Luke Skywalker (Mark Hamill, l.), Prinzessin Leia (Carrie Fisher) und Han Solo (Harrison Ford) in "Die Rückkehr der Jedi-Ritter". - © picture-alliance/ dpa
Luke Skywalker (Mark Hamill, l.), Prinzessin Leia (Carrie Fisher) und Han Solo (Harrison Ford) in "Die Rückkehr der Jedi-Ritter". | © picture-alliance/ dpa

Interview Star Wars-Darsteller Mark Hamill: "Heute verstehe ich das Ganze"

Interview: Mark Hamill, Darsteller der Figur Luke Skywalker, über das Phänomen "Star Wars", den neuen Film "Die letzten Jedi" und die überraschend verstorbene Kollegin Carrie Fisher

André Wesche

Mr. Hamill, im Dezember 1980 sind Sie zur Premiere von "Das Imperium schlägt zurück" nach Berlin gekommen. Mark Hamill: Das stimmt. Damals stand die Mauer noch. Jetzt bereiten wir den Bau unserer eigenen Mauer vor. Aaach... sind wir wirklich nicht dazu in der Lage, etwas hinzuzulernen? Wie peinlich! Die Figur des Luke Skywalker hatte einen großen Einfluss auf Ihr Leben. Können Sie beschreiben, was Sie darin sehen? Hamill: Zunächst einmal hätte ich nie erwartet, dass sich diese Sache so lange hält, wie sie es tut. "Star Wars" ist überaus populär und niemals von der Bildfläche verschwunden. Es ist natürlich schön, mit einer Sache assoziiert zu werden, an der die ganze Familie gemeinsam Spaß haben kann. Wer "Star Wars" als Kind gesehen hat, geht nun mit seinen eigenen Kindern ins Kino. Erinnern Sie sich an Ihre erste Lektüre des "Star Wars"-Drehbuchs? Hamill: Ja. Es war ein netter, optimistischer, positiver Film. Ich habe darin immer eher ein Märchen gesehen als echte Science Fiction. Besonders markant war für mich der Humor. Roboter stritten sich darüber, wer die Schuld trägt! Haben Sie für die neuen Filme sofort zugesagt? Hamill: Als man mich fragte, sagte ein Teil von mir: "Ja, schließlich hat es großen Spaß gemacht!" Der andere Teil war in Schockstarre. Diese Geschichte hatte einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Wie können wir die Fans noch einmal zufriedenstellen? Aber wenn ich es nicht noch einmal machen würde, wäre ich wohl der meistgehasste Mann der ganzen Star-Wars-Gemeinde. Luke Skywalker hat vor 40 Jahren Ihr Leben verändert. Glauben Sie, dass es jetzt noch einmal eine Wendung erfahren könnte? Hamill: Nein. Ich glaube, allmählich verstehe das Ganze. Auch wenn es eine Zeit gedauert hat, es herauszufinden. Ich sage Ihnen ehrlich, ich hätte mir nicht vorstellen können, zu was für einer Supernova sich diese Geschichte entwickelt. Was für ein Gefühl ist es, eine eigene Actionfigur zu haben? Hamill: Inzwischen liebe ich all diesen Kram. Waren Sie auch einmal Fan? Hamill: Für mich als Elfjährigen waren die "Beatles" das Adäquat zu "Star Wars". Ich konnte es gar nicht fassen! Ich liebte die Musik so sehr und sie waren so lustig drauf. Sie waren auch ziemlich exotisch, ich konnte ihren Akzent nicht einordnen. Ich kann die obsessive Natur des Fan-Seins gut nachvollziehen. Man will alles über seine Idole wissen. Sind Sie ein Sammler? Hamill: Der Memorabilia-Aspekt ist faszinierend für mich. Ich hatte nie erwartet, welche Ausmaße das annehmen würde. Ich selbst sammle keine "Star Wars"-Artikel. Unser Sohn Nathan heute schon. Er trug noch Windeln, als diese großen Kisten von der Firma "Kenner" ankamen. Sein erstes Wort war "Mama". Und ich schwöre, sein drittes Wort war "Kenner". Ich weiß, dass ich die Sachen als Sammler unversehrt auf den Dachboden hätte bringen müssen. In 10 oder 15 Jahren würden sie ihren Wert enorm steigern. Und heute? Hamill: Heute schaut Nathan natürlich in die Sammlerkataloge und fragt mich, warum ich ihn die "12 Inch-Prinzessin Leia" habe auspacken lassen. Originalverpackt ist sie heute 1.400 Dollar wert. "Warum hast Du zugelassen, dass ich ihr eine Sinead O?Connor-Frisur verpasse?" Ich konnte nur antworten: "Weil Du es so wolltest." Ihr aktueller Luke Skywalker, den man bislang nur kurz sehen konnte, wirkt eher wie ein Erlöser oder ein Messias als ein Jedi. Stimmen Sie dem zu? Hamill: Er ist sicherlich nicht das, was ich erwartet habe. Als ich das Drehbuch las, dachte ich: "Oh mein Gott, das ist es, was sie von ihm denken?" Luke war immer der optimistischste und hoffnungsvollste Charakter. Die neuen Filme stecken in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite will man alle Elemente bewahren, die die Menschen mit den Filmen assoziieren, auf der anderen Seite will man sich auch nicht wiederholen, sondern das Publikum herausfordern. "Das Imperium schlägt zurück" war deshalb so erfolgreich, weil der Film tiefer ging und eine spirituelle Ebene hatte. Natürlich neigt man dazu, seine Figur zu sehr in Schutz zu nehmen. Aber es ist Rian Johnsons Film. Wie weit gehen Leute, um Ihnen Details der Handlung zu entlocken? Hamill: Ihr Journalisten seid alle so clever. Neulich hat mich einer gefragt: "War es schwierig, wieder den Umgang mit dem Lichtschwert zu erlernen?". Er hätte auch gleich fragen können: "Schwingen Sie wieder das Lichtschwert?" Auch die Fans sind so enthusiastisch. Ich selbst beschäftige mich nicht jeden Tag mit "Star Wars". In meinem Haus weist nichts darauf hin, dass ich etwas mit diesen Filmen zu tun habe. Und dann geht man zu so einer Fan Convention, betritt die Bühne und 2.000 Menschen flippen aus. Es gibt übrigens eine Aussage, die Sie unbedingt vermeiden sollten, wenn Sie jemals vor 2.000 "Star Wars"-Fans stehen, nämlich: "Es ist doch nur ein Film." Oh mein Gott! Man hätte denken können, ich hätte den Papst angespuckt! Wie schwer ist es für Sie, auf Carrie Fisher verzichten zu müssen? Hamill: Wie man es auch dreht, man kann dieser Tatsache nichts Tröstliches abgewinnen. Carries Tod verleiht dem Film eine gewisse Melancholie, die er nicht verdient. Hoffentlich werden die Zuschauer trotzdem mitgerissen. Darum geht es doch in "Star Wars": Triumph und Tragödie, Leben, Tod und Wiedergeburt.

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