Sind zurück: Michael „Bully" Herbig (Mr. Spuck, v. l.), Christian Tramitz (Captain Kork) und Rick Kavanian (Schrotty) in einer Szene aus „Bullyparade – Der Film". - © dpa
Sind zurück: Michael „Bully" Herbig (Mr. Spuck, v. l.), Christian Tramitz (Captain Kork) und Rick Kavanian (Schrotty) in einer Szene aus „Bullyparade – Der Film". | © dpa

Film „Bullyparade live? Denkbar ist das“

Interview: Michael Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian über die Zusammenarbeit bei ihrem neuen Kinofilm und weitere Pläne

André Wesche

Herr Herbig, Herr Tramitz, Herr Kavanian, Sie haben mit zwei Filmen deutsche Kinogeschichte geschrieben. Ein süchtig machendes Gefühl, das 
man gern noch einmal erleben möchte? RICK KAVANIAN: Nicht in kommerzieller Hinsicht. CHRISTIAN TRAMITZ: Doch! (lacht) KAVANIAN: Wir haben den Film nicht gemacht, um an die Zahlen von damals heranzureichen, sondern weil es schön ist, nach so langer Zeit zu jener Sache zurückzukehren, mit der wir angefangen haben. MICHAEL HERBIG: „Süchtig" ist nicht das richtige Wort, wir sind ja keine Junkies. Wenn man wirklich süchtig wäre, hätte man ohne Skrupel sofort einen zweiten Teil von beiden Filmen gemacht. Als Außenstehender hat man gern die romantische Vorstellung, dass die Mitglieder einer Lieblingstruppe oder -band auch nach der Arbeit die dicksten Freunde sind. Wie würden Sie Ihr Verhältnis untereinander beschreiben? TRAMITZ: Ich glaube, wenn wir einmal zusammen in den Urlaub fahren würden, wären wir keine Freunde mehr. (lacht) HERBIG: Der Vergleich mit der Band ist ganz treffend. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass Leute, die permanent Musik miteinander machen, irgendwann sagen, ich möchte jetzt mein eigenes Projekt verfolgen oder ein Soloalbum produzieren. Und irgendwann kommt man wieder zusammen und schmeißt die neuen Erfahrungen in einen Topf. Bully, Sie waren immer für Ihren Perfektionismus berühmt-berüchtigt. Können Sie es mittlerweile lockerer angehen 
lassen? HERBIG: Ich weiß inzwischen, dass man diesen einen Superfilm, den man gern machen möchte, einfach nicht hinkriegt. Es geht mir schon so, dass ich die Fehler in einem Film mit ein wenig Abstand nicht mehr sehe. Wenn ich mir nach 16 Jahren den „Schuh des Manitu" anschaue, dann fallen mir die Dinge, die mich damals gestört haben, gar nicht mehr groß auf. Begegnen Sie sich heute mehr auf Augenhöhe, während Bully früher eher der Boss war? TRAMITZ: Es war immer eine relativ demokratische Zusammenarbeit. Aber mir fehlt zum Beispiel komplett das visuelle Vorstellungsvermögen. Ich habe zwar ganz gute Ohren. Aber Bully hat ein Bild im Kopf. Das werde ich niemals haben. Ich könnte als Regisseur wahrscheinlich gut mit den Schauspielern umgehen. Aber ich bräuchte immer einen Kameramann, der mir erklärt, was ein Achsensprung ist. Als den Boss habe ich Bully aber nie empfunden. HERBIG: Es war einfach die Aufgabenverteilung. Und es war ein glücklicher Zufall, dass sich einer von uns auch mit den technischen Dingen befassen wollte. Ich wollte Filme machen. Und die haben mich gelassen. Formate wie „Little Britain" sind mit Ihrem Programm auf Tournee gegangen. Gab es jemals Pläne, auch mit der „Bullyparade" live vor Publikum aufzutreten? KAVANIAN: Denkbar ist das schon. Wir haben die „Bullyparade" ja auch live vor Publikum aufgezeichnet. Aber es wäre ein wahnsinniger Aufwand. Im Gegensatz zu „Little Britain" geht es im Film der „Bullyparade" wesentlich weniger deftig zu, auch wenn es eine sehr nette Strip-Nummer gibt. Wo haben Sie sich geschmackliche Grenzen gesetzt? HERBIG: Die berühmte „Gürtellinie" definiert jeder anders, die einen haben sie am Knöchel und die anderen am Hals. Es wurde auch behauptet, „(T)Raumschiff Surprise" wäre unter der Gürtellinie. Ich finde diesen Film nach wie vor wahnsinnig harmlos. Wie soll man damit umgehen? Man kann nur das machen, was man selbst auch noch vertreten kann. Wenn wir Menschen auf den Arm genommen haben, haben wir immer darauf geachtet, dass es auf eine charmante Art passiert. Das ist so ein Bauchgefühl. Herr Herbig, im nächsten Jahr feiern Sie Ihren 50. Geburtstag. Spüren Sie schon Anzeichen einer Midlife Krise? HERBIG: Überhaupt nicht! Ich habe jetzt eine Frau in den Wechseljahren gespielt und mich sehr gut dabei gefühlt. Ich konnte das ausleben. Was verdanken Sie der „Bullyparade"? KAVANIAN: Sehr viel. Für mich persönlich war es die Ursuppe. Ich habe alles ausprobieren und lernen dürfen. Manche der Figuren, die wir uns vor zwanzig Jahren überlegt haben, spiele ich heute noch auf der Bühne. Für mich geht alles darauf zurück. TRAMITZ: Ich glaube, da geht es uns allen ähnlich. Diese Möglichkeiten, alles auszutesten, hätte man bei anderen Formaten sicher nicht gehabt. HERBIG: Vor 20 Jahren sah es eher so aus, als ob wir es mit der Show nicht weit bringen. Niemand hätte damit gerechnet, dass wir heute hier sitzen und über einen Kinofilm reden, weil ihn die Leute gern sehen wollen. Das ist schon ein großes Glück, für das man auch dankbar ist.

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