saniert werden und wurden wieder aufs Schönste herausgeputzt. Der Rest war baufällig und musste abgerissen werden, auch das "Strandhotel", das der Binzer Gastwirt Wilhelm Klünder schon 1880 als erstes Hotel am Meer hatte erbauen lassen. "Der macht es nicht lange", sagten die Einheimischen und schüttelten den Kopf über so viel Dummheit. Dass jemand Badeurlaub machen wollte, konnten sie sich nicht vorstellen. Ins Wasser ging man doch höchstens, um sich umzubringen. Früh am Morgen, wenn nur ein paar Jogger den Strand ablaufen und die Seebrücke allein den Möwen gehört, berührt die Sonne ganz kurz die Seejungfrau auf dem Dach der "Sirene". Die Villa an der Strandpromenade wurde 1912 im Stil der italienischen Neorenaissance gebaut.

Boutiquen, Souvenirläden oder Cafés gibt es auf der Insel

Zu DDR-Zeiten wurden im Souterrain der Häuser Kohlen gebunkert. Inzwischen sind dort Boutiquen, Souvenirläden oder Cafés untergebracht. Im Untergeschoss der "Nixe", einer Jugendstilvilla mit seegrünem Dach gleich neben der "Sirene", kocht Ralf Haug die feinsten Gerichte aus regionalen Produkten. Getrocknete Tomaten, Oliven, Zitronengras und andere fremde Zutaten kommen bei ihm nicht auf den Teller. 2009 erwarb der sympathische 40-Jährige mit seiner innovativen nordischen Küche einen Michelin-Stern. Im Sommer geht es in dem Restaurant oft hektisch zu. Im Winter hat er für seine Gäste alle Zeit der Welt. Wer sich dann auf sein Überraschungsmenü einlässt, wird vor Glück förmlich dahinschmelzen. Am Ende der Promenade, dort, wo der Holzkutter auf dem Strand liegt, duftet es ebenfalls verführerisch. Bei Fischer Jürgen Kuse kehrt man gern auf einen Imbiss mit Räucherfisch ein.

Ein Fischer trotzt der Winterkälte.
Ein Fischer trotzt der Winterkälte.

Windschutzscheiben rund um das Strandstück vor dem Laden sorgen dafür, dass die leckeren Happen nicht vom Teller fliegen. In der Frühe fährt Kuse raus und holt die Stellnetze ein. Anfang März, wenn die ersten Heringsschwärme zum Laichen an die Ostseeküste kommen, herrscht Hochbetrieb. Dann steht er schon morgens um 9 Uhr am Strand und pflückt den Fang aus den Netzen.

Um die Zeit ist Bernsteinfischer Finbarr Corrigan schon wieder zu Hause. Wenn nachts der Ostwind heult, hält er den Atem an und hofft, dass sich der Wind nicht dreht. "Dann ist nämlich alles weg", sagt der 55-jährige Engländer, der vor sieben Jahren der Liebe wegen in Binz hängengeblieben ist. Sobald sich der Sturm gelegt hat, zieht er los mit Taschenlampe und einer Thermoskanne Tee mit Whisky und zieht bis zum Sonnenaufgang seinen Kescher durch das Gemisch aus Holz, Muscheln und Seetang. Bernsteinfischen ist Schwerstarbeit. 40 Kilogramm wiegt so ein Kescher, wenn er bis oben voll ist.

Wenn die Urlauber vormittags den Spülsaum nach Bernstein absuchen, steht Finbarr Corrigan in seiner Werkstatt in der Paulstraße und schleift und poliert das Ostseegold zu Schmucksteinen. In dem Laden duftet es nach ätherischen Ölen, typisch für Bernstein. Hier steht auch ein Fass mit Salzwasser, und der Urlaubsgast darf mit seinem Fund die Nagelprobe machen: Echter Bernstein schwimmt immer oben.

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