Rodrigues Blaugrüne Schönheit

Die kleine Schwester von Mauritius

An die tausend Schildkröten leben auf Rodrigues.
An die tausend Schildkröten leben auf Rodrigues.
Die kleine Schwester von Mauritius - © Rodrigues
Die kleine Schwester von Mauritius | © Rodrigues

Es regnet. Ein feiner Sprühnebel geht unaufhörlich über dem kleinen Holzboot nieder, das über das grün schimmernde Wasser der Lagune tuckert – weit entfernt lockt die Palmeninsel Ile aux Cocos. Vorne steht breitbeinig Christopher und grinst, als die Passagiere ihre Regenschirme aufspannen, die eigentlich gegen die Sonne schützen sollten. "Wir lieben den Regen", sagt er mit seiner leisen, freundlichen Stimme, "er hält Rodrigues am Leben. Manche beten sogar um einen Zyklon, nur damit der Regen kommt."

Die kleine Insel Rodrigues mitten im Indischen Ozean, gut 600 Kilometer östlich der luxuriösen Schwesterinsel Mauritius, schläft wie Dornröschen, das noch auf seinen Prinzen wartet. "Mauritius wie vor 30 Jahren", sagen die Mauritier sehnsuchtsvoll. "Ein Paradies der Ruhe und Gelassenheit", sagen die Zugereisten. "Eine coole Insel", sagt Christopher. Der 33-jährige Rodriganer, der wie schon sein Vater Besucher zur vorgelagerten Ile aux Cocos fährt, würde für nichts auf der Welt woanders leben wollen als auf dem lange vergessenen Eiland mit seinen tropisch grünen Hügeln im Zentrum, den kargen Küsten und der Lagune, die sich im Norden und Westen kilometerlang bis zum Riff erstreckt, gegen das wütend die Wellen des Indischen Ozeans schlagen.

Information

GUT ZU WISSEN

AUSKUNFT
Fremdenverkehrsbüro der Insel Rodrigues, Port Mathurin, Tel. (0023083) 20866,
Internet:
www.tourism-rodrigues.mu.

ANREISE
Die Anreise nach Rodrigues ist nur über Mauritius möglich. Von dort geht es in 80 Minuten mit dem Flugzeug auf die Insel oder per Schiff in rund 36 Stunden.

KLIMA
Auf Rodrigues herrscht ein tropisches Klima mit 28 bis 35 Grad Celsius im Sommer (Oktober bis Mai) und 18 bis 27 Grad Celsius im Winter (Juni bis September).

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Wie schimmernde Jade umhüllt die Lagune den Flecken Vulkanerde. Wenn sich bei Ebbe der Ozean über die Riffkante zurückzieht, ist es für die Rodriganer Zeit, aufs Meer zu gehen. Die Männer holen die Fische mit Netzen oder Nylonschnüren aus dem Wasser, die Frauen gehen auf Tintenfischjagd. Schon vor Sonnenaufgang machen sie sich in ihren bunten Kleidern auf den Weg, vorbei an Papaya- und Bananengärten, und waten dann in Gummistiefeln ins Wasser. Mit Metallspeeren stechen sie in die Korallenhöhlen, in der Hoffnung, einen der porzellanfarbenen Oktopusse zu erwischen.

"In der Zeit unserer Väter", erzählt Christopher, "war die Lagune wie ein Topf voller Fisch." Doch diese Jahre sind vorbei – zu viele Fische und Kraken wurden aus der Lagune geholt. Die Regierung hat inzwischen zu speziellen Zeiten und an einigen Plätzen Fangverbot erteilt – geholfen hat es wenig. Für die Menschen hier ist der Fischfang ein Naturrecht. "Aufs offene Meer fahren wir zum Fischen nicht hinaus", sagt Christopher, "denn wir Rodriganer können nicht schwimmen."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Menschen auf Rodrigues zu gierig nach den Schätzen der Natur gegriffen haben. "Da sind viele Landschildkröten auf der Insel, manchmal 2.000 bis 3.000 auf einem Fleck. Man könnte über ihre Panzer gehen, ohne den Boden zu berühren", berichtete François Legat, der 1691 mit sieben Mann auf der Insel landete und zwei Jahre dort wie im Paradies lebte, bis die Männer des Alleinseins überdrüssig wurden und auf der Suche nach Frauen gen Mauritius segelten. Die Schildkröten dienten von da an über die Jahrhunderte als Abendessen, bis auch die letzte auf dem Tisch landete.

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