Borowski (Axel Milberg, Mitte) und Brandt (Sibel Kekilli, li.) befragen den ehemaligen Personalchef des Hauptverdächtigen. Dieser taucht wenig später im Krankenhaus auf. In der Folge waren Borowski und Brandt zum letzten Mal als Ermittlerduo in Kiel zu sehen. Sibel Kekilli steigt aus. - © NDR/Christine Schroeder
Borowski (Axel Milberg, Mitte) und Brandt (Sibel Kekilli, li.) befragen den ehemaligen Personalchef des Hauptverdächtigen. Dieser taucht wenig später im Krankenhaus auf. In der Folge waren Borowski und Brandt zum letzten Mal als Ermittlerduo in Kiel zu sehen. Sibel Kekilli steigt aus. | © NDR/Christine Schroeder

TV & Film Tatort: Befragt die Polizei Verdächtige auch im Krankenzimmer?

In "Borowski und das Fest des Nordens" befragt der Kommissar einen schwer verletzten Verdächtigen

Angela Wiese

Der Tatort "Borowski und das Fest des Nordens" war wieder ein Kieler Original. Mit einer Besonderheit: Hauptkommissar Klaus Borowski ist etwas durcheinander. Er trinkt, er pöbelt und gräbt, etwas verwirrt, eine Kellnerin an. Wegen dieser Verwirrung vielleicht übernimmt er am Ende der Kieler Tatort-Folge die volle Verantwortung für das Leben des schwer verletzten Verdächtigen, den der Kommissar unbedingt befragen will.  Solche Szenen sind bekannt. Nicht selten spazieren Kommissare in Tatort-Folgen in Krankenzimmer, um Zeugen oder Verdächtige in einem Mordfall zu befragen. Manchmal gehen sie dabei rabiat ans Werk, selbst wenn der Patient schwer oder lebensgefährlich verletzt ist. Doch ist  die Befragung im Krankenzimmer eigentlich realistisch? Befragen Ermittler auch mal einen schwer verletzten Menschen, um in einem Fall weiterzukommen? Formalitäten in der Realität Vernehmungen im Krankenhaus seien möglich und werden auch durchgeführt, sagt Sonja Rehmert von der Pressestelle der Bielefelder Polizei. Wann genau, werde von Fall zu Fall entschieden. Wichtig sei, dass die jeweilige Person vernehmungsfähig und die Befragung zumutbar sei. In schwerwiegenden Fällen, etwa bei Tötungsdelikten, entscheide auch die Staatsanwaltschaft mit. Allerdings läuft so eine Vernehmung nicht ab, wie es im Tatort häufig zu sehen ist. Die Ermittler stürmen nicht ins Zimmer und fangen einfach an. "Es gelten dort dieselben Regeln wie bei anderen Vernehmungen auch", sagt Rehmert. Die förmlichen Voraussetzungen müssen stimmen. Die Polizisten müssen die Befragten also auch im Krankenzimmer auf ihre Rechte und Pflichten hinweisen. Ein Beschuldigter muss zum Beispiel über sein Recht auf Aussagefreiheit belehrt werden. Auch der Gesundheitszustand spielt eine wichtige Rolle. Der Betroffene muss im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte sein. Andernfalls ist die Aussage am Ende womöglich vor Gericht gar nicht zu gebrauchen. Drama statt Belehrung Klaus Borowski und seine Tatort-Kollegen handeln also nicht ungewöhnlich, wenn sie Beschuldigte am Krankenbett befragen. In der Realität werden nur mehr Formalitäten beachtet, die in einem Tatort für den Zuschauer wahrscheinlich eher öde wären. Statt auf Formalitäten setzte die aktuelle Tatort-Folge auf Dramatik. Der Verdächtige, der an schweren inneren Verletzungen leidet,  will Borowski die wichtigen Informationen nur geben, wenn der Kommissar ihn anschließend "erlöst". Das tut Borowski offenbar, denn wenig später ist der Verdächtige tot. So ein Deal gehört dann doch in die Tatort-Fantasiewelt.

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