Schwarz 32:1 für Handball

Millionen Deutsche sahen den deutschen Handballern beim Finale der Europameisterschaft zu. Sie feiern das Team für seine Leidenschaft und die Spieler für ihre Authentizität. Aber ist Handball wirklich besser als Fußball?

Carsten Heil

Hier athletische, kernige Typen – dort schmächtige Hänflinge; hier Nehmerqualitäten – dort Weinerlichkeit; hier ein rassiges, schnelles Spiel – dort lahmer Rasenschach mit vielen Pausen; hier perfekte Körperbeherrschung – dort ungelenkes Reingrätschen; hier bei aller Körperlichkeit fairer Sportsgeist – dort nickeliges Nachtreten; hier gerechte Ergebnisse, weil angesichts vieler Tore immer die bessere Mannschaft gewinnt – dort destruktives Spiel, das oft mit einem Glückstor gewonnen wird. Hier bescheidene und sympathische Kleinverdiener – dort abgehobene Millionäre; hier Chancen für kleine Städte wie Lemgo und Lübbecke in der ersten Liga mitzuspielen – dort sind meist Großstädte oben, weil in den kleinen das Geld für große Etats fehlt; hier Spannung von der ersten bis zur 60 Minute – dort Langeweile über 75 der 90 Spielminuten; hier viele tolle Treffer – dort oft ein ödes 0:0 mit wenig Torszenen; hier klaglose Akzeptanz der Schiedsrichterentscheidungen – dort ewiges weinerliches Lamentieren über Unabänderliches; hier demütige Interviewaussagen nach dem Gewinn der Europameisterschaft – dort großkotzige Arroganz nach dem WM-Titel 1990 (Beckenbauer: „Diese Mannschaft wird auf Jahre nicht zu schlagen sein."). Die Jungs der deutschen Handball-Nationalmannschaft haben endlich die Verhältnisse im deutschen Sport gerade gerückt. Jedem muss klar sein, dass man Fußball eigentlich nur dann gucken kann, wenn gerade kein Handball läuft. Oder anders ausgedrückt: Fußball spielt man mit dem Fuß – Handball mit dem Kopf.

realisiert durch evolver group