Die Zahl der Jagdscheininhaber in Ostwestfalen ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen.
Immer mehr Frauen und Jugendliche in der Region streben die Jagdprüfung an. - © dpa
Die Zahl der Jagdscheininhaber in Ostwestfalen ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen.
Immer mehr Frauen und Jugendliche in der Region streben die Jagdprüfung an. | © dpa

Statistik der Woche 11.706 Jäger in OWL freuen sich auf den Saisonstart

Statistik der Woche: Die Zahl der Jagdscheininhaber in Ostwestfalen ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen.
Immer mehr Frauen und Jugendliche in der Region streben die Jagdprüfung an

Elena Gunkel

Am 1. April beginnt in Deutschland das neue Jagdjahr. Mehr als 11.700 Menschen in OWL besitzen laut interner Statistik der Kreise aktuell einen gültigen Jagdschein. Mehr als 200 Personen haben sich außerdem zur Jagdprüfung angemeldet, die in NRW jährlich am letzen Montag im April stattfindet. Da nicht alle Kreise das Geschlecht der Jäger in ihrer Dokumentation erfassen, kann man nicht genau sagen, wie viele Frauen dabei sind. Doch tendenziell wachse die Zahl der Jägerinnen in OWL seit Jahren, bestätigen Mitarbeiter einzelner Jagdbehörden.Auch Jugendliche im Alter ab 16 Jahren legen immer öfter die Jagdprüfung ab. Was zeichnet einen guten Jagdhund aus und wann sollte man mit seiner Ausbildung beginnen, wie viele Falkenjäger gibt es in der Region und warum sind Berufsjäger so wichtig für den Naturschutz – Elena Gunkel hat das recherchiert. Frauen und Jugendliche Die Jagd ist schon längst keine Männersache mehr. Auch in Ostwestfalen legen Jahr für Jahr Dutzende Frauen die Jagdprüfung ab. Im Kreis Paderborn liegt der Anteil der Jägerinnen aktuell bei rund 8,6 Prozent (171 von 1.989 Besitzern des Jagdscheins), im Kreis Minden-Lübbecke sind es knapp acht Prozent (136 von 1.721 Jägern.) „Im Kreis Herford gibt es heute wesentlich mehr Jägerinnen als noch vor 20 Jahren", sagt Bernd Gundlach von der Jagdbehörde des Kreises. Nach seinen Schätzungen liegt der Anteil der weiblichen Jäger im Kreis bei rund zehn Prozent, jede sechste von 24 Anmeldungen zur Jagdprüfung 2016 wurde von einer Frau abgegeben. Zum Vergleich: Im Kreis Gütersloh war das jede dritte Anmeldung (9 von 29, davon drei von den Frauen im Alter unter 18 Jahren.) Die Motivation der Frauen sei vielseitig, sagt Gundlach. Manchmal wollen sie, genau wie die Männer, eine Jagdprüfung ablegen, weil es in ihren Familien bereits einige Jäger gibt. Bei anderen wird diese Entscheidung aus beruflichen Gründen getroffen, zum Beispiel wenn die Frau als Tierärztin oder Försterin arbeitet. Auch bei Jugendlichen in OWL liegt die Jagd anscheinend im Trend. Mehr als 200 Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren sind aktuell im Besitz eines Jagdscheins. Im Kreis Höxter liegt diese Zahl bei 90, im Kreis Minden-Lübbecke bei 84 Jugendlichen.  Ausbildung von Hunden „Jagd ohne Hund ist Schund", sagt der Volksmund. In der Tat ist ein gut ausgebildeter Jagdhund nicht nur für viele Jagdarten per Gesetz notwendig, sondern er spielt auch für den Naturschutz eine wichtige Rolle. 37 Hunderassen sind in Deutschland vom Jagdgebrauchshundverband als Jagdhundrassen anerkannt. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg wurden im Herforder Jagdgebrauchshundverein Wittekindsland Jagdhunde ausgebildet. Heute hat der Verein rund 220 Mitglieder aus ganz OWL. „Schon im Alter von drei Monaten kann der Welpe auf die Jugendprüfung vorbereitet werden", erzählt Vorsitzender des Vereins Karlheinz Dammeyer, der seit mehr als 20 Jahren die Jagd betreibt. Mit einem Jahr folgt die sogenannte Herbstzuchtprüfung. Dabei werden unter anderem der Geruchssinn und die Gehorsamkeit des Hundes überprüft. Doch erst nachdem der Hund nach zwei bis drei Jahren die sogenannte Meisterprüfung bestanden hat, könne er unbeschränkt im Jagdbetrieb eingesetzt werden. „Ein firmer Jagdhund ist gehorsam, er bleibt ruhig beim Schuss, läuft dem Wild ohne Geheiß nicht nach und kann erlegtes Wild sowohl im Wasser als auch auf dem Gelände finden und dem Jäger zutragen", betont der Experte. Naturschutz Oft haben Menschen die selber nicht jagen, ein falsches Bild vom Beruf des Jägers. Dabei sind Jäger alles andere als Menschen, die mit dem Gewehr über der Schulter im Wald herumlaufen und die Tiertötung als Hobby betreiben. Berufsjäger sind für die Pflege des Lebensraumes von Wildtieren zuständig und daher für den Naturschutz unabdingbar wichtig. „In der Jagd spielt Ethik eine wichtige Rolle. Es geht um Leben und Tod", sagt Jäger Karlheinz Dammeyer. „Deswegen sollte man als Jäger immer den Schöpfer im Hinterkopf haben. Wenn der Schuss nicht richtig saß und das Wildstück geflüchtet ist, muss der Jäger alles unternehmen, um es zu finden und zu erlösen." Gäste In der Regel kann ein Jagdschein in NRW für ein, zwei oder drei Jahre beantragt werden. In OWL kommen die Dreijahresscheine am häufigsten vor, gefolgt von den Jahresscheinen. Ein besonderes Angebot der Jagdbehörden sind die sogenannten Tagesjagdscheine, die innerhalb der 14 aufeinanderfolgenden Tage gelten. „Diese Jagdscheine werden meistens von den Ausländern in Anspruch genommen, die bereits einen gültigen Jagdschein haben und Deutschland als Jagdgäste besuchen", erklärt Sabine Voßhenrich von der Jagdbehörde im Kreis Gütersloh. Hier werden rund 20 solche Jagdscheine jährlich ausgestellt. Wer bei der Jagd auf die Schusswaffe verzichten kann, kann sich wiederum den sogenannten Falkenjagdschein zulegen. „Dieser erlaubt ausschließlich die Jagd mit einem Greifvogel", erklärt Jürgen Kley von der Jagdbehörde in Bielefeld. Nach seinen Angaben gibt es im Stadtgebiet zurzeit zwei bis drei Falkenjäger. Zum Vergleich: Im Kreis Gütersloh liegt diese Zahl aktuell bei 16 Jägern.

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