JAPAN Höflich bleiben

Zwischen Tradition und Moderne

Eine Eheschließung ist in Japan eine ernste Angelegenheit. Zeremonie im Tokioter Meji-Schrein, in dem Shinto-Gottheiten verehrt werden. - © FOTOS: SIGRUN MÜLLER-GERBES
Eine Eheschließung ist in Japan eine ernste Angelegenheit. Zeremonie im Tokioter Meji-Schrein, in dem Shinto-Gottheiten verehrt werden. | © FOTOS: SIGRUN MÜLLER-GERBES
Höflich bleiben - © JAPAN
Höflich bleiben | © JAPAN

Darf eine Geschichte, die Lust auf Reisen machen soll, mit dem Gang aufs Klo beginnen? Nur wenn es eines in Japan ist: beheizte Brille; eingebaute Sprühwäsche des Hinterteils; Spülungsrauschen vom Band auf Knopfdruck, das Körpergeräusche übertönt. Selbst an der Autobahnraststätte ist die Toilettenanlage Sinnbild fürs moderne Japan: für seinen Glauben an Fortschritt; seine Blitzsauberkeit; sein Bemühen um Diskretion und Rücksichtnahme. Und für sein Festhalten an Traditionen – gibt es doch zwischen all den High-Tech-Schüsseln auch stets eine Kabine im "Japanese Style": ein Loch im Boden.

Fortschrittsoptimismus: Ausgerechnet in dem so oft von Erdbeben geschüttelten Inselreich steht der welthöchste Fernseh- und Aussichtsturm. 634 Meter ragt der "Sky Tree" in Tokio in den Himmel. Seine endgültige Höhe erreichte er kaum eine Woche nach dem verheerenden Tsunami von Fukushima. Seit Eröffnung im Mai 2012 sind zwei Millionen Besucher im Fahrstuhl nach oben gesaust, 50 Sekunden bis zur oberen Aussichtsplattform. Der Rest ist Staunen. Ein Hochhaus drängt sich an das nächste, Straßenschluchten, so weit das Auge reicht, durchschnitten von Stadtautobahnen, die, um Platz zu sparen, auf Stelzen stehen.

Information

GUT ZU WISSEN

REISE: Japan lässt sich individuell erschließen oder in der Gruppe, etwa mit 9-tägiger Rundreise ab Tokyo. Bei Dertour – nach eigenen Angaben größter Japan-Veranstalter in Deutschland – ab 1.299 Euro pro Person.

FLÜGE:
Flüge nach Tokio und von Kioto zurück gibt es mit All Nippon Airways ab 933 Euro, von Frankfurt und München.

INFOS: www.gotokyo.org/de

Fremdenverkehrszentrale: www.jnto.de.

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Tokio mit seinen 13 Millionen Einwohnern ist bunt, oft schrill, immer schnell. Und sauber. Hundehaufen, Kippen, Müll – nichts davon ist zu finden auf den Straßen. Mülleimer übrigens auch nicht. Wie das zusammengeht? Japaner stecken ihren Abfall ein und entsorgen ihn zu Hause. Wie gesagt: Blitzsauberkeit gehört zum Nationalcharakter. Tokio ist zudem erstaunlich leise. Nur wer einen Parkplatz hat, darf ein Auto anmelden. Entsprechend viele Fahrräder schlängeln sich durchs Gedränge. Geklingelt wird nicht. Ist auch unnötig – man weicht eben höflich aus. Japanischer Höflichkeit begegnet man auf Schritt und Tritt, im Winter besonders augenfällig in den vielen Gesichtern, die sich hinter Papiermasken verbergen. Sie sind weder der hilflose Versuch, sich vor Strahlenbelastung zu schützen, die in Tokio auch nicht höher ist als in Berlin, noch sind sie Folge der Furcht vor Ansteckung. Im Gegenteil: Wer verschnupft ist, trägt Maske, um Bazillen nicht weiterzuverbreiten. Rücksichtnahme in Reinkultur.

Selbst die Schaffner in Japan sind höflich

Höflich ist auch der Schaffner im Schnellzug Shinkanzen. Er betritt das Abteil, zieht die Mütze, verbeugt sich tief und bittet, einen Blick auf die Tickets werfen zu dürfen. Noch eine Verbeugung – und die Gewissheit: Hier würde man auch als Individualreisender nicht verlorengehen.

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